Musik aus einer vergangenen Zeit : Möwen, Musik und Muße

Holger Burmester an einem seiner selbstgebauten Cemabli.

Holger Burmester an einem seiner selbstgebauten Cemabli.

Holger Burmester ist Kinderarzt und Kirchenmusiker und hat in seinem Westerländer Haus zwei Cembali gebaut.

shz.de von
13. September 2018, 17:40 Uhr

Wenn Holger Burmester die Saiten seines Cembalo erklingen lässt, fühlt man sich als Zuhörer sofort in eine längst vergangene Epoche versetzt. Denn auch, wenn Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel viele ihrer hochvirtuosen Stücke ursprünglich für das Cembalo und nicht für das Klavier komponierten, taucht das Musikinstrument heute nur noch selten auf. Film-Freunde kennen es vielleicht aus Jane-Austen-Verfilmungen, Musik-Freunde von Barock-Konzerten.

Für Holger Burmester hat der silbrige Klang des Musikinstruments eine ganz besondere Farbe. Und die fasziniert ihn seit vielen Jahren so sehr, dass der Kinderarzt und Kirchenmusiker in seinem Westerländer Haus zwei Cembali selbst gebaut hat. Dabei hat er sich an historischen Vorbildern orientiert: Das eine ähnelt französischen Cembali aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (siehe Foto), das andere italienischen Modellen um 1650.

Das Cembalo sieht dem Klavier ähnlich, kann auch als Vorläufer des Klaviers betrachtet werden, allerdings hebt es sich von diesem mit seinem hellen und obertonreichen Klang ab. Auch die Erzeugung des Tons ist unterschiedlich: Anders als beim Klavier werden die Saiten nicht mit Hämmerchen angeschlagen, sondern mit Kielen gezupft. Diese Federkiele sind bei Holger Burmester aus ganz besonderem Material: „Dafür habe ich Sylter Möwenfedern verwendet, die ich am Strand gefunden habe“, berichtet er.

Wie er zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen ist? Holger Burmester war schon als junger Mann nebenamtlich als Kirchenmusiker tätig. Über eine Fachzeitschrift wurde er auf das Thema Cembalo-Bau aufmerksam. Der feine, klare und prägnante Klang habe ihm schon immer gefallen und so hat er sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. An seinem zweimanualigen Cembalo, also dem Instrument mit zwei Tastaturen, hat er insgesamt vier Jahre gebaut – und dabei alles selbst gemacht. „Das sind schon ein paar hundert Arbeitsstunden reingegangen“, sagt er lachend. Und der hauptberuflich als Kinderarzt an der Fachklinik Sylt arbeitende 59-Jährige ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden und verbringt viel Zeit an spielend beiden Instrumenten.

Vom Klang der beiden Cembali kann sich das Sylter Publikum am Sonntag, 30. September, ein eigenes Bild machen. Dann spielt Holger Burmester auf beiden Cembali Stücke aus den auf die Instrumente passenden Epochen in der Stadtkirche St. Nicolai. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten der Erneuerung der dortigen Hauptorgel, das seine Zuhörer einen Abend lang von einer längst vergangenen Epoche träumen lässt.

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