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Marienstatue in St. Christophorus : Mutter Gottes zu Gast auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Pfarrkirche St. Christophorus steht noch bis Freitag eine ganz besondere Marienfigur.

Das mag nicht nur für die Sylter Katholiken sowie die derzeit die Insel besuchenden (katholischen) Touristen von Interesse sein: Eine ganz in Weiß gehaltene Marienfigur, versehen mit goldener Krone und goldenen Kleiderkordeln, steht momentan an zentraler Stelle in der Westerländer katholischen Pfarrkirche St. Christophorus. So schlicht und anmutig, wie sie sich dem Betrachter inmitten von Blumensträußen und einem Teppich bunter Rosenblätter präsentiert, so umgibt doch diese etwa 60 Zentimeter hohe Plastik ein Geheimnis. Das die Gemüter (nicht nur des katholisch geprägten) Europas über Jahrzehnte mehr oder minder beschäftigte.

Vor genau 100 Jahren, im Mai 1917, erschien die Maria im portugiesischen Fatima drei Hirtenkindern. Ihnen vertraute sie eine prophetische Botschaft an und bat sie, für den Frieden zu beten. In Briefen der Kinder, die über den Ortsbischof an den Vatikan nach Rom gelangten, fanden die marianischen Worte ihren Niederschlag.

Eines der letzten Schriftstücke wurde vom vormaligen Papst Benedikt (Ratzinger) erst vor einigen Jahren vor Zeugen geöffnet. In den Visionen war von einem großen Krieg, politischen Umwälzungen im zaristischen Russland sowie von einem Attentat auf einen „Bischof ganz in weißem Gewand“ die Rede. Gedeutet wurde dieser Fingerzeig mit dem Attentat auf Papst Johannes-Paul II. auf dem römischen Petersplatz. Einzig der Papst nämlich trägt in der Römischen Kirche ein weißes Gewand.

Die kleine Marienfigur, gestaltet nach der exakten Beschreibung der Kinder, ist noch bis einschließlich Freitag auf Sylt zu sehen. Danach wird sie eine Reise kreuz und quer durch die nordfriesischen Gemeinden antreten und in Niebüll, Bredstedt, auf Nordstrand, in St. Peter-Ording sowie auf Föhr und Amrun zu sehen sein. Am 17. Juli schließlich kehrt sie nach List zurück.

Die zierliche Plastik mag Anlass für einen Kirchenbesuch sein – aus welchem Motiv auch immer. Wer das Beten verlernt hat oder sich darin wieder einüben möchte: Vor der Figur liegt ein vorformulierter Gebetstext, der um Frieden und um Vertrauen unter den Völkern bittet. Aus Anlass des hundertsten Jahrestages der Visionen von Fatima besucht Papst Franziskus ab kommenden Freitag den wohl bekanntesten katholischen Wallfahrtsort in Portugal. Seine lateinamerikanische Heimat, aber auch die südeuropäischen Länder sowie einige im Osten Europas sind von einer starken Mariengläubigkeit geprägt. Dort sieht man in Maria die „eigentliche Bannerträgerin des Christentums“.

Religionssoziologen weisen mit gewisser Skepsis auf immer wiederkehrende Merkmale bei allen Visionen hin. Etwa dass sie ihren Ursprung in armen und unterentwickelten sozialen Verhältnissen haben.Und auch, dass ihnen regelmäßig Misstrauen und Ablehnung entgegen schlugen. Auch von kirchlicher Seite. Selbst Papst Franziskus betonte, dass private Offenbarungen „kein Selbstzweck seien, sondern stets zu Christus führen“ müssten. Dagegen witterten lokale Institutionen und Autoritäten (auch kirchliche) die Aussicht auf materielle Erfolge.Uns Europäer, geprägt unter anderem durch Immanuel Kant und die philosophische Epoche der Aufklärung, durch eine historisch-kritische Bibelauslegung und eine Theologie, die gar den Tod Gottes postulierte, mag es angeraten sein, diese „außergewöhnlichen Phänomene“ nicht vorschnell und überheblich als Scharlatanerie oder (einzig als psycho-sozial zu deutende) Halluzinationen voller Geringschätzigkeit abzutun. Eher scheint intellektuelle Demut angesagt. Und ein Blick in die Bibel: Verlor nicht die Menschheit die Gnade, als sie vom Baum der Erkenntnis aß?

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