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Naturschutz auf Sylt : Neue Heimat für Säbelschnäbler & Co.

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Damit die vielen Vögel im Rantumbecken weiter ungestört brüten können, müssen die Inseln saniert werden

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 05:33 Uhr

Ursprünglich war das Rantumbecken ein Wasserflugplatz, der in den Jahren 1936/37 im Auftrag der Wehrmacht vom Wattenmeer abgetrennt wurde und der Luftwaffe als Fliegerhorst diente. Heute, 80 Jahre später, steht das 568 Hektar große Becken unter Naturschutz und bietet Zehntausenden von Vögeln Nahrungs- und Rastflächen. Insbesondere während der Zeient des Vogelzuges im Frühjahr und Herbst bevölkern riesige Schwärme von Alpenstrandläufern, Knutts und anderen Küstenvögeln die Flachwasserbereiche und Inseln. Ein Paradies für Ornithologen, die von weit her kommen, um die vielfältige Vogelwelt zu beobachten. „Wir haben vor kurzem sogar eine Gruppe Schweden getroffen, die extra nach Sylt und ans Rantumbecken gereist sind, um den Albatros zu sehen, der gerade wieder da ist“, sagt Antonia Keller, Vogelwartin am Rantumbecken.


Zur Brutzeit könnte der Fuchs einfach rüberlaufen
 

Doch auch, wenn sich regelmäßig viele Vögel an dem Becken tummeln, müssen dort dringend Nachbesserungen vorgenommen werden: In den 80er Jahren wurden im südöstlichen Eck des Beckens nahe am Deich acht Inseln aufgeschüttet mit dem Ziel, den Seevögeln geschützte Brutmöglichkeiten zu bieten. Im Verlauf der vergangenen 30 Jahre sind diese Inseln stark erodiert und ausgespült worden. Daher hat der Verein Jordsand, der das Rantumbecken seit den 50er Jahren betreut, die Reparatur der Inseln bei der zuständige Behörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), beantragt. „Die Inseln waren früher mal kreisrund“, sagt Antonia Keller, „heute sind sie eher tropfenförmig, zum Deich hin verlaufen und liegen sehr tief. Zur Brutzeit könnte der Fuchs einfach rüberlaufen“, klagt sie.

Der Verein Jordsand konnte das Landesamt überzeugen und hat über 13  000 Euro für die Maßnahme bereitgestellt bekommen. Eine große Erleichterung für die Bundesfreiwillige Antonia Keller, denn einige Vögel würden das Interesse am Rantumbecken bereits verlieren. „In den vergangenen Jahren brüteten hier mehrere Dutzend Säbelschnäbler“, sagt sie und ergänzt, dass auch in diesem Jahr welche auf Sylt landeten, nach ein paar Tagen aber weiterzogen. „Vielleicht haben sie gemerkt, dass das Rantumbecken derzeit kein attraktiver Platz zum Brüten ist.“

Heute ist Baubeginn am Rantumbecken, etwa zwei Wochen sollen die Arbeiten andauern. Es wird zunächst die „Säblerinsel“ aufgeschüttet, befestigt und damit erhöht. „Jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür“, erklärt die Vogelwartin. „Der Vogelzug im Herbst hat noch nicht begonnen und die Brutzeit ist abgeschlossen.“ Dass die Baumaßnahme damit in die Hochsaison der Menschen fällt, müsse hingenommen werden. „Die Vögel haben halt einen anderen Rhythmus als der Mensch“, lacht Keller, versichert aber, dass das Rantumbecken trotz der Maßnahme begehbar sein soll.


Säbelschnäbler schätzen die Nähe zum Watt

Die Insel der Säbelschnäbler sei am stärksten betroffen, daher wird hier auch mit der Baumaßnahme begonnen. Diese Watvögel sind, wie die meisten anderen Seevögel, Bodenbrüter und schätzen die Nähe zum Watt, sind damit aber für Gefahren am Boden besonders anfällig. „Nach der Erhöhung der Insel kann der Wasserstand während der Brutzeit höher gefahren werden, um die Nester vor Raubsäugern wie Fuchs und Marderhund zu schützen und sie besser vor den häufiger werdenden Frühjahrsstürmen bewahren“, erklärt Antonia Keller. Die weiteren Inseln sollen dann im kommenden Jahr saniert werden, damit auch wieder mehr Watvögel, Möwen und Seeschwalben geeignete Brutmöglichkeiten im Rantumbecken finden.

Eine Sylter Firma hat den Zuschlag bekommen und wird die Bauarbeiten ausführen. Dafür wurde bereits vor zwei Wochen begonnen, den Wasserpegel allmählich abzusenken. „Seither finden sich tausende Watvögel, Möwen und auch Stare ein, die die Fülle an Nahrung im Wattboden des Rantumbeckens genießen“, freut sich die Vogelwartin. Damit ergäben sich derzeit wunderbare Möglichkeiten, die Vögel auch aus größerer Nähe zu beobachten.

Öffentliche Führungen des Vereins Jordsand finden im August noch freitags und sonntags um 14 Uhr statt. Familien sind speziell bei der Führung am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr herzlich willkommen, bei der sich der Verein auf die Bedürfnisse und Fragen der jüngeren Gäste einstellt.

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