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Protest : Neue Gästekarte: Großvermieter kündigen Klage an

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erstellt am 30.Mär.2010 | 07:11 Uhr

Sylt | Der Streit um die neue Gästekarte der Gemeinde Sylt (wir berichteten) nimmt an Schärfe zu. Die im Sylt Tourismus Verband zusammengeschlossenen Vermietagenturen wollen nun juristisch gegen die auf den Karten aufgedruckte Werbung des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) vorgehen. Darüber hinaus lässt der Verband auch die Rolle des kommunalen ISTS als Vermittler von Ferienunterkünften überprüfen. "In spätestens 14 Tagen werden die Klagen eingereicht, wenn bis dahin keine Reaktion der Gemeinde kommt", kündigten gestern Reinhold Riel und Herbert Bals an.
Die Werbung auf der Kartenrückseite wird nicht akzeptiert
Dabei stellten sie klar, dass sich die Klage nicht gegen die ab 1. Mai von allen Vermietern auszufüllende Gästekarte selbst richtet. "Es ist ganz allein Entscheidung der Gemeinde, welches System sie wählt. Wir werden die Karte an sich also ohne Wenn und Aber unterstützen", betonte Reinhold Riel. Nicht akzeptiert wird von den privaten Vermietagenturen allerdings die auf der Rückseite aller Gästekarten aufgedruckte Werbung für die ISTS-Buchungsplattform sylt-reisen.de. "Die Gästekarte ist ein offizielles Dokument der Gemeinde mit Quittungsfunktion, wird aber von dem in Konkurrenz zu uns stehenden und nicht zuletzt mit unserem Geld finanzierten ISTS als Werbeträger genutzt", kritisiert Bals.

Dem Ende vergangenen Jahres als Reaktion auf die Einführung der neuen Gästekarte und den Zwang zur Ausstellung durch die Vermieter gegründeten Verband gehören 36 Mitglieder an, die über 5 000 Gästebetten vermitteln. Wobei über die Gästekarte und die nach wie vor ungeklärten Fragen hinaus zunehmend die Aufgaben des vom klassischen Kurbetrieb zum Allround-Dienstleister mutierten ISTS in den Fokus rücken. Unabhängig von der gerichtlichen Klärung wettbewerbsrechtlicher Fragen hofft der Verband, bei der Politik Gehör für "eine Branche, die für 70 bis 80 Prozent des Tourismus auf Sylt sorgt" zu finden.
Nadelstich: Tourismus Verband wirbt in "Sylt en vogue"
Die Erwartung der Großvermieter an die politischen Entscheider ist klar: Wenn zum Ende des Jahres die Werbung von den Gästekarten verschwindet und das Buchungsportal eingestellt wird, ist man bereit, alle touristischen Angebote des ISTS aktiv zu fördern. Sollte sich nichts ändern, wird man künftig auch nicht mehr im Gastgeberverzeichnis des ISTS werben. Als Signal, dass die Mitglieder das Gastgeberverzeichnis nicht brauchen, ist der Verband im frisch erschienenen Lifestyle-Magazin "Sylt en vogue" mit 20 Seiten Werbung vertreten. Ein weiterer Nadelstich: Statt die Gästekarten online auszufüllen, werden die Verbandsmitglieder lediglich Formulare ausdrucken und an den ISTS weitergeben. Lieber verzichtet man auf die Provision, als dem Mitbewerber ISTS die Arbeit zu erleichtern.

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