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Sylter Rundschau

22. September 2017 | 12:05 Uhr

Butendiek : Nabu klagt gegen Windpark vor Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Bau des Windparks „Butendiek“ muss „umgehend gestoppt werden“, fordert der Nabu. Der Naturschutzbund will den gerade begonnenen Bau der Offshore-Farm stoppen, weil sie in gleich zwei Schutzgebieten liegt.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2014 | 14:52 Uhr

Sylt/Hamburg | Vor einem Monat hat der Bau des Windparks „Butendiek“ vor Sylt begonnen – nun will der Naturschutzbund Nabu sie wieder stoppen: Der Verband hat beim Verwaltungsgericht Köln Klage gegen die Bauarbeiten eingereicht. „Die Genehmigung von Butendiek verstößt gegen europäisches Umweltrecht“, sagte Nabu-Experte Kim Detloff gestern unserer Zeitung.

Der 32 Kilometer vor Sylt geplante Windpark soll als einziger in Deutschland auf Naturschutzflächen entstehen: Die 80 Rotoren mit einer Gesamtleistung von 288 Megawatt würden sowohl im Vogelschutzgebiet „Östliche Deutsche Bucht“ mit seinen vielen Seetauchern und Seeschwalben liegen als auch im sogenannten Flora-Fauna-Habitat „Sylter Außenriff“, das als „Kinderstube“ des Schweinswals gilt. Hier kommen die meisten Jungtiere des einzigen heimischen Wals in Deutschland zur Welt und verbringen die ersten Monate.

Durch den Krach beim Bau des 33 Quadratkilometer großen Windparks würden vor allem die lärmempfindlichen Wale stark gestört, fürchtet Nabu-Mann Detloff. Da bereits die ersten Rammschläge den Grenzwert von 160 Dezibel überschritten hätten, drohten den Tieren  Gehörschäden – zumal die Wale schon ab 140 Dezibel leiden würden. Der Nabu fordert daher mit seiner Klage  vom zuständigen Bundesamt für Naturschutz in Bonn einen Baustopp.

„Butendiek“ war vor zwölf Jahren als Bürgerwindpark gestartet, gehört inzwischen allerdings der Bremer wpd-Gruppe, die als Investoren unter anderem Siemens und zwei dänische Pensionskassen an Bord geholt hat. Dass der Nabu erst jetzt vor Gericht zieht, erklärte Detloff mit der Novelle des Naturschutzgesetzes von 2010: Erst seitdem seien die Verbände auch jenseits der Zwölf-Seemeilen-Zone klageberechtigt. Zudem habe es im Nabu noch Diskussionen gegeben, weil der Verband nicht nur den Tierschutz, sondern auch den Windkraft-Ausbau befürwortet. Doch letztlich habe den Ausschlag gegeben, dass ohne Klage „eine ökologische Katastrophe am Sylter Außenriff“ drohe, sagte Detloff. Für die Windkraft könne man dagegen in der Nordsee genug „andere, naturschutzfachlich unkritische Standorte“ finden.

Butendiek ist übrigens nicht der einzige Meereswindpark, dessen Genehmigung Experten für rechtswidrig halten. Laut einem Gutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht in Tübingen hätte der Bund auch  die Zulassungen für die in Bau befindlichen Farmen „Dan Tysk“ und „Amrumbank West“ sowie den derzeit gestoppten Windpark „Riffgrund2“ bei Borkum nicht erteilen dürfen. Der Nabu klagt jedoch nur gegen „Butendiek“ – weil die Gefährdung der Natur hier am größten sei, sagte Detloff.

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