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Nordsee College Sylt : NCS-Klage: Wie geht’s danach weiter?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

NCS versus Gemeinde List: Während die Streitparteien vor dem Gerichtstermin am kommenden Dienstag keine Stellungnahmen abgeben, warnt Sylt-Jurist Eis vor Bau von Dauerwohnraum durch Privatinvestoren.

Die Vorgeschichte dauert bereits seit 2007. Über kaum ein Projekt wurde öffentlich und politisch so vehement diskutiert wie über das Nordsee College Sylt. Am Dienstag treffen sich dessen Initiatoren und die Gemeinde Sylt vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig. Das muss – wie berichtet – entscheiden, ob auf dem Gelände statt der gescheiterten Internat-Idee jetzt bis zu 370 Wohnungen gebaut werden dürfen. Ein Großprojekt mit Auswirkungen nicht nur auf List. Ungeachtet dieses Hintergrundes des Rechtsstreites könnte die Gerichtsverhandlung über die Auslegung des städtebaulichen Vertrages zwischen der Gemeinde List und der NCS Besitzgesellschaft recht kurz werden. Veranschlagt wurde vom Verwaltungsgericht lediglich ein Prozesstag, Verhandlungsbeginn 13 Uhr.

„Unsere Aufgabe ist es lediglich, den Vertrag auszulegen, das kann relativ schnell gehen“, sagt der Vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht, Hans-Joachim Rosenthal. Am ehesten dürfte das wohl der Fall sein, wenn das Gericht zu dem Ergebnis kommt, dass die vom NCS verklagte Gemeinde im Recht ist. Die hatte die im Vertrag als „Plan B“ vereinbarten Wohnungsbaupläne abgelehnt, weil die Voraussetzungen für eine Umnutzung nicht gegeben seien. „Es kann aber auch sein, dass beide Parteien am Dienstag bereit sind, eine gemeinsame Lösung zu finden. Dann wird es länger dauern und sicherlich auch um die Vorgeschichte und Konsequenzen des Vertrages gehen, die sonst nur im Hintergrund eine Rolle spielen“, erklärt Rosenthal. Voraussetzung dafür wäre die Einschätzung des Gerichtes, dass die NCS-Klage Aussicht auf Erfolg hat.

Während die Konsequenzen in diesem Fall klar sein dürften – die Grundeigentümer können mit dem Bau von Dauerwohnraum beginnen –, müssten NCS und Gemeinde im ersten Fall ganz neu über die Nutzung des ehemaligen Kasernengeländes verhandeln. Immer vorausgesetzt, der Streit geht nicht noch weiter bis vors Oberverwaltungsgericht.

Während die Prozessbeteiligten vor der Verhandlung am Dienstag jede Stellungnahme zu möglichen Konsequenzen ablehnen, mehren sich auf der Insel die Stimmen, die einen Verkauf des Grundstückes an die Gemeinde List für die beste Lösung halten. Wobei NCS-Geschäftsführer Philipp von Hardenberg bereits vor einiger Zeit erklärt hatte, dass das Areal angesichts der bislang getätigten Investitionen und anderer Kosten nicht für die 2,2 Millionen Euro zu haben sei, die es am 1. April 2010 gekostet hat. Während er auf den Bau von vertraglich abgesichertem Dauerwohnraum in unterschiedlichster Form setzt, warnt der Sylter Jurist und Vorstandsmitglied des Campus Sylt Stiftungsvereins, Rüdiger Eis, vor solchen „sicheren“ Verträgen mit Privatinvestoren. Zum einen, weil es schwer sei, Regelungen zu treffen, die 100 Jahre und mehr Bestand haben sollen, zum anderen spiele auf Sylt oft „die Macht des Faktischen“ eine entscheidende Rolle.

Eis, der dem NCS-Engagement von Anfang an kritisch gegenüber stand: „Wie wird sich eine Gemeinde verhalten, wenn der Bau stockt, wenn nicht genug Leute nach List ziehen wollen oder die Miete zahlen können? Die Erfahrung lehrt doch, dass in solchen Situationen oft nachgegeben wird, etwa durch Gestattung von Ferienwohnungen.“ Für Eis muss es daher zu einer Übertragung des Geländes in Sylter Hände kommen. Wenn List damit überfordert sei, müsse es ein Zweckbündnis möglichst aller Sylter Gemeinden geben. Das kann sich auch Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, vorstellen. Bei der zukünftigen Nutzung formuliert sie ihre Ideal-Vision: Der schon 2007 von ihr favorisierten Plan eines Campus Sylt. Gemeinsam mit einer Gruppe Sylter (u.a. Rüdiger Eis) und dem ehemaligen Präsidenten der Uni Hamburg, Jürgen Lüthje, hatte Reiber dafür plädiert, auf dem Gelände eine Hochschule zu etablieren, die spezielle, auf den Tourismus zugeschnittene, Abschlüsse anbietet. „Wir bräuchten deutlich weniger Fläche als das Internat.“ Deshalb könnten Teile der Gebäude für gemeindeeigene Wohnungen genutzt werden.

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