zur Navigation springen

Absehbares Ende : Naturschützer verlassen die Vogelkoje

vom

Nach 40 Jahren wird Ende November 2008 die Arbeit des Vereins Jordsand in der Eidum Vogelkoje eingestellt. Die Berufungsinstanz am Landgericht Flensburg bestätigte die Kündigung des Nutzungsvertrages für das Landschaftsschutzgebiet im Süden Westerlands.

shz.de von
erstellt am 15.Jul.2008 | 08:59 Uhr

Flensburg | Die Lachmöwen vor Eidum werden vom knapp eineinhalbjährigen Rechtsstreit zwischen dem Vogelschutzverein Jordsand und der Stadt Westerland nichts mitbekommen haben. Auf Sylt betreut der Verein Jordsand mit ehrenamtlichen Mitarbeitern das Landschaftsschutzgebiet Eidum Vogelkoje.
Nicht nur die Lachmöwen profitierten

Von dem ehrenamtlichen Einsatz der Vogelschützer profitierten nicht nur die Lachmöwen, sondern auch Sylt-Besucher, die durch Führungen und einen Pavillon Informationen über die Vogelpopulationen auf der Insel bekamen. Die Nutzung des Landschaftsschutzgebiets Eidum Vogelkoje durch den Verein Jordsand wird durch einen im Jahr 1967 geschlossenen Vertrag mit der Stadt Westerland geregelt. Dieser Vertrag enthält auch einen Passus, der die Instandhaltung und Pflege des Geländes festschreibt.

Bei einem Rundgang von Stadtvertretern Mitte 2006 wurden jedoch Verschmutzungen im LSG Eidum Vogelkoje festgestellt. Auf dem Gelände befanden sich Kühlschränke, Plastik sowie eine Dixi-Toilette. Nach Angaben des Vereins Jordsand wurden diese von einer Mitarbeiterin verursacht, was jedoch außerhalb der Besuchersaison passierte. Die Stadt Westerland reagierte auf diesen Zustand mit einer fristlosen Kündigung des Nutzungsvertrages. Um die Kündigung durchzusetzen, klagte die Stadt Westerland letztes Jahr vor dem Amtsgericht Niebüll und bekam damals Recht. Jetzt bestätigte die Berufungskammer die erstinstanzliche Entscheidung, die Kündigung ist rechtens.
Die Stadt Westerland zeigte Interesse den Infopavillon zu kaufen

Um die fristlose Räumung für den Verein weniger schmerzhaft zu machen, bemühte sich die Berufungskammer in der gestrigen Verhandlung um einen Vergleich. Die Berufungskammer wollte im Vergleich den Umstand berücksichtigt wissen, dass sich der Verein seit 40 Jahren in Eidum für den Natur- und Vogelschutz engagiert. Im Ergebnis einigten sich die Parteien auf eine Räumungsfrist zum 31. November 2008. Strittig war auch die Frage, wie mit den Gebäuden auf Eidum umgegangen werden soll. Die Stadt Westerland zeigte Interesse daran den Infopavillon zu kaufen, wobei die Verhandlungen darüber bis zum 31.Oktober 2008 abgeschlossen sein müssen. Eine Verpflichtung zum Kauf für die Stadt besteht jedoch nicht.
"Uns wurde ohne Abmahnung gekündigt"

Durch den Verein abgerissen werden soll die 20 Quadratmeter große Blockhütte, in der bisher die Zivildienstleistenden übernachteten. Der Vorsitzende des Vereins Jordsand, Uwe Schneider, zeigte sich vom Ergebnis enttäuscht: "Uns wurde ohne eine Abmahnung gekündigt. Es ist schade, dass wir auf Eidum nach 40 Jahren Naturschutzarbeit nicht mehr ehrenamtlich aktiv sein können."

Noch bis zum 31.Oktober 2008 bietet der Verein Führungen in Eidum an. Wer danach "Herr" über die Lachmöwen wird, ist noch offen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen