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Sylter Rundschau

15. Dezember 2017 | 01:58 Uhr

Nasse Füße gegen den Trend

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2014 | 10:05 Uhr

Da dachte ich, ich habe die Insel nun aus genügend unterschiedlichen Blickwinkeln kennen gelernt – Ex-Kurkind, Ex-Urlauberin, Ex-FÖJlerin und als Rundschau-Redakteurin. Diesen Blickwinkel behalte ich bei – habe als Mutter einer einjährigen Tochter nun aber zusätzlich noch eine ganz neue Sicht auf Sylt. Vor allem aus einer anderen Höhe: Muscheln und Sandkörner sind zum Greifen nah, so dass ein zweistündiger Spaziergang nicht wie früher eine zurückgelegte Strecke von acht bis zehn Kilometern bedeutet. Nein. Es ist schon ein Erfolg wenn man es ans Wasser schafft – und nicht ins... Denn die Kurze achtet auf alles, bloß nicht auf die auflaufenden Wellen, die sich bei einem Spaziergang am Flutsaum eiskalt ihren Weg durch Schuhwerk, Regenhose und Jeans bahnen. Ist das Malheur passiert, kann das Geschrei nur gestoppt werden, wenn ich mir selbst Nordseewasser in die Schuhe schwappen lasse und meine Tochter sich ausschütten kann vor Lachen. Sylt mit allen Sinnen erleben... Ja, ein Kind ist ganz bestimmt noch ein Sinn mehr.

Wenn mein Mann die Lütte im Tuch trägt, weil die kurzen Beinchen nicht mehr können, muss beispielsweise immer die freie Sicht aufs Wasser gegeben sein. Wer sich zwischen Kind und Nordsee stellt, wird mit wütendem Protestgeheul vertrieben. Entwickelt sich zum echten Inselkind, die kleine Maus. Mit was sie sich mit ihren grad mal zwölf Monaten definitiv brüsten kann: Ein Umrunden der Hörnum Odde, schafft sie mit Links. Lunchpakete für die Pause zwischendurch – unnötig, so schnell ist sie einmal um die Südspitze geflitzt – dank Xaver, Christian und dem Durchhaltevermögen im Tragen ihrer Eltern. Die Wahl des Restaurants für die Stärkung danach geht auch nicht mehr wie früher vorrangig nach der Speisekarte, sondern nach der Wickelmöglichkeit. Soll das Tragetuch mal zu Hause bleiben, werden schöne Spazierwege die mit dem Kinderwagen passierbar sind, gesucht. Aber nur bis zu einer gewissen Windstärke. Denn wenn es richtig stürmt und pfeift, rüttelt es zu dolle am Gefährt, dass es erstens umzukippen droht und zweitens ist der Lütten das zu unheimlich. Auf Mamas oder Papas Arm lässt es sich den Böen viel besser trotzen.

Zum Abschluss: Ich freue mich sehr drauf die Insel mit meiner Familie neu kennen zu lernen, Sachen zu entdecken, von deren Existenz ich nicht mal ahnte. Ich habe Sylt zwar für ein gutes Jahr den Rücken gekehrt – bin allein gegangen aber zu Dritt wiedergekommen. Das ist zwar gegen den Trend, aber nicht jeder muss ja mit dem Strom schwimmen, oder?

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