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Pflegeplätze auf Sylt : Nach Schließungsplänen: Sylts Senioren sind verunsichert

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nachdem die Schließung der 64 Pflegeplätze im Seniorenheim an der Steinmannstraße offiziell ist, wird auf Sylt Kritik an den Plänen laut.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 18:11 Uhr

Sylt | Verstörte Senioren, aufgebrachte Angehörige: Nachdem die Sylter Rundschau in ihrer Ausgabe vom vergangenen Sonnabend darüber berichtete, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Diakonie ihre Seniorenheime auf der Insel verkaufen, schlägt das Thema auf Sylt hohe Wellen.

Zum Hintergrund: Die Gemeinde Sylt kauft die Seniorenheime an der Steinmannstraße und am Wenningstedter Weg. Die Johanniter übernehmen die Pflege im Wenningstedter Weg, ihre bisherige stationäre Pflegeeinrichtung im Gebäude an der Steinmannstraße geben sie allerdings auf. Die dortigen 64 Pflegeplätze gehen also verloren. Insgesamt gibt es in Westerland dann noch 85 stationäre Pflegeplätze, die vom DRK und von den Johannitern angeboten werden. Rechnerisch liegt der Bedarf für diese Art von Pflege im Jahr 2015 allerdings bei 125, im Jahr 2020 sogar bei 156 Plätzen. Von Seiten der AWO wird allerdings betont, dass man davon ausgehe, dass der Bedarf an stationärer Pflege zurückgehe, die Menschen künftig stärker auf ambulante Betreuung setzen werden (wir berichteten).

Diese Vorstellung hält Hicham Lemssiah für vollkommen abwegig. „Durch den demografischen Wandel brauchen wir künftig mehr Pflegeplätze, nicht weniger. Da wird versucht, die Entwicklung schön zu reden“, sagt der Altenpfleger und Sylter Gemeindevertreter. Lemssiah selbst arbeitet momentan für einen ambulanten Pflegedienst auf der Insel und war vorher für das DRK und die AWO tätig, mit der Arbeit als Altenpfleger auf Sylt kennt er sich also aus. Die jetzige Entwicklung entsetzt ihn – aus mehreren Gründen. Grundsätzlich halte er es für fragwürdig, dass die AWO und die Diakonie – zwei karitative Verbände mit christlichem Hintergrund– ihre Heime beinahe an einen Investor verkauft hätten, der voraussichtlich dafür gesorgt hätte, dass in beiden Gebäuden keine bezahlbaren Pflegeplätze mehr angeboten worden wären. Dass die Gemeinde Sylt dann in letzter Minute eingesprungen sei und auch ein Kaufangebot gemacht habe, ringe ihm höchsten Respekt ab, so Lemssiah weiter. Respektvolles Verhalten vermisst er dagegen den Mitarbeitern der Einrichtungen gegenüber, die zwar zuvor monatelang Gerüchte über eine mögliche Schließung gehört hätten, aber jetzt keine klaren Auskünfte erhielten.

Sie wüssten nicht, ob sie künftig noch eine Arbeitsstelle habe, sagte eine Mitarbeiterin in der Steinmannstraße gegenüber unserer Zeitung. Sie und ihre Kollegen seien am vergangenen Freitag nur knapp über die Vorgänge informiert worden: „Wir müssen den Angehörigen und Bewohnern immer wieder sagen: Wir wissen auch nicht mehr als in der Zeitung steht.“ Denn die Senioren und ihre Verwandten sind von den Plänen nach übereinstimmenden Aussagen offenbar gar nicht informiert worden: „Die Bewohner, die noch lesen können, haben vom geplanten Umzug am Sonnabend aus der Zeitung erfahren“, erzählt Ulrike Körbs. Sie arbeitet ehrenamtlich als Leiterin des Sylter Hospizvereins und als Betreuerin in den Seniorenheimen und traf bei ihren Besuchen in den vergangenen Tagen auf verunsicherte Bewohner. Viele der geistig nicht mehr ganz so fitten Senioren würden zudem trotz aller gegenteiligen Versicherungen befürchten, nun ganz schnell ihr Zuhause zu verlieren.

Auch Körbs glaubt, dass es in Sachen Pflegeplätze auf Sylt bald eng werden wird: Häusliche Pflege könne sich nicht jeder leisten, und schon heute seien die personellen Kapazitäten bei schwer pflegebedürftigen Menschen auf Sylt begrenzt. Viele Insulaner würden schon deshalb jetzt in den Heimen in Klanxbüll oder Niebüll untergebracht. Dass künftig noch mehr Sylter gezwungen sein werden, ihre Angehörigen auf dem Festland unterzubringen, befürchtet auch Gemeindevertreter Lemssiah. Er erinnert daran, dass Pflegeheime auch immer stärker die Aufgaben von Hospizen übernehmen: „Wenn die Pflegeplätze so verringert werden, dann ist es bald nicht nur so, dass keiner mehr auf Sylt geboren werden kann. Dann kann man auf Sylt auch nicht mehr sterben. Das ist eine fatale Entwicklung.“

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