Musikalische Reise durch Frankreich

Thomas Cornelius spielte Werke französischer Musiker aus verschiedenen Epochen.
Thomas Cornelius spielte Werke französischer Musiker aus verschiedenen Epochen.

shz.de von
06. März 2009, 06:56 Uhr

Keitum | "Ich wünsche mir von Frankreich französische Musik", forderte 1918 der Künstler Jean Cocteau. Beim vergangenen Mittwochskonzert in der Keitumer Kirche St. Severin konnten eben dieser französischen Musikdie zahlreich erschienenen Besucher lauschen: Thomas Cornelius, Assistenzorganist an der Hamburger Bischofskirche St. Marien und ausgezeichneter Teilnehmer verschiedener Orgelwettbewerbe, lud an der Mühleisenorgel zu einer musikalischen Frankreich-Reise ein. Doch nicht die französischen Regionen mit ihrem Liedgut, sondern die musikalischen Epochen gerieten zum Auswahlkriterium.

Der Bogen reichte von der Barockmusik mit dem variantenreichen "Gloria-Versetten" Francois Couperins (1668-1733), eine der "wichtigsten musikalischen Persönlichkeiten" Frankreichs um 1700, über die Spätromantik bis in das 20. Jahrhundert zu Olivier Messiaen (1908-1992). Dessen "Meditationen über das Geheimnis des Heiligen Geistes" brachten in äußerst differenziertem Spiel die musikalische Verarbeitung eines iranischen Vogelgesanges (Persepolis-Vogel) zu Gehör.

Kontrastreich dazu: der gewaltige und raumfüllende Konzertauftakt mit Charles-Marie Widors (1844-1937) sechster Orgelsinfonie. Verständlich, denn Widor war Organist an Saint Sulpice in Paris - einem Monumentalbau von beinahe erdrückender Größe. Viele seiner Kompositionen waren auf seine Spielstätte zugeschnitten.

An fernöstliche Klänge gemahnten Partien aus den Orgel-Fantasien des mit knapp 30 Jahren als Soldat gefallenen Jehan Alain (1911- 1940). Mit der Toccata aus der ersten Sinfonie Louis Viernes (1870-1937) klang der Abend aus. Dieser bewies sein kompositorisches und spielerisches Können 37 Jahre lang an der Orgel von Notre-Dame in Paris, wo ihn an seinem Instrument der Tod überraschte.

Quicklebendig hingegen nahm am Mittwochabend der 23-jährige Thomas Cornelius den herzlichen Applaus der Besucher für sein konzentriertes und sicheres Spiel entgegen.

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