Sylter Schulen : Neue Assistenten für Sylter Schüler

Lehrer alleine sind selbst mit den Problemen im Unterricht oft überfordert – neue Assistenten sollen ihnen künftig zur Seite stehen
Lehrer alleine sind selbst mit den Problemen im Unterricht oft überfordert – neue Assistenten sollen ihnen künftig zur Seite stehen

Die besondere Situation der Insel erfordert zusätzliche Hilfskräfte. Wer für die schulischen Assistenten zuständig ist, müssen Gremien entscheiden.

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27. Mai 2015, 05:01 Uhr

Landesweit sollen an Grundschulen mit Beginn des neuen Schuljahres, auf Sylt also bereits ab dem 24. August 2015, sogenannte Schulische Assistenten ihre Arbeit aufnehmen. Im Rahmen des Inklusionskonzeptes des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Schule und Berufsbildung sollen diese Assistenzkräfte – in Ergänzung der Schulsozialarbeit und der schulischen Begleitung – die Schüler und auch die Lehrkräfte im Unterricht sowie bei schulischen Veranstaltungen unterstützen. Der Bedarf an zusätzlicher Hilfe sei gerade auf der Insel groß, bestätigt Horst-Peter Feldt. „Wir haben hier ja einige Besonderheiten. Dazu zählen zum Beispiel die hohen Belastungen für Eltern durch ihre Arbeit in der Hauptsaison“, so der Schulleiter der Grundschule St. Nicolai. „Da haben sie oft wenig Zeit für ihre Kinder. Im Winter ist es dann genau umgekehrt. Diesen Wechsel verkraften manche Kinder nur schwer.“ Ebenso führen die mitunter beengten Wohnungsverhältnisse häufig zu familiären Spannungen – und auch das „Vorbild der Wohlstandsinsel Sylt“ wirkt sich negativ aus. „Da leben die Touristen den Kindern etwas vor, was für diese häufig unerreichbar ist und bleibt“, sagt Feldt.

Die Schulische Assistenz soll nach Vorgabe der Landesregierung an den Grundschulen aufgebaut werden, weil sich diese Schulart durch eine besondere heterogene Schülerschaft auszeichnet und weil hier der Beginn der gesamten schulischen Laufbahn liegt. Auf der Sitzung des Schulausschusses der Gemeinde Sylt Mitte vergangener Woche erläuterte Maike Jennert, die Schulrätin des Kreises Nordfriesland, ausführlich die Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Assistenten: Dazu gehört insbesondere die Unterstützung von Schülern im sozialen und emotionalen Bereich mit dem Ziel einer Förderung ihres Verhaltens und der besseren Integration in den Klassenverband. Vorgesehen ist im Unterschied zur Schulsozialarbeit eine Unterstützung von Lehrkräften und Schülern bei der Gestaltung des gesamten Schulvormittags einschließlich der Pausen, bei besonderen Projekten, Ausflügen und Klassenfahrten, Sporttagen, Schul- und Klassenfesten und beim Lernen an einem anderen Ort. Die neuen Assistenten sollen Schülern auch bei unterrichtsergänzenden Angeboten helfen: Dazu gehören zum Beispiel Ganztagsbetreuungen, Hausaufgabenhilfe und die Teilnahme der Schüler in Arbeitsgemeinschaften. Eine weitere wichtige Aufgabe ist darüber hinaus die punktuelle Unterstützung von Schülern in belastenden Situationen. Allerdings dürfen schulische Assistenzkräfte prinzipiell nicht für den eigenständigen Unterricht oder für Vertretungsaufgaben eingesetzt werden.

Im Schulausschuss herrschte bei allen Anwesenden aus Politik, Verwaltung und Schulwesen Einigkeit darüber, dass Schulischen Assistenzen wegen ihrer pädagogischen und sozialen Notwendigkeit an den Sylter Grundschulen eingerichtet werden sollen. „Aufgrund der besonderen Inselprobleme erhoffe ich mir ein positives Signal zur Verbesserung der Gesamtsituation an unseren Schulen“, betonte Schulleiter Feldt während der Sitzung. Grundsätzlich geklärt werden muss jetzt allerdings, bei welcher Institution der Insel Sylt die Schulische Assistenz angesiedelt wird. Erst am Freitag nach der Sitzung hat Bildungsministerin Britta Ernst mitgeteilt, dass das Land entgegen vorheriger Planungen doch bereit ist, ein Optionsmodell für die Anstellung der neuen Assistenten anzubieten. „Damit können die Schulträger schulische Assistenzkräfte entweder direkt einstellen oder freie Träger mit dieser Aufgabe betrauen“, sagte Ernst. Dort, wo die Schulträger diese Aufgabe nicht übernehmen können oder wollen, werde das Land die Assistenzkräfte zur Verfügung stellen, um einen flächendeckenden Einsatz zu gewährleisten. Insgesamt stellt das Land jährlich 13,2 Millionen Euro zur Verfügung und erstattet damit den Trägern die Personalkosten. Für Verwaltungs- und Sachaufwendungen können bis zu fünf Prozent der Mittel in Anspruch genommen werden. Um in der Anfangsphase zusätzliche Kosten auszugleichen, die durch die Personalauswahl entstehen, können in 2015 bis zehn Prozent der anteiligen Zuweisung für die Monate August bis Dezember geltend gemacht werden.

Für welches Optionsmodell sich die Sylter entscheiden und ob das Angebot der schulischen Assistenz zum Beispiel an der Schule St. Nicolai angesiedelt wird oder beim Gemeinnützigen Verein für Jugenderholung, der bereits Anstellungsträger der Schulsozialarbeiterin an den Grundschulen der Gemeinde Sylt ist, darüber soll in einem nächsten Schritt im Hauptausschuss beraten werden.

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