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Serie Sylter Sounds : Mungo Park: Der Dino lebt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Serie Sylter Sounds geht’s heute um die älteste Rockband auf Sylt: Mungo Park spielt ihren „Anarcho-Pop“ seit 20 Jahren.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 05:52 Uhr

So klingt die Insel: Unter dem Motto „Sylter Sounds“ wird die Sylter Rundschau in einer neuen Serie Musiker der Insel vorstellen. Sie vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen, sie haben ganz verschiedene Sounds – doch gemeinsam bringen sie Sylt zum Klingen.

Irgendwo in einem alten Keitumer Klinkerbau. Hier hat die Band Mungo Park ihren Proberaum. Die Luft ist tabakschwanger, überall stehen Instrumente, Boxen und Verstärker. An Wänden und Decken hängen Akustikschaumstoff, Konzertplakate und alles andere, was eine Muckerbude ausmacht. Hier treffen sich die fünf Musiker von Mungo Park plus Band-Appendix Bella einmal in der Woche und spielen ihren Sylter Soundtrack. Mittlerweile seit zwei Dekaden.

Angefangen hat alles auf einem Bauernhof in Braderup: In der musikalischen Keimzelle von Bauer und Keyboarder Helmut Dethlefs spielten Mitte der neunziger Jahre verschiedenste Musiker in wechselnden Formationen Jazz und Rock. Eines Tages war auch Jörn Radzuweit dabei, der kurze Zeit später aus dieser losen Formation die Ur-Besetzung für Mungo Park herauslöste. „Die Braderuper vom Bauernhof waren dem Musizieren gegenüber sehr locker eingestellt, da konnte man fast immer hin und spielen“, sagt Drummer Scan Maron, der kurz nach Gitarrist und Sänger Radzuweit zur Band stieß. „Auf Sylt ist es ja leider sehr schwierig, Proberäume zu finden“ führt er weiter aus. „Wenn es das Henner-Krogh-Kuratorium nicht gäbe, würde es um die Musiker-Szene viel schlechter stehen, von Seiten der Gemeinde wird man hier als Band nicht unterstützt, die verfolgen musikalisch gesehen eher kommerzielle Interessen.“

Bis auf Sänger Peter Petzold, der auch Saxophon und Percussion spielt, sind die Bandmitglieder echte Sylter Jungs. „Ich kam vor 18 Jahren auf die Insel, sah die Jungs im Meerkabarett und wusste, dass ich mit denen Musik machen will“ betont er. Seine Aufnahme in die Band klappte, obwohl sein Saxophon von Radzuweit am Anfang kritisch beäugt wurde: „Ich dachte, dass geht jetzt wieder in Richtung Jazz, den ich nicht besonders mag.“ Aber Petzold führte das Blasinstrument passend in das Repertoire der Band ein, so dass es heute fest zum Sound von Mungo Park gehört.
Ihren Stil bezeichnet die Band als „Anarcho-Pop“, diesen Begriff wählte einst ein Zeitungs-Redakteur, der ihren universellen Sound treffend beschreiben wollte. „Das trifft es eigentlich ganz gut, weil unsere Musik schwer einzuordnen ist. Wir bedienen uns in vielen Genres, auch im Jazz, denn ich mag ihn sehr gerne“, sagt Schlagzeuger Maron betont laut mit einem Augenzwinkern in Richtung Radzuweit. „Um es auf den Punkt zu bringen: Wir machen unser Ding“ ergänzt Bassist Simon Christiansen und schaut dabei Kopf nickend zum zweiten Gitarristen Sascha Huth, der im Interview zwar leisere Töne anschlägt, auf der Bühne aber beherzt in die Saiten greift.
Auf Sylt hat die Band schon an allen erdenklichen Orten gespielt, vor fünf Jahren sogar noch im englischen Kino auf dem Flughafengelände, dass vor kurzem abgerissen wurde. Und zu ihrer „kleinen Welttournee“ nach Föhr, wo sie jeden Sommer im „Schapers“ am Südstrand spielen, konnten sie einige Male mit Mann und Maus in einem großen Doppeldecker fliegen. Echte Sylter Rockstars fliegen eben auch die kleinen Strecken mit dem Flugzeug.
Und wieso eigentlich Mungo Park? „Wir brauchten kurz nach unserer Gründung dringend einen Namen für einen Auftritt in Leck“ sagt Radzuweit. Der Veranstalter drängelte schon, weil er einen Bandnamen für die Ankündigung brauchte. „Damals haben wir alle das Buch Wassermusik von T.C. Boyle gelesen, darin war die Rede von einem Entdeckungsreisenden, der Mungo Park hieß“. Den Namen hat die Band bis heute nicht angezweifelt. Vielleicht, weil die Musiker selbst Entdeckungsreisende sind, die sich musikalisch immer wieder neu erfinden wollen.

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