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Vor Hörnum : Muschelfischer als Retter in (See-)Not

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine auf Grund gelaufene Segelyacht drohte im Hörnumer Watt zu sinken. Weil alle andere Hilfe nicht fruchtete, hievte der Muschelkutter „Wyk 8“ sie kurzerhand per Kran aus dem Wasser und brachte sie sicher an Land.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Sylt | Bei dieser spektakulären Hilfsaktion staunten am Sonntagabend selbst erfahrene Seeleute und Seenotretter: Um zu verhindern, dass eine im Wattenmeer havarierten Segelyacht voll Wasser läuft, wurde das neun Meter lange Schiff von einem Muschelkutter per Fanggeschirr aus dem Wasser gehoben und sicher in den Hafen gebracht. „So etwas habe ich noch nie erlebt, eine tolle Aktion der Muschelfischer“, sagte Michael Heinzius, Vormann des DGzRS-Rettungsbootes „Horst-Heiner-Kneten“.

Was war passiert? Bei Niedrigwasser war ein Sylter Skipper mit seiner 28-Fuß-Yacht auf eine Sandbank etwa eine Seemeile nordöstlich des Hörnumer Hafens aufgelaufen und dort trockengefallen. Wie sich herausstellte, war er dabei am Kiel leck geschlagen. Zunächst eilte ihm Jürgen Krüger, Vorsitzender des Sylter Yachtclubs, mit seinem Katamaran zu Hilfe, um gemeinsam die Leckage abzudichten. Als das nicht funktionierte, rief er per Handy Heinzius an, und bat um Hilfe der Seenotretter. „Weil das Wasser für unser Boot zu flach war, haben wir einen Mann rausgeschickt, der im Überlebensanzug durchs hüfttiefe und langsam steigende Wasser zum Havaristen gewatet ist, um eine Leinenverbindung herzustellen und die Yacht zu fixieren“, berichtet der Vormann.

Mittlerweile hatten sich, vom Funkverkehr aufmerksam geworden, auch das Zollboot und der Muschelkutter „Wyk 8“ auf den Weg vom Hafen zur Sandbank gemacht, um ebenfalls zu helfen. Während der Zoll sein Tochterboot mit einer Pumpe zum Havaristen schickte, nutzte Muschelfischer Adrian Leuschel den mit nur 80 Zentimetern sehr geringen Tiefgang seines Schiffes, um beim Havaristen längsseits zu gehen. „Wir haben unseren Kranausleger genutzt, um die Yacht mit Tauen über die Wasserlinie zu hieven“, erklärt Leuschel. „Das Boot wäre sonst garantiert abgesoffen, das stand ja schon gestrichen voll Wasser.“ Nachdem das Wasser abgelaufen und abgepumpt war, nahm Leuschel es am Kran hängend längsseits (kleines Foto) und brachte es in den Hafen, wo er es direkt am Pier abstellte.

Am Ende der dreieinhalbstündigen Rettungsaktion wurde deutlich, dass der Skipper wirklich Glück im Unglück hatte: „An Land hat man gesehen, dass der Kiel fast vom Rumpf abgebrochen war. Bei auflaufendem Wasser und zunehmendem Wind hätte die Yacht nicht lange durchgehalten“, ist sich Michael Heinzius sicher. So spektakulär und ungewöhnlich die Aktion auch war, so selbstverständlich war die Hilfe aus Sicht von Adrian Leuschel: „Da überlegt man nicht lange. Ich wäre ja auch froh, wenn mir in so einer Situation jemand hilft.“

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