Wohnungsbau auf Sylt : Morsumer diskutieren über Dauerwohnraum

Auf dieser Wiese sollen in Morsum bis 2017 insgesamt 23 neue Mietshäuser entstehen.
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Auf dieser Wiese sollen in Morsum bis 2017 insgesamt 23 neue Mietshäuser entstehen.

Im Morsumer Ortsbeirat wurde leidenschaftlich über die Bebauung des ehemaligen Schulgeländes gestritten.

shz.de von
04. Juli 2015, 05:45 Uhr

Das Ziel ist hoch gesteckt: Das Wohnraumentwicklungskonzept der Gemeinde Sylt sieht vor, dass bis 2025 in Morsum 180 neue Wohnungen benötigt werden, damit der Inselort nicht noch mehr Einwohner verliert. Im vergangenen Oktober beauftragte der Ortsbeirat einstimmig das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM), zu planen, wie auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule Wohnraum geschaffen werden könnte.

Einen Vorentwurf, wie die Bebauung aussehen könnte, stellte KLM-Leiter Marcus Kopplin bei der jüngsten Sitzung des Morsumer Ortsbeirats am vergangenen Donnerstag vor. Jedoch sorgten die Pläne für großen Diskussionsstoff unter den Ortsvertretern und anwesenden Bürgern.

Der Entwurf sieht auf dem ehemaligen Schulgelände 23 so genannte Kettenhäuser vor: Immer zwei Reihenhäuser aneinander gebaut – mit jeweils einer Größe von 90 bis 95 Quadratmeter pro Haus – sollen dort entstehen. „Der Vorteil dieser Mietobjekte ist, dass man sie theoretisch auch in zwei Wohnungen aufteilen kann“, erklärt Marcus Kopplin. „Das heißt, dass man sie auch in einem überschaubar baulichen Aufwand in Zweizimmerwohnungen umgestalten kann. Wir könnten also auch 46 kleinere Wohnungen bauen – oder eben einen Mix aus Häusern und Wohnungen.“

Mit diesem ersten Entwurf waren allerdings nicht alle Anwesenden glücklich: Von einigen Morsumern wurde vor allem die enge Bebauung bemängelt: „Das hat ja schon Städtebau-Charakter“, sagte zum Beispiel Boy Christiansen aus dem Publikum, „der passt hier nicht her. Zwei Häuser weniger und ein bisschen mehr Platz und man hätte mehr Luft. Das tut dem Dorfcharakter gut.“ Marcus Kopplin und Nikolas Häckel verteidigten darauf hartnäckig und enthusiastisch sowohl die Planung als auch das in den letzten vier Jahren erstellte Wohnraumkonzept. Denn schon zwei Häuser weniger seien ein Rückschritt auf dem Weg zur Realisierung von 180 Wohnungen.

„Wir brauchen dringend diesen Dauerwohnraum“, sagte der Bürgermeister mit fester Stimme, „denn sonst haben wir langfristig ein Problem.“ Er sprach sich eindringlich für das Konzept aus: „Es ist insular beschlossen, es gab genaue Bedarfsermittlungen, das Konzept ist wissenschaftlich erarbeitet worden. Ich bitte Sie: Stellen Sie das, was wir jetzt über einen langen Zeitraum erarbeitet haben, nicht in Frage.“

Ebenfalls angezweifelt wurde bei der Sitzung der Bedarf an Wohnungen vor allem für jungen Familien: „Wir erleben es immer häufiger, dass junge Familien lieber in Tinnum und Westerland leben möchten als in Morsum“, kam als Anmerkung aus dem Publikum. Es sei daher wichtig, noch einmal den akuten Bedarf an Wohnungen in Morsum zu ermitteln. Doch zum jetzigen Zeitpunkt könne niemand den Bedarf für die geplanten Häuser, deren Fertigstellung auf den Herbst 2017 fallen soll, einschätzen, erwiderte Marcus Kopplin: „Man erfährt maximal ein halbes Jahr im Voraus, was die Leute auf dem Wohnungsmarkt haben wollen.“ Daher sei es auch nicht sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt eine weitere Befragung durchzuführen. „Wir haben als Kommune den Auftrag erhalten, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen“, führte der Leiter des KLM seine Argumentation fort. „Und wenn wir den demografischen Wandel aufhalten wollen, müssen wir dafür sorgen, dass mehr Leute ins Dorf ziehen als wegziehen. Wir müssen neue Leute vom Festland gewinnen – junge Familien, die die Vereine bevölkern, die die Schulen füllen und die ihre Kinder zur Musikschule fahren. Und das schaffen wir nur, indem wir Wohnungen bauen.“

Schließlich wurde vom Ortsbeirat dem vorläufigen Konzept zugestimmt. Für das positive Abstimmungsergebnis sorgten vielleicht auch die eindringlichen Worte von Maren Imke: „Jeder auf Sylt ist am Jammern, weil wir keinen Wohnraum haben“, so die Morsumerin, „eigentlich müssen wir doch einfach froh sein, dass es endlich voran geht.“

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