Mitte März

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12. März 2014, 12:56 Uhr

Was für eine Woche! Wer in dieser Woche Urlaub auf Sylt gebucht hatte, der hat alles richtig gemacht: strahlend blauer Himmel, keine Wolke weit und breit, von morgens bis abends Sonne, dazu frühlingswarm. Unglaublich, denn wir haben schließlich erst MITTE MÄRZ.

Bei mir führt so etwas allerdings bereits morgens zu einer gewissen Panik. Ich wache auf, sehe dass die Vorhänge lichtdurchflutet sind und greife panisch nach meiner Uhr auf dem Nachttisch. Wenn mein Gehirn alle Informationen zusammengesetzt hat, schrecke ich dann allmorgendlich mit dem Gedanken „schon so spät?!“ hoch, um anschließend sofort unter die Dusche zu hüpfen. Das Frühstück (ein schnelles Toast und ein noch schnellerer Kaffee) wird ruckizucki im Stehen eingenommen. Bloß keine Minute Sonne verschenken. Es ist schließlich erst MITTE MÄRZ.

Die Hotspots dieser Traumwoche hießen eindeutig Strand und Café. Nicht nur bei Carsten und mir. Einen zweiten, diesmal ausgedehnten Kaffee gibt’s in der dritten Reihe im Diavolo (da sitzt man nämlich morgens schon in der Sonne). Besser kann so ein Tag nicht starten. Der Kaffee ist kaum da, da sitzen wir auch schon mit drei Schichten Klamotten weniger und hochgekrempelten Armen da - und das MITTE MÄRZ. Ich lausche den Gesprächen. Alle reden übers Wetter und versuchen sich gegenseitig zu toppen. „Brigitte und ich sind heute bereits um 9 Uhr am Strand spazieren gewesen“, sagt der Herr neben uns mit stolz geschwellter Brust, „das muss man ja ausnutzen“. Konter vom Platz rechts außen: „Um 9.00 Uhr?! Ich war mit Hermann bereits um 7.30 Uhr unterwegs. Da war’s aber noch ziemlich frisch. Nur 3 Grad. Ist ja schließlich auch erst MITTE MÄRZ.“ Hier sei zur Sicherheit noch kurz erwähnt, dass es sich bei Hermann nicht um ihren Gatten, sondern um den gut genährten Rauhaardackel handelt.

Jacke um die Hüften gebunden, Jeans hochgekrempelt, Sonnenbrille auf der Nase und Mundwinkel nach oben. Das war diese Woche der Einheitslook am Strand. Im Sommer normal, aber HALLO: wir haben MITTE MÄRZ. „Gott, ist das heiß. Wo ist eigentlich der Wind, wenn man ihn braucht“, frage ich mich auf unserem Strandspaziergang nach Wenningstedt. Höhe Gosch habe ich das Gefühl, bereits dunkelbraun im Gesicht zu sein. Carsten findet mich eher rot. Mist, ich habe natürlich keine Sonnencreme dabei. Ist ja schließlich erst MITTE MÄRZ.

Auch bei Gosch dreht sich alles ums Wetter. „Silke, ich hab zwei Plätze im Schatten gefunden“, ruft eine Frau stolz ihrer Freundin zu. Ohne Worte.
Wir setzen uns natürlich wieder in die pralle Sonne. Wenn schon, denn schon. Auf unserer Bank hat jeder neben sich einen riesigen Stapel Klamotten liegen: Jacke, Schal, Pullover, alles muss ausgezogen werden.
Ebenso einen Tag später in der Kampener Kupferkanne auf der sogenannten „Winterterrasse“: mindestens ein Stuhl ist an jedem Tisch mit Klamotten belegt. Und das MITTE MÄRZ.

Ich habe mir ganz fest vorgenommen, dass ich mich ab jetzt jedes Jahr MITTE MÄRZ an diese Wahnsinns-Woche zurückerinnern werde. Die Woche MITTE MÄRZ, in der sich das komplette Sylter Leben draußen abgespielt hat und ich die ersten Tage im T-Shirt und hochgekrempelten Hosenbeinen in der Sonne gesessen habe. Die Woche MITTE MÄRZ, in der ich mir vor wetterhungrigem Übermut eine schlimme Halsentzündung eingefangen habe.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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