Eröffnung Meerkabarett : Musik und noch mehr Kabarett auf Sylt

Unvergleichlich: Piet Klocke als Moderator
Unvergleichlich: Piet Klocke als Moderator

Piet Klocke präsentierte zum Auftakt des 22. Meerkabaretts vor allem sich und einige vorwiegend musikalische Programm-Kostproben.

shz.de von
08. Juli 2015, 05:56 Uhr

„Ein solches Programm gibt es sonst nirgendwo", stellte Joachim Wussow bei seiner Begrüßungsrede zur Eröffnung der 22. Spielzeit des Sylter Meerkabaretts fest. Wahrscheinlich hat der Impresario recht, denn die geballte Fülle an Auftritten von Musikern, Comedians und Kabarettisten, Magiern und Schauspielern, Vorlesern und Entertainern sucht in dieser zeitlichen Abfolge von wenigen Wochen seinesgleichen. Mit kleinen Unterbrechungen reicht das diesjährige Kulturprogramm in der Abfüllhalle der Sylt Quelle allerdings bis zum 22. Oktober. Wie sehr das Meerkabarett längst zum gesellschaftlichen und insularen Highlight mit überregionaler Ausstrahlung geworden ist, zeigte sich beim Opening am Montagabend. Mit rund 500 Gästen war die zum Varietee-Theater umgewandelte Halle bis auf den letzten Platz dicht - und überwiegend mit Syltern - besetzt.

Als feste Größe der alljährlichen Eröffnungsshow gilt seit Jahren Piet Klocke als Moderator - und Selbstdarsteller. Wen Klocke präsentiert, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle - aber wie er sich durch den Abend mit seinen anspielungsreichen, hintersinnigen, oft saukomischen Satzfetzen und bizarren Körperverrenkungen als schlaksiger Verstörungskünstler über die Bühne bewegt und gekonnt verplappert, sorgt verlässlich für Lacher.

Die erzielte auch Barbara Kuster. Allerdings musste sich die Potsdamer Kabarettistin die Lacher anfänglich hart erarbeiten. Denn ihre Rolle als erzkonservative, leistungsorientierte Endvierzigerin, die sich noch zu ganz Großem berufen fühlt, erzeugte mit ihren Sprüchen zunächst Gefühle des Unbehagens bis sie dann die Bühne mit teils fetzigen Gesangsparodien rockte. Ihr Auftritt war als Kostprobe für die Comedyabende „Frau Jahnke hat eingeladen“ gedacht, die gestern und heute Abend laufen.

Mit den zwei Sylterinnen Lena Baute und Meret Krasa, die zusammen das Duo „åntatumånta“ bilden, wurde die Meerkabarett-Besucher zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Die Gewinner des Henner-Krogh-Förderpreis überzeugten mit beeindruckenden Stimmen und einer zauberhaften Bühnenpräsenz. Man hätte gern mehr von den beiden gehört.

Doch dann kam mit dem Sänger Jan Plewa („Selig“) jemand auf die Bühne, der mit schreiendem Gesang und politischen Parolen-Liedern Lust auf die große Pause machte. In der waren sich viele einig, dass das Meerkabarett ein kulturelles Ereignis von Rang ist, das die Insel schmückt. Die ewige Klage, dass Programm hätte zu viele Wiederholungen aus den letzten Jahren und keine echten Entdeckungen, hatte Wussow schon in seiner Begrüßungsrede mit Hinweis auf die vielen erstmals bei Meerkabarett auftretenden Künstler widerlegt.

Auch wenn Bernd Stelter zu den Comedians gehört, die regelmäßiger kommen, wurde bei seinem Kostprobenauftritt klar, dass der Mann mit dem Wirtshaus-Humor und einer ausgeprägten Begabung für spritzige musikalische Einlagen einen munteren Abend zu dem unerschöpflichen Thema Ehe garantiert. Viel mehr als das, ja ein wahrer Höhepunkt an brillanter Musikalität, pointierter Schauspielerei, feinstem Humor und beißender Ironie präsentierte Piet Klocke mit LaLeLu, der A-Cappella-Comedy. Drei Herren und eine Dame, die eine Show der Sonderklasse versprechen, die mitreißt und begeistert. Das Meerkabarett-Opening konnte nur einen sehr ausschnitthaften Einblick in sein vielfältiges Programm bieten, das einiges mehr an Highlights zu bieten hat als die Kostproben verrieten.

www.meerkabarett.de

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