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Sylter Rundschau

23. August 2017 | 04:18 Uhr

Asyl auf Sylt : Neue Herausforderungen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Allein die Grundbetreuung verlangt hohen Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen / Fast 70 neue Asylbewerber sollen dieses Jahr kommen

Ein Bett und ein Schrank, eventuell auch ein Stuhl und ein Tisch, dazu Bettwäsche und Handtücher: Das ist die Erstausstattung für einen Asylbewerber, die Jan Klein, einer der Sozialarbeiter der Gemeinde Sylt, in der neuen Unterkunft über der ehemaligen Feuerwache am Westerländer Rathaus einräumt. Die Einrichtungsgegenstände kommen entweder aus Sachspenden oder werden möglichst kostengünstig erworben, vorrangig über die gemeinnützige Werkstatt 36 des Diakonischen Werkes Südtondern.

„Insgesamt hat die Gemeinde Sylt im vergangenen Jahr 409  000 Euro für Asylbewerber und Flüchtlinge, aber auch für Obdachlose ausgegeben“, erläutert Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt. „Dem stehen Einnahmen von 246  000 Euro gegenüber, die zu 70 Prozent vom Land Schleswig-Holstein und zu 30 Prozent vom Kreis Nordfriesland kommen. Das ergibt eine Differenz von 162  000 Euro, die über unseren Gemeindehaushalt finanziert werden.“

Mit dem Geld würden die Mieten für derzeit fünf genutzte Wohnobjekte bezahlt, die sich nicht im Gemeinde-Eigentum befinden, sowie Verbrauchskosten und Aufwendungen für Säuberungen oder Sanierungen. Personalkosten seien darin allerdings noch nicht enthalten, erklärt Gotthardt. Der gestiegene Aufwand durch mehr Asylbewerber auf Sylt zeige sich auch in der wachsenden Arbeitsbelastung: Während die sechs Mitarbeiter des „Teams Asyl“ im Oktober 2014 mit 60 Wochenstunden im Einsatz waren, beträgt die Zahl im Februar dieses Jahres bereits 95 Wochenstunden. Ab April verteilt sich die Arbeit zwar auf sieben Kollegen, weil eine neue Kraft als Sozialarbeiter eingestellt wird, aber auch der Zeitaufwand werde dann auf 110 Wochenstunden steigen, so die Ordnungsamtschefin.

„Wir reden hier aber nur von der Grundbetreuung, die notwendig ist und bei aller Arbeitsbelastung selbstverständlich sein sollte“, betont Gotthardt. Dazu gehören außer dem Herrichten der Unterkünfte insbesondere der persönliche Empfang von Neuankömmlingen – die so genannte erste Inselrundfahrt, wie es die Asylbetreuer nennen. Dabei geht es zum Einwohnermeldeamt und ins Sozialzentrum, zu Ärzten, den Sylter Tafeln und in die Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt. Außerdem steht den Asylbewerbern jeden Tag ein Mitarbeiter für eine Stunde „Sorgensprechzeit“ im Wintergarten der Unterkunft im Sjipwai zur Verfügung.

Sehr hoch seien darüber hinaus die administrativen Arbeitsaufgaben sowie der Betreuungsaufwand für die aktuell insgesamt acht Sylter Unterkünfte. „Viele kleine Einheiten machen eben auch viel Arbeit“, sagt Gabriele Gotthardt. „Besser wären größere Objekte wie das ehemalige Obdachlosenheim.“ Eine Belegung mit fünfzig Personen wäre das Minimum für ein solches Haus. Die Gefahr, dass dadurch auf der Insel „Ausländerghettos“ entstehen könnten, sieht die Ordnungsamtsleiterin überhaupt nicht. „Ganz im Gegenteil. In den Objekten könnten dann auch Treffpunkte wie Teestuben oder Veranstaltungsräume eingerichtet werden. Das ist einerseits wichtig für die Integration der Flüchtlinge, andererseits würde damit eine Gemeinschaft untereinander geschaffen und gestärkt.“ Aber natürlich müssten dafür geeignete Häuser gefunden werden, die zu vernünftigen Preisen angemietet und umgebaut werden können. „Wir sind da intensiv auf der Suche und in alle Richtungen völlig offen“, sagt Gotthardt. Angesichts des zu erwartenden Anstiegs seien allerdings auch Wohncontainer „grundsätzlich eine Option, doch die brauchen dann geeignete Flächen mit entsprechender Infrastruktur.“

Nach Informationen der zuständigen Ausländerbehörde des Kreises werden dieses Jahr 500 Flüchtlingen nach ganz Nordfriesland verteilt. Gemäß aktuell gültigem Quotenschlüssel werden davon 69 Personen nach Sylt geschickt. 23 sind im Januar und Februar bereits gekommen, mit weiteren 46 ist also zu rechnen – dann läge die Gesamtzahl der Personen, die untergebracht und auch betreut werden müssen bei ungefähr 150. Aufgrund dieser Dringlichkeit hat Ordnungsamtschefin Gotthardt alle für den Bereich Asyl Verantwortlichen aus Verwaltung, Politik und Ehrenamt für April zu einem großen runden Tisch eingeladen.

 

 

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erstellt am 20.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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