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Wettkampf : Nähen, laufen, stapeln – Sylter Feuerwehren geben alles

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Ernstfall müssen die Freiwilligen schnell, umsichtig und flexibel handeln – Beim Inselwettkampf stellten die Frauen, Männer und Kinder ihr Können unter Beweis

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 05:31 Uhr

„Schlaft nicht ein, wir sind hier nicht bei der Arbei“, witzelte ein Feuerwehrmann. „Zack, zack, zack, der Gewinner kriegt ein Bier!“ Die Kameraden waren mit vollster Konzentration im Einsatz, doch zum Glück ging es hier allein um einen Wettkampf. Bei der „Bierbank-Rallye“ mussten sechs Personen auf zwei Bänken eine bestimmte Strecke überwinden, ohne den Boden zu berühren, unter Zeitdruck versteht sich.

Wie beim Jenga-Spiel: Mit Spreitzer und Zylinder müssen die Hölzer aus dem Stapel gezogen und wieder oben aufgelegt werden.
Wie beim Jenga-Spiel: Mit Spreitzer und Zylinder müssen die Hölzer aus dem Stapel gezogen und wieder oben aufgelegt werden.

Ausrichter der Kult-Veranstaltung am Sonnabend war diesmal die Feuerwehr Westerland. Um 14 Uhr bat Wehrführer Jörg Elias alle teilnehmenden Wehren, auf dem Hof vor der Wache anzutreten. Sie boten ein schönes Bild: Neun von zehn Sylter Wehren, alle Sylter Jugendwehren und die im Vorjahr gegründete Kinderfeuerwehr, welche unter großem Jubel begrüßt wurde. Mit im Boot war auch eine Abordnung des DRK Sylt, sie stellte eine der zehn Stationen auf der gut acht Kilometer langen Laufstrecke.

Hier wartete ein „Puzzle“ – korrekt zusammengefügt zeigte es, wie man in einem Notfall richtig vorgeht. Dazu kam eine Praxis-Übung: „Stellt euch vor, ein dreijähriges Mädchen ist in einen Gartenteich gefallen“, sagte Lisa Kloth-Elias. „Die Mutter hat es herausgezogen, steht nun aber hilflos da.“ Die Jugendlichen Nieke, Loreen, Levke und Philipp greifen beherzt ein – und machen alles richtig, von der Ansprache bis hin zur Herzdruckmassage. Nicht nur an dieser Stelle zeigten die Kameraden und Kameradinnen der Jugendfeuerwehren, wie gut geschult sie schon sind. Während die Kinderwehr natürlich noch spielerisch herangezogen wurde, mussten die Jugendlichen (teils nur leicht abgewandelt) beinahe das volle Programm bewältigen. Doch auch die jüngsten Teilnehmer waren nicht zimperlich bei der Sache: „Mach hinne, wir warten!“, tönte es über den Platz, während ein junger Mann vor seinem Einsatz noch einmal tief durchatmete. Als einem erwachsenen Zuschauer ein Tennisball nah am Kopf vorbeizischte, erklärte Betreuer Michael Schemhaus grinsend: „Das ist hier wie bei den Raubtieren – niemals den Rücken zuwenden.“ Und als die Kids lauftechnisch nicht mehr so begeistert bei der Sache waren, brauchte nur jemand zu rufen: „Hey, da hinten kommt ein Spielplatz!“ Dann war von Müdigkeit schlagartig nichts mehr zu merken. Ihre Wettkampfstrecke war natürlich kürzer als die der Großen: Letztere mussten bis zur Kleingartenanlage „Klaus Stüven“ marschieren, wo zahlreiche wasserführende Armaturen zu einer Figur zusammengebaut werden mussten, natürlich auch hier unter Zeitdruck. Bei der Station an der EVS stand eine Kiste mit 30 Gegenständen: Die durften kurz angeschaut werden, dann ging die Kiste zu und die Teilnehmer mussten so viele Teile wie möglich benennen. Um Geschicklichkeit und Teamwork ging es beim Dachrinnenrennen, wo sehr glatte Rinnen aneinandergelegt auf den Schultern der Kameraden einen Golfball ans Ziel beförderten, sowie beim Kistenstapeln in luftiger Höhe und auch, als die Einheit einen „Löschangriff“ aufbaute. Ratlose Gesichter gab es bisweilen am „Nähstand“ – die Handtücher dort mussten zusammengenäht werden und hinterher auch einem gewissen Druck standhalten. Doch es kamen ungeahnte Talente zum Vorschein: „Wie geil ist das denn? Ich kann ja nähen!“, rief einer der Teilnehmer begeistert.

Die Feuerwehr Tinnum baute ein „Krokodil-Skelett“ und hatte jede Menge Spaß.
Die Feuerwehr Tinnum baute ein „Krokodil-Skelett“ und hatte jede Menge Spaß.

Bei der stimmungsvollen Siegerehrung gab es großen Applaus, nicht nur für die Feuerwehr Westerland, welche das dritte Mal in Folge den Inselmarsch gewann. Sondern insbesondere für das gesamte Team, welches hier mitwirkte, auch an den Spielstationen und bei der Bewirtung der Teilnehmer. Björn Schmeling hatte die Spiele und die Strecke ausgearbeitet, Marko Rechlin und Christian Fröhlich übernahmen das Organisatorische einschließlich der Suche nach Sponsoren (Getränke Möller, Restaurant Luzifer, Sylt-Quelle), Unterstützung gab es auch von Firma Boysen für die fachgerechte Kühlung von Lebensmitteln und Getränken. Zu den Gästen gehörten neben dem Bürgervorsteher Peter Schnittgard auch Bürgermeister Nikolas Häckel, Maria Andresen (Feuerschutzausschuss), Ralf Winter (stellv. Amtswehrführer), Manfred Uekermann (Ortsbeirat Tinnum)und Kay Abeling (Ortsbeirat Westerland). Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth freute sich über die gelungene Veranstaltung und betonte zum Schluss: „Niemand konnte vorher üben! Der große Geist, der dahinter steckt, besteht aus Spaß und Kameradschaft.“

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