Verliebt auf der Insel : Nach Sylt, der Liebe wegen

Nils und seine Mareen, mit der er täglich fünfmal telefoniert.  Foto: privat
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Nils und seine Mareen, mit der er täglich fünfmal telefoniert. Foto: privat

Sie wollten eigentlich nur kurz auf der Insel bleiben, dann hats gefunkt: Drei Geschichten über die Liebe zwischen Insulanern und Gästen

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20. April 2013, 08:16 Uhr

Sylt | Dieses Mädchen aus Bielefeld, das im American Bistro die Treppe hoch ging, die hübsche junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter zur Reha in die AWO-Klinik kam, die schüchterne Saisonkraft in der Bäckerei: Dass sich Insulaner in Gäste verlieben, passiert relativ häufig. Was ist, wenn die Liebe die Saison überdauert, erzählen diese drei Geschichten.

Mama hatte es voraus gesagt: Als Andrea Ehrling im Mai 2001 für eine Saison nach Sylt ging, um mit ihrer gerade beendeten Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin die Saison über bei Abeling zu arbeiten, war ihre Mutter sicher, dass die damals 18-Jährige "wen kennen lernen würde", und auf der Insel bleibt. Andrea glaubte das damals allerdings gar nicht: "Ich wollte eigentlich nur über den Sommer ein bisschen Geld verdienen und dann nach Flensburg ziehen - da wohnten viele meiner Freunde." Und so ganz einfach fand sie den Start auf der Insel auch nicht: "Ich hatte anfangs tierisches Heimweh, ich war schüchtern, ich war das typische kleine Mädchen vom Dorf", erzählt die schlanke blonde Frau, bei der man sich das heute kaum vorstellen kann. Dass sie nach Ende der Saison 2001 nicht nach Flensburg und nicht zurück zu den Eltern nach Gunneby, ein kleines Dorf bei Kappeln, gezogen ist, lag an Florian Grage, heute 31, gebürtiger Hörnumer. Der war Bäcker bei Abeling. Als ihn Andrea nach ein paar Monaten eines abends in der Backstube sah, dachte sie auf einmal: "Der sieht ja nett aus."

Nach vorsichtigen Annäherungen über den Sommer war am Ende der Saison allerdings nicht so ganz klar, was das zwischen den beiden nun ist: "Er hat immer gesagt, er will keine Beziehung." Trotzdem blieb Andrea, "vor allem wegen ihm", und die Beziehung, die nun nach 12 Jahren definitiv eine ist, laufe gut. Doch auch wenn die beiden gern für immer auf der Insel bleiben wollen: "Wenn wir Kinder bekommen, bleibt uns wahrscheinlich keine andere Möglichkeit, als zu gehen." Dass sie mit der Familiengründung nicht schon längst angefangen hat, wie ganz viele ihrer alten Bekannten auf dem Festland, schreibt Andrea Sylt zu: Das Gefühl, das Leben anders gestalten zu können als eigentlich geplant, die Freiheit zu haben "jetzt noch nicht jeden Abend mit den Kindern vor dem Fernseher zu sitzen" - dieses Gefühl hätte sie nicht gehabt, wenn sie damals vor 12 Jahren nach Flensburg gegangen wäre, ist sie sich sicher.

"Ich wusste, er passt nirgendwo anders hin." Für Danielle Hartwig (35) war schnell klar, dass sie auf die Insel ziehen wird, als sie sich 2008 in Florian Gränert verliebte. Der 33-jährige Surfer ist nach seinem Abitur auf die Insel gezogen und machte hier seine Ausbildung als Erzieher und arbeitet nun in der AWO-Kinderklinik in Wenningstedt, wo er mit den krebskranken Kindern therapeutisches Wellenreiten betreibt. Für ihn ist klar: Er bleibt auf Sylt. Seine neue Leidenschaft, Danielle, lernte er auch in der AWO-Klinik kennen. 2004 und 2007 kam sie zur Reha mit ihrer Tochter Liza (heute 10) in die Klinik, fühlte sich wohl, fand den Erzieher ganz nett - aber mehr erst einmal auch nicht. Nach der zweiten Kur schrieben sich die beiden gelegentlich SMS, und ein Jahr später besuchte Danielle ihn spontan auf der Insel, "weil er geschrieben hat, dass das Wetter so schön ist." Dann ging alles ganz schnell: Zehn Monate später zogen Danielle und Liza auf die Insel. Und statt als Rechtsanwaltsfachangestellte in ihrem Büro mit Alsterblick zu sitzen, ist die Neu-Sylterin nun "Inselexpertin" beim Insel Sylt Tourismus-Service und vermittelt Unterkünfte oder Strandkörbe: "Ich war noch nie glücklicher". Auch wenn sie sich früher nicht hätte träumen lassen, dass sie mal auf Sylt wohnen würde - sie ist gekommen, um zu bleiben, ist sie sich sicher.

Wenn man so frisch verknallt ist wie Nils Fischer (18) in seine Mareen (18), dann kann man auch mit Überzeugung: "Alles!" auf die Frage sagen, was denn an der Freundin so toll ist, dass sich für sie auch eine Fernbeziehung nach Bielefeld lohnt. Vor knapp einem Jahr lief Mareen am gebürtigen Sylter Nils vorbei, als der gelernte Mechatroniker für Kältetechnik vor dem American Bistro auf der Treppe saß: "Wir haben uns in die Augen gesehen und es war klar", erklärt Nils. Deshalb mache es auch nichts, dass sie die kommenden drei Jahre nicht aus Bielefeld weg kommt, weil sie dort BWL studieren will - die Sehnsucht nacheinander wird mit fünf Telefonaten täglich und regelmäßigen Wochenendbesuchen mehr oder weniger gestillt. Vor dem schicksalshaften Abend vor dem Bistro hat Mareen übrigens schon 17 Jahre lang jedes Jahr Urlaub auf Sylt gemacht. "Vielleicht haben wir uns also schon mal irgendwo gesehen", überlegt Nils. "Obwohl - ich glaube das nicht. Denn sie wäre mir immer aufgefallen!"

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