Amrum : Nach Schiffsunglück: Experten begutachten die Adler-Express

Die „Adler Express“ rammte in Wittdün den Anleger.
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Die „Adler Express“ rammte in Wittdün den Anleger.

27 Verletzte, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr – das ist die Bilanz des Schiffsunglücks auf Amrum. Die MS „Adler Express“ rammte gestern Vormittag einen Anleger. Die Ursache für den Unfall ist offenbar geklärt.

shz.de von
05. Juni 2014, 10:48 Uhr

Wittdün | 27 verletzte Passagiere, sechs davon schwer verletzt und zwei von ihnen in Lebensgefahr – das ist die traurige Bilanz eines Schiffsunglücks, das sich gestern Vormittag im Hafen von Wittdün auf Amrum ereignet hat.

Die „Adler-Express“ hatte auf ihrer gestrigen Fahrt von Hallig Hooge nach Amrum aufgrund eines technischen Defektes während des Anlegemanövers in Wittdün auf Amrum den dortigen Anleger gerammt. Die Fähre knallte nach Aussagen eines Zeugen beim Anlegen „mit ziemlicher Wucht“ gegen den Anleger. Viele Passagiere konnten sich bei dem heftigen Aufprall nicht auf den Beinen halten und stürzten übereinander, sagte ein Zeuge.

Ein Passagier berichtete, dass der Kapitän kurz vor dem Unglück über Lautsprecher warnte. „Er rief noch: ’Festhalten! Festhalten!’ – dann war es auch schon passiert.“ Viele Passagiere hätten Prellungen und Schürfwunden erlitten. Zur Zeit der Havarie befanden sich nach Auskunft der Pressesprecherin der Reederei Adler-Schiffe, Juliane Peter, 234 Personen an Bord. Neben zahlreichen älteren Menschen sollen auch mehrere Schulklassen mitgefahren sein.

Laut Reederei war ein Schaltmodul des Schiffes kaputt, das für das Umsteuern der Hauptmotoren verantwortlich ist. Da dieses Modul nicht mehr funktionierte, war die „Adler Express“ manövrierunfähig und prallte mit einer Geschwindigkeit von sechs bis sieben Knoten gegen den Anleger.

„Es sah fürchterlich und beklemmend im Fahrgastraum aus, als wir die schwer verletzten Passagiere von Bord geholt haben“, berichtet ein Feuerwehrmann von Amrum. Es habe alles durcheinander gelegen und überall waren Blutspuren dazwischen. „Wir sammelten als erstes alle Verletzten ein und brachten sie in den Warteraum des Reedereigebäudes, wo die notärztliche Versorgung stattfand“, berichtet ein anderer Feuerwehrmann der Insel. Zum Zeitpunkt des Unfalls waren sehr viele Personen auf dem Anleger, die einen Schiffsausflug machen wollten.

Großalarm wurde ausgelöst. Sie waren anfangs mit sieben Rettungshubschraubern, dem Seenotrettungskreuzer „Vormann-Leiss“, Amrumer Ärzten, der Freiwilligen Feuerwehr Amrum sowie mehreren Rettungswagen vor Ort und wurden von Kräften der Bundespolizei und der Bundeswehr unterstützt.

Bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei auf Amrum wurde unmittelbar nach dem Unglück ein Notfallzentrum eingerichtet, um die verletzten Personen medizinisch erst zu versorgen. Bis zum Nachmittag sind alle Verletzten in umliegende Krankenhäuser ausgeflogen worden.

Für die übrigen Passagiere wurde die MS „Adler V“ von Nordstrand eingesetzt, die die Gäste von Amrum und Hallig Hooge am Abend wieder zurück nach Nordstrand brachte.

„Mit Blick auf die heutigen Ereignisse bei dem Schiffunglück mit unserem Fahrgastschiff ’Adler Express’, möchten wir unser Bedauern aussprechen und uns vielmals bei allen zu Schaden gekommenen Fahrgästen herzlich entschuldigen“, erklärt Reeder Sven Paulsen vor Ort in Wittdün. Dieser Tag sei ein schwarzer Tag in der Reedereigeschichte der Adler-Schiffe. „Ein ganz besonderen Dank möchte ich allen an der Rettungsaktion beteiligten Hilfskräften von Amrum und dem Festland, für ihren professionellen und schnellen Einsatz aussprechen“, so Sven Paulsen. Der Reedereichef war nach der Hiobsbotschaft per Flugzeug nach Föhr geflogen und von dort per Boot nach Amrum gefahren, um sich vor Ort ein Bild von den Geschehnissen zu machen. Auch der Wittdüner Wehrführer Dietmar Hansen lobte die Arbeit der Rettungskräfte: „Das hat alles sehr vorbildlich geklappt.“


Der Sachschaden bei der havarierten „Adler-Express“ beträgt ersten Schätzungen nach um die 20.000 Euro. Fachleute werden sich die Fähre genau ansehen und die Unfallursache untersuchen. Dann werde sich zeigen, wie hoch der Schaden tatsächlich ist, sagte Peter. Schiffsunfälle mit Verletzen habe es auf der „Adler Express“ bisher noch nicht gegeben, so die Pressesprecherin weiter.

„Der Germanische Lloyd wird die „Adler Express“ begutachten, erst dann können wir das Schiff zur Reparatur in die Werft bringen. Bis auf weiteres werden wir mit unseren anderen Schiffen einen Notfallfahrplan fahren“, sagte Sven Paulsen.

Fest steht, dass die „Adler-Express“ auf unbestimmte Zeit nicht mehr im Einsatz sein wird. Die heutigen Fahrten von Hörnum aus um 12 und um 17.30 Uhr fallen aus. Wer nach Amrum möchte, kann auf die „Adler IV“ ausweichen, die von Hörnum aus um 10 Uhr startet.

Angehörige von Verletzten können sich unter 04841-830660 (Wasserschutzpolizei Husum) oder auch 110 bzw. 0461-99930230 (außerhalb von Nordfriesland) erkundigen.

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