Verhaltener Optimismus : Muschelfischer vor Sylt starten in neue Saison

<p>Im Jahr 2017 zogen die Muschelfischer rund 14.400 Tonnen an Land zogen.</p>

Im Jahr 2017 zogen die Muschelfischer rund 14.400 Tonnen an Land zogen.

Im Wattenmeer gehen die Muschelfischer wieder auf Fang. Was sie in die Netze bekommen, ist nicht nur bei deutschen Feinschmeckern begehrt.

shz.de von
03. August 2018, 14:20 Uhr

Sylt | Schleswig-Holsteins Muschelfischer sind am Freitag mit verhaltenem Optimismus in die neue Saison gestartet. „In diesem Jahr dürfte der durchschnittliche Erzeugererlös des vergangenen Jahres noch überschritten werden“, sagte Paul Wagner von der Erzeugerorganisation für Muschelzüchter. „Allerdings wird die Anlandemenge geringer sein.“

Bei guter Muschelqualität und entsprechenden Preisen könne jedoch auch eine geringe Produktionsmenge wirtschaftlich auskömmlich sein, sagte Wagner. „Hierauf setzen die hiesigen Muschelfischer ihre Erwartungen.“ Entwicklungsmöglichkeiten der Muschelfischer, die 2017 rund 14.400 Tonnen an Land zogen, seien durch den Naturschutz aber stark eingeschränkt. „So sind zum Beispiel seit 2017 rund 87 Prozent des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer für die Miesmuschelfischerei gesperrt“, sagt Wagner. „Von den verbleibenden 13 Prozent kann faktisch nur etwa ein Prozent genutzt werden.“

Ein weiteres Problem der Muschelfischer ist das Sammeln der Besatzmuscheln – der sogenannten Muschelsaat. „Seit 1997 dürfen wir nicht mehr den bei Ebbe trocken gefallenen Wattboden absuchen“, sagt Muschelfischer Wagner. Die Suche nach den kleinen Baby-Muscheln ist im wahrsten Sinn des Wortes „im Trüben fischen“. Glück für die Fischer: Muschellarven können nicht aktiv schwimmen, sondern lassen sich von der Strömung treiben. Die Fischer können auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Meist werfen sie ihre Netze an den richtigen Stellen aus, um die Kaffeebohnen großen Saatmuscheln einzusammeln. Diese werden dann auf gepachteten Flächen „vorsichtig im Wasser wieder “ausgesät„“, sagt Wagner. Nicht zu viel auf einen Haufen, denn Miesmuscheln dürfen maximal in drei Lagen übereinander liegen. „Sonst verhungert die unterste“, erklärt er.

Miesmuscheln besonders beliebt

Nach Angaben des Fisch-Informationszentrums in Hamburg steht die Miesmuschel in Deutschland auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Da es hierzulande aber kaum noch Verarbeitungsbetriebe für Muscheln gibt, werden sie fast komplett in die Niederlande exportiert. „Von dort kommt ein Teil als aufbereitete Muscheln “küchenfertig„ wieder in den deutschen Handel zurück“, erklärt Wagner. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung waren das 2016 mehr als 10.200 Tonnen.

Die Importzahlen anderer Muschelarten können da nicht mithalten: Rund 650 Tonnen Austern, 974 Tonnen Kamm- und Pilgermuscheln, sowie 338 Tonnen Venus-, Herz- und Archenmuscheln wurden aus der EU sowie aus Drittländern in die Bundesrepublik eingeführt.

Die gute Qualität der Ware habe zu einer steigenden Nachfrage nach deutschen Muscheln in Belgien geführt, meint Wagner. Gleichzeitig würden in Belgien die höchsten Preise für Miesmuscheln erzielt. „Die hiesigen Muschelerzeuger konnten im Jahr 2017 einen Durchschnittspreis von 1,42 Euro pro Kilogramm erlösen“, erklärt der Fischer. Vor der Erschließung des belgischen Marktes habe der durchschnittliche Kilopreis nur 27 Cent betragen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen