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Senioren auf Sylt : Mitglieder des Sozialausschusses kritisieren Seniorenheime auf der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sorge um Sylts Seniorenheime: Im Sozialausschuss der Gemeinde Sylt wurde die Situation in den beiden Seniorenheimen auf der Insel bemängelt.

„Angesichts dieser Zustände können die die Häuser dicht machen!“ Hicham Lemssiah, Gemeindevertreter der Gemeinde Sylt und Krankenpfleger, wählte auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses drastische Worte, als es um die Situation in den beiden Seniorenheimen in Westerland ging. Auch der Vorsitzende des Ausschusses, Eberhard Eberle, und Bürgermeister Nikolas Häckel bestätigten, dass die derzeitige Pflegesituation dringend verbesserungswürdig sei. Eine Einschätzung, die Herbert Voedisch gar nicht bestreiten würde. Er ist Geschäftsführer der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, die die beiden Westerländer Seniorenheime seit vergangenem Herbst betreibt.


Gemeinde kaufte Heime für rund 13 Millionen


 

Aber zunächst zur Vorgeschichte: Die Diakonie und die AWO haben die beiden betreffenden Heime im vergangenen Jahr aufgegeben. Mit der Argumentation, die Häuser würden ansonsten von einem Investor übernommen, hat die Gemeinde Sylt die Gebäude in der Steinmannstraße und im Wenningstedter Weg für rund 13 Millionen Euro gekauft. Betrieben werden die Häuser nun von den Johannitern. Im Zuge dieses Wandels hat man im Zusammenarbeit mit dem gemeindeeigenen Kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM) neue Pflegekonzepte erarbeitet. So wurde unter anderem die Zahl der vollstationären Pflegeplätze deutlich reduziert – diese Pflegeform soll künftig nur noch im Wenningstedter Weg angeboten werden. Vergangenen Monat sind deshalb schon ein Teil der Pflegepatienten aus der Steinmannstraße in den Wenningstedter Weg umgezogen, 23 von ihnen leben aber derzeit noch in der Steinmannstraße. In diesem Umzug und seinen Folgen ist ein Teil der Kritik begründet, die den Johannitern derzeit entgegen schlägt: „Offensichtlich ist im Zuge dessen auch viel Fachpersonal aus der Steinmannstraße in den Wenningstedter Weg versetzt worden“, so Bürgermeister Nikolas Häckel. Deshalb, das kritisierte auch eine Bürgerin im Sozialausschuss, würden die übrig gebliebenen Bewohner des Heims in der Steinmannstraße nicht gerade optimal gepflegt.


Es fehlt auf den Inseln an Fachkräften


 

Dazu kommt der generelle Fachkräftemangel im Pflegebereich: „Wir sind gezwungen, auf Zeitarbeiter oder freiberuflich arbeitende Kräfte zurück zu greifen“, erklärt Johanniter-Geschäftsführer Voedisch, der auch nicht bestreiten möchte, dass die Situation auf Sylt „derzeit nicht dem Johanniter-Standard“ entspricht. Als Sylt-spezifische Gründe für den Fachkräftemangel – derzeit fehlen in den Heimen sechs geschulte Pflegekräfte – nennt er unter anderem, dass weniger AWO-Mitarbeiter als gedacht nach dem Betreiberwechsel in den Heimen geblieben sind. Zudem verweist er auf die abgelegene Lage und die vermeintlich hohen Lebenshaltungskosten auf der Insel. Die Johanniter würden derzeit bundesweit um Fachkräfte für die nordfriesischen Inseln werben – leider bisher noch mit geringem Erfolg. Zudem sei man mit den Pflegekassen im Gespräch, ob für Fachkräfte auf Sylt nicht eine Art Inselzuschlag möglich sei.

Auch, dass das Betriebsklima in den beiden Sylt-Heimen derzeit nicht das beste ist, bestreitet Voedisch nicht: „So eine angespannte Personalsituation spiegelt sich dort natürlich wider.“


Kritik: Nun fehlt es doch an Pflegeplätzen


 

Ein weitere Schwachstelle, die sich derzeit offenbart, ist ein Mangel an stationären Pflegeplätzen: Eigentlich sollen in der Steinmannstraße ja gar keine Senioren mehr wohnen, die vollstationäre Pflege brauchen. Stattdessen sind für das Gebäude eine Tagespflege, ambulante Wohngruppen und weitere Seniorenwohnungen geplant. Doch da die Pflegeplätze im Wenningstedter Weg derzeit belegt sind, können die Pflege-Bewohner der Steinmannstraße nur nach und nach umziehen.

Johanniter und Gemeinde hatten vergangenes Jahr noch betont, es wäre unproblematisch, die Zahl der vollstationären Pflegeplätze im Zuge des Betreiberwechsels von 119 auf 55 zu reduzieren. Nun aber sieht auch Voedisch, dass man zumindest derzeit eine „etwas angespannte Lage“ auf Sylt vorfinde. Bürgermeister Nikolas Häckel wird deutlicher: „Viele Sylter bringen ihre Angehörigen derzeit in Leck und Umgebung unter, weil sie auf der Insel keinen Pflegeplatz bekommen.“ Er sieht es auch als Aufgabe der Politik, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

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erstellt am 17.Feb.2016 | 06:59 Uhr

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