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Sylter Rundschau

22. Oktober 2017 | 17:53 Uhr

Nach 188 Moderationen ist Schluss

vom

850 Stunden lang hat Peter Schnittgard Sylter Ringreiten moderiert, nach dem Morsumer Ringreiten zieht er sich auf die Zuschauertribüne zurück

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

MORSUM | Nein, auf ein Pferd hat man ihn nie lotsen können. Nicht mit guten Worten und auch nicht durch eine geschenkte Uniform. Dennoch ist Peter Schnittgard dem Brauchtum des Ringreitens seit 1976 als fachkundiger Kommentator eng verbunden. Nach 37 Jahren und 188 Moderationen ist jedoch jetzt Schluss: Am morgigen Sonntag wird Schnittgard im Rahmen des Turniers des Morsumer Ringreitervereins zum letzten Mal Ablauf und Hintergründe des Traditionssports erläutern. Er war gerade ein Jahr als Sylt-Oster Kurdirektor im Amt, als Peter Schnittgard beim Sylter Ringreitercorps anregte, die Zuschauer stärker einzubinden. Das fanden die Ringreiter auch - und erkoren den Kurdirektor prompt zum Moderator.

"Das erste Ringreiten, das ich 1976 noch am Landschaftlichen Haus in Keitum kommentierte, war dann auch gleich eine harte Bewährungsprobe, denn die Lautsprecheranlage versagte", erinnert sich Schnittgard zurück. Und auch die Statuten und die Namen aller Ringreiter zu kennen, kostete einige Mühe: "Anfangs hatte ich daher immer einen fachkundigen Souffleur neben mir sitzen", schmunzelt Schnittgard. Doch mit den Jahren wurde er selbst zum Experten - nicht nur beim Sylter Ringreitercorps, sondern auch bei den anderen vier Ringreitervereinen, die ihn umgehend anwarben.

Ob tropische Hitze, schwere Gewitter, bei denen Turniere abgebrochen wurden, oder aber Sturm, der einmal das Festzelt in Keitum aus den Angeln hob - Reiter und Moderator ertrugen im Laufe der Jahre alle Wetterlaunen geduldig. Und auch vieles andere erlebte Peter Schnittgard hautnah mit: "Ringepasser, die später König oder Hauptmann wurden" etwa oder das Kunststück, "dass ein Reiter einen fliegenden Ring noch glücklich aufspießen konnte". Wichtig, so Schnittgard, seien für ihn immer nicht allein die Akteure auf dem Platz gewesen: "Ohne den Westerländer Musikverein hätte etwas Entscheidendes gefehlt und natürlich wären die Turniere ohne Ringepasser und Ringeschreiber auch nicht denkbar gewesen."

Am längsten an seiner Seite: Der inzwischen zum Festland verzogene Ringeschreiber Uwe Pinn. Mehr als 25 Jahre lang ein eingespieltes Team, führten die beiden eine interne Tradition ein: "Wenn das Königsreiten begann, haben wir uns zwei Zigarren angezündet - und waren gespannt, ob vor dem Verglimmen der neue König ermittelt ist." Doch nicht nur auf den Turnierplätzen wirkte Schnittgard für die Vereine: Als Kurdirektor unterstützte er die Turniere finanziell, als Chronist verfasste er mehrere Vereinschroniken. Das Ringreiten, man merkt es ihm deutlich an, ist dem 75-Jährigen ans Herz gewachsen "Ich habe dadurch viele Menschen kennen und schätzen gelernt, Freundschaften sind erwachsen."

Nach rund 850 Stunden am Mikrofon verabschiedet sich Peter Schnittgard morgen nach dem Königsreiten von seinem Ehrenamt. Dass er dabei während der Moderation von seinem Freund, dem Kreispräsidenten Heinz Maurus, unterstützt wird, versüßt den Abschied. "Aber natürlich werde ich beim Ringreiten dadurch nicht weg vom Fenster sein", lacht Schnittgard. Künftig wird er das ein und andere Turnier dann mal ganz entspannt aus der Zuschauerperspektive betrachten. Am morgigen Sonntag und Montag veranstaltet der Morsumer Ringreiterverein von 1884 jeweils ab 13.00 Uhr am Muasem Hüs sein Ringreiterturnier.

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