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Sylter Rundschau

12. Dezember 2017 | 03:45 Uhr

Nackter Soul mit Unterhaltungswert

vom

Die Band Lukas Graham zeigte im Meerkabarett, dass die Newcomer Pop und Soul überzeugend miteinander zu verbinden wissen

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Rantum | Spätestens bei dem ersten Blick durch den Bühnenvorhang muss den Mitgliedern der Band Lukas Graham klar geworden sein, dass dieser Abend auf der Bühne des Meerkabaretts etwas besonderes werden würde. Und so stellte Sänger Lukas Graham Forchhammer nach den ersten Schritten auf die Bühne fest: "Es ist großartig hier jedes einzelne Gesicht zu erkennen." Für die Newcomer aus Kopenhagen bot der Auftritt vor nur rund 300 Gästen einen willkommenen Bruch mit der Tour-Routine. "Normalerweise spielen wir vor tausenden von Menschen - aber das hier wird viel Spaß machen", lachte Graham selbstbewusst in den Saal.

Als musikalischen Eisbrecher feuerte die Band daraufhin einen ihrer Hits "Ordinary Things" auf die Menge ab. Bereits nach den ersten Zeilen und Akkorden wurde klar, dass die vier Dänen nicht zu Unrecht als echte Entdeckung gelten. Graham, dessen Stimme über den Instrumenten seiner Bandkollegen zu thronen schien, verleiht der Band einen unverwechselbaren Sound. Das Organ des langhaarigen Capträgers, der gerne in Unterhemd auf die Bühne steigt und dessen Oberlippe ein charakteristisches dünnes Bärtchen ziert, erinnert unweigerlich an die Präsens vergangener Soulgrößen. Dass diese Stimmleistung einem strammen Dauerlauf gleichkommt, war dem 1,70 Meter großen Graham schon nach dem ersten Song anzusehen - der Schweiß floss beim 24-Jährigen in Strömen.

Die Bandmitglieder sind in Dänemark längst Superstars. Ihr Debütabum erreichte auf Anhieb Platinstatus und katapultierte die Freunde, die sich schon seit ihrer gemeinsamen Kindheit in Kopenhagens alternativen Viertel Christiania kennen, auf die Cover der Musikmagazine. Die eigene Herkunft aus der Parallelwelt des autonomen Stadtteils haben die Musiker mit einigen ihrer Songs dokumentiert.

Nicht aber das vermeintliche Ghetto ist dominantes Thema des ersten Albums. Es sind die Fallstricke des Zwischenmenschlichen, in die jeder Twen zwangsläufig hineinstolpert: "Apologize" erzählt die Geschichte einer untreuen Freundin, der Song "Dontt Hurt me this way" von Trennungsschmerz und "Nice Guy" von der richtigen Strategie, um bei Mädchen zu landen.

Neben dem selbstbewussten Sänger Graham, dessen Entertainerqualitäten ihn auch für die Moderation einer Gameshow qualifizieren, hinterließen im Meerkabarett auch Schlagzeuger Mark Falgren, Bassist Magnus Larsson und der weintrinkende Keyboarder Kasper Daugaard einen bleibenden Eindruck. Besonders Bassist Magnus "Magnum" Larsson schien sich sichtlich wohlzufühlen und streifte sich bereits nach dem zweiten Song sein T-Shirt ab. Von dem Jubel der vielen weiblichen Fans motiviert, zögerte auch Sänger Graham nicht lange, und zeigte von da an seinen leichten Bauchansatz, den er selbstkritisch kommentierte: "It took me years - es hat mich Jahre gekostet."

Eine romantische Einlage bot die Band dann mit dem Song "Red Wine", für den sie sich eine blonde Zuschauerin auf die Bühne holte und diese anschließend von dem verschwitzen Graham charmant und singend umgarnt wurde.

Als schließlich der populärste Hit der Dänen, "Drunk in the Morning", durch die Sylt-Quelle hallte, zeigten sich die Besucher textsicher und verhalfen der Band zu einem soul-sprühenden Finale. Wenn Pop im Gewand von Lukas Graham daherkommt, dann muss man ihn ernst nehmen.

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