„Fisch-Fiete“ auf Sylt : Neue Hoffnung für Sylter Traditionsrestaurant

So sah das Gebäudeensemble des Keitumer Fischrestaurant im Sommer 2016 aus.
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So sah das Gebäudeensemble des Keitumer Fischrestaurant im Sommer 2016 aus.

Montagabend berät der Bauausschuss über einen erneuten Antrag für das seit Ende 2016 geschlossene Keitumer Restaurant.

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11. Februar 2018, 20:00 Uhr

Keitum | Ein bereits verloren geglaubter Kampf um den Erhalt eines Sylter Traditionsrestaurant geht heute in eine weitere Runde: Am Abend berät der Bauausschuss der Gemeinde Sylt über einen neuen Antrag für den Umbau der ebenso bekannten wie beliebten Gaststätte „Fisch-Fiete“ in der Keitumer Ortsmitte. Inhaber Thomas Sievers hat bei der zuständigen Inselbaubehörde erneut einen Antrag zur Fortführung des Bebauungsplanes für das Grundstück im Weidemannweg 3 eingereicht und hofft, mit modifizierten Vorschlägen zur Bebauung und vor allem zur künftigen Nutzung der Gebäude doch die Lokalpolitiker überzeugen und damit seinen Betrieb wieder aufnehmen zu können.

Im Spätherbst 2016 hatte Sievers das seit drei Generationen in Familienbesitz befindliche Restaurant endgültig geschlossen: „Fisch-Fiete ist nun Geschichte. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, erklärte er damals gegenüber der Sylter Rundschau. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit in den politischen Gremien: Insgesamt zehn Mal legte Thomas Sievers immer neue Pläne vor, ohne deren Verwirklichung es nicht möglich wäre, die Fisch-Gaststätte zu erhalten und weiter wirtschaftlich zu betreiben, so die Argumente des Eigentümers.

„Fisch-Fiete“ als baurechtlicher Präzedenzfall?

Doch sowohl der Keitumer Ortsbeirat als auch der Bauausschuss der Gemeinde Sylt verweigerten immer wieder aufs Neue ihre Zustimmung. Zu groß war die Angst, damit einen „Präzedenzfall Fisch-Fiete“ zu schaffen, der ähnliche Anträge zur Folgen haben könnte. Dabei waren die Politiker dem Eigentümer Sievers bei dessen Umbauplänen aus ihrer Sicht weitestgehend entgegengekommen: Sie hatten beschlossen, dass anders als sonst bei Neu- oder Umbauten rings um den Gurtstig, keine 40 Prozent Wohnraum im Erdgeschoss entstehen müssen und dies stattdessen zu 100 Prozent als Speisewirtschaft genutzt werden darf.

Inhaber Thomas Sievers vor seinem geschlossenen Restaurant. /Archiv
Pierre Boom

Inhaber Thomas Sievers vor seinem geschlossenen Restaurant. /Archiv

 

Über diese extra für ihn gebaute „Brücke“ wollte Sievers zumindest Mitte September 2016 noch nicht gehen. Um die aufwendigen Neubau-, Umbau- und Sanierungspläne für den Gebäudekomplex finanzieren zu können, müsse er zwingend ein Drittel der Nutzfläche (ca. 120 Quadratmeter) als Ladenlokal weiterverpachten, erklärte der Restaurant-Inhaber auf einer gemeinsamen Sitzung von Ortsbeirat und Bauausschuss. Dies wiederum ging den Politikern zu weit, die auf jeden Fall einen weiteren Anstieg der im Kapitänsdorf ohnehin „unbeliebten Luxusboutiquen und Nobelgeschäfte“ verhindern wollen. In der Abstimmung votierte der Ortsbeirat mit knapper Mehrheit gegen die Änderung, der Bauausschuss lehnte sie mit sieben Gegenstimmen bei drei Enthaltungen sogar vollständig ab.

Neues Konzept könnte den Bausschuss überzeugen

Nun jedoch – nach mehr als 16 Monaten Schließung und Stillstand – kommt Thomas Sievers mit einem neuen Vorschlag: Der „Fisch-Fiete“-Eigentümer möchte das Erdgeschoss nach den Umbauten weiterhin zu 100 Prozent gastronomisch nutzen, Restaurant und Bistro sollen erhalten bleiben. In einem östlich gelegenen, neuen Reetdachanbau soll ein Café mit „untergeordnetem Verkauf von gastronomienahen Produkten“ wie Suppen, Gewürzen, Keksen, Marmeladen, Saucen (überwiegend aus eigener Herstellung) sowie von Wein und Kaffee Platz finden. Die genehmigten Abstellräume an der Nord- und Ostseite sollen verschwinden und nur ein neues Nebengebäude für den Müll der Wohnungen und des Restaurants/Cafés im hinteren Grundstücksbereich gebaut werden. Das Dachgeschoss soll zu 100 Prozent als Dauerwohnraum erhalten bleiben.

Laut Beschlussvorschlag der Stabsstelle Ortsentwicklung könnte der Bauausschuss am Montagabend der Fortführung der Planungen für „Fisch-Fiete“ zustimmen, falls er ausnahmsweise erklärt, dass innerhalb zulässiger Schank- und Speisewirtschaften im Bereich des geplanten Cafés untergeordnet der Verkauf von gastronomischen Produkten zulässig ist. Ein erneutes Votum des Keitumer „Dorfparlaments“ sei aber nicht erforderlich: „Es bleibt ja bei der beschlossenen 100/100-Prozent-Regelung, deshalb sind wir als Ortsbeirat nicht erneut gefordert“, sagte der Vorsitzende Oliver Ewald auf Anfrage der Sylter Rundschau.

Thomas Sievers hofft auf eine Zustimmung für die geänderten Baupläne inklusive einer Nutzung mit neuem Café: „Das wäre für mich sehr hilfreich. Dann sehe ich für ‚Fisch-Fiete‘ doch endlich wieder eine Zukunft.“

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