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Sylter Rundschau

21. Oktober 2017 | 06:03 Uhr

Sylter Strandgut : Musik aus dem Meer

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dirk Rathmann baut sich seine eigenen Instrumente – das Material dafür findet er auf Flohmärkten oder am Strand.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Den sensationellen Erlös von elf Millionen Euro erbrachte vor wenigen Jahren die Versteigerung einer Geige des legendären Geigenbauers Antonio Stradivari. In solchen Dimensionen hätte Dirk Rathmann schwerlich mitbieten können, doch dafür kann auch er auf ein handgemachtes Unikat verweisen: Eine echte „Strandivari“.

Das kunstvolle Instrument nach Sylter Art ist keine Geige, sondern eine Gitarre, deren Corpus aus einem Stück Treibholz besteht. Voll funktionsfähig, greift Rathmann bei Konzerten des Sylter Shanty-Chors in ihre Saiten – und ist dann ein beliebtes Ziel, wenn der Chorleiter Seemannsgarn spinnt. So entstand auch die Wortschöpfung „Strandivari“.

Es dürften die ungewöhnlichsten Gitarren weit und breit sein, die sich im Keller des Hauses von Dirk Rathmann aufreihen: Hier bildet ein alter Wäschestampfer den Körper, dort eine Bettpfanne, ein betagter Staubsauger oder der Teil eines Setzkastens. Und diese, aus dem Blech eines alten Dieselkanisters gefertigte Gitarre, „die klingt fast wie ein Banjo“, sagt der kreative Westerländer und klampft zur Bestätigung ein paar Akkorde.

Handwerkliches Geschick hatte der pensionierte Fernmeldetechniker schon immer – „Basteln ist einfach mein Ding“. Vor einigen Jahren kam ihm die Idee, doch einmal ungewöhnliche Tischlampen zu gestalten. Da diente denn etwa ein alter Telefonhörer als Lampenständer und als Sockel das dazu gehörige Telefon – dessen Wählscheibe die Funktion eines Dimmers übernahm. „Irgendwann“, lacht der 63-Jährige, „meinte meine Frau, dass wir nun wirklich genug Lampen hätten. So habe ich mich auf den Bau von Gitarren verlegt.“ Auch hier galt das Credo, ungewöhnliche, alte Utensilien zu verwenden. Für den Bau eines Instruments gehen einige Wochen ins Land – in der kleinen Werkstatt wird dann emsig gehobelt, gesägt und gefeilt. Der Arbeitsrhythmus ist höchst unterschiedlich: „An manchen Tagen bin ich überhaupt nicht in der Werkstatt, an anderen von morgens bis abends.“ Die Verbindung der Gitarrenhälse, die Rathmann fertig kauft und nachbearbeitet, mit den Gitarrenkörpern ist die kniffligste Aufgabe. Danach werden Tonabnehmer, Lautstärke- und Klangregler eingebaut sowie die Saiten bespannt und gestimmt.

Die geeigneten Objekte findet der Hobby-Künstler auf Flohmärkten – oder, im Falle der „Strandivari“, am Flutsaum. Auf der Werkbank nimmt der nächste Rohling Gestalt an. Bis Advent muss er fertig sein, wie die gezackte Form eines Tannenbaums verrät, denn: „Diese Gitarre möchte ich bei den Weihnachtskonzerten unseres Chors spielen.“

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