Fernverkehr : Neue Loks? Die ersten bitte nach Sylt

Die Lärmbelästigung durch den Autozug hat sich rund um den Bahnhof durch viele kleine Maßnahmen bereits spürbar reduziert. Foto: fligge
Die Lärmbelästigung durch den Autozug hat sich rund um den Bahnhof durch viele kleine Maßnahmen bereits spürbar reduziert. Foto: fligge

Lärm und Abgase: Im Verkehrsausschuss gab es zwar Lob für die Bemühungen des Sylt-Shuttle, aber auch einen Appell an den Vorstand der DB AG

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28. Mai 2011, 10:59 Uhr

Sylt | Die Ankündigung von Autozug-Niederlassungsleiter Alfred Onken, dass die DB AG derzeit die Anschaffung neuer, abgasarmer Dieselloks für den Fernverkehr prüfe und möglicherweise auch der Sylt-Shuttle diese neuen Loks bekäme, hat bei den Mitgliedern des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses der Gemeinde Sylt für Skepsis und Kritik gesorgt. Ihre Befürchtung: Die Bahn kauft neue, moderne Loks, doch über den Hindenburgdamm schickt sie weiterhin ihr veraltetes Material. "So wie früher im Regionalverkehr, bevor es die NOB gab", erinnerte SWG-Fraktionschef Sönke Hansen. Angesichts der Weigerung der Bahn, die Strecke von Itzehoe bis Sylt zu elektrifizieren, forderte er für die mitten im Nationalpark Wattenmeer gelegene Insel wenigstens den Einsatz der besten Diesellokomotiven.

Denn obwohl die auch beim Sylt-Shuttle eingesetzten Dieselloks in den letzten Jahren mit schadstoffärmeren Motoren ausgerüstet wurden, werden sie die ab 2012 geltenden Abgas-Grenzwerte nicht erfüllen. Aus diesem Grund strebe der DB Sylt-Shuttle ab 2015 den Einsatz 15 neuer Loks an, nach denen derzeit auf dem Markt gesucht werde. Wie Onken im Ausschuss mitteilte, sollen diese Loks auch den neuen ICx ziehen. Mit einer Entscheidung sei noch in diesem Sommer zu rechnen. Geplant sei, die 15 Loks des Sylt-Shuttle sowie weitere 15 ICx-Lokomotiven in Niebüll zu warten. Sollte es für den Autozug keine neuen Loks geben, würden die Motoren der alten weiter optimiert.

Während Onken für seine Bemühungen zur Reduzierung von Lärm und Abgasen auf der Insel viel Lob von den Politikern erhielt, war die Skepsis gegenüber der Konzernleitung groß. "Die Bahn fährt hier mitten durchs Weltnaturerbe Wattenmeer - da sollte es eigentlich ein Selbstgänger sein, dass die ersten neuen Loks nach Sylt fahren", formulierte Holger Flessau (CDU) die Erwartungshaltung.

Deutlich verringert hat sich bereits der durch die Autozüge verursachte Lärm in Tinnum und Westerland. Dazu beigetragen haben laut Onken folgende Maßnahmen: Der tägliche Test der Hupe vor jeder ersten Fahrt findet nicht mehr auf dem Rangiergleis, sondern erst auf dem Hindenburgdamm statt. Während des Rangierens wird die Motorleistung so weit reduziert, dass sich Luken an der Seite der Lok nicht mehr öffnen. Beim Rangieren nutzen die Lokführer die Zug- und nicht nur die stark quietschende Lok-Bremse.

Zu den künftigen Maßnahmen gehören: Die Prüfung, wie weit sich der nächtliche Rangierverkehr reduzieren lässt. Ziel sei es, vor und nach dem Wochenende bereits um 22.15 statt erst um 0.15 Uhr fertig zu sein. Das von Mai auf Juli verschobene Auswechseln der Schienen im Bahnhofsbereich. Der mögliche Einbau einer sogenannten Schienenkonditionierung, die durch schmieren der Gleise das Quietschen minimiert.

Die Ausschussmitglieder gaben dem als "guter Ansprechpartner" gewürdigten Niederlassungsleiter jedoch noch einige weitere "Kleinigkeiten" mit auf den Weg: Angefangen von den oftmals zu lauten Lautsprecherdurchsagen über klappernde Verbindungsplatten einiger Waggons bis zu der Frage, ob man den kaum besetzten 1. Zug am Sonntagmorgen nicht auch zur Stadt hin entladen könnte... Vermutlich wird Onken auch dabei wieder nach dem Motto handeln: "Wenn man sich ernsthaft mit einem Thema befasst, wird es auch gewürdigt."

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