"Mit zwei Kindern? Bloß nicht!"

Doppelter Grund zur Freude: Allerdings brauchen Matthias und Melanie  Windler mit zwei Babys dringend eine größere Wohnung - und einen 'Parkplatz' für den Kinderwagen. Foto: rik
Doppelter Grund zur Freude: Allerdings brauchen Matthias und Melanie Windler mit zwei Babys dringend eine größere Wohnung - und einen "Parkplatz" für den Kinderwagen. Foto: rik

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22. Januar 2011, 10:36 Uhr

Keitum | Mit einem Baby wäre es ja noch gegangen. Das hätte in dem halben Zimmer, dass zur 60-Quadratmeter-Dachgeschosswohnung seiner Eltern gehört, Platz gehabt. Aber zwei Kinder auf fünf verwinkelten Quadratmetern? Nicht mal ihre Bettchen passen da rein.

Matthias und Melanie Windler leben seit 15 beziehungsweise 14 Jahren auf Sylt. Jetzt freuen sie sich auf Zwillinge. Spätestens Anfang Februar sollen sie zur Welt kommen und eigentlich wollten der Grand-Plage-Küchenchef und die Empfangsleiterin des Hotels Sölring Hof den Umzug in ein größeres Zuhause vorher über die Bühne gebracht haben.

"Als wir erfuhren, dass wir zwei Kinder bekommen, haben wir noch intensiver nach einer Haushälfte oder ähnlichem gesucht." Sie schalteten Anzeigen, ließen sich bei KLM auf die Warteliste setzen und bewarben sich bei Gemeinden um Erbpacht-Grundstücke. Melanie Windler: "Das einzige Angebot war eine Wohnung in Kampen, die zehn Quadratmeter kleiner gewesen wäre, als unsere jetzige." Und dort wird der bereits parat stehende Zwillings-Kinderwagen schon im Auto aufbewahrt, weil der Hausflur zu eng wäre.

Eine Haushälfte, die sie besichtigten, wurde ihnen vor der Nase weggeschnappt. Er erzählt: "Während wir noch mit dem Besitzer über die Miete verhandeln wollten, haben Gäste vom Festland angerufen und das Haus ungesehen gemietet." Seine Frau streicht sich über den Bauch und ergänzt: "Ohne Besichtigungstermin und zu genau den Konditionen, die der Vermieter sich vorgestellt hat."

An anderer Stelle habe man wegen des Nachwuchses abgewunken ("Bloß nicht mit zwei Kindern! Das wird ja viel zu laut!") oder Mieten jenseits jeder Realität verlangt: "Es ist uns ein Rätsel, wie man als normal gut verdienendes Paar 2000 Euro und mehr im Monat zahlen soll."

Auf dem Festland könnte man dafür fast einen Palast mieten: "Aber das kommt für uns nicht in Frage. Wenn wir nicht auf Sylt bleiben können, dann orientieren wir uns richtig neu, dann ziehen wir ganz woanders hin." Er runzelt die Stirn: "Ich kann als Küchenchef doch nicht sagen, mein Zug fährt, ich muss jetzt los. Das geht nicht und das möchte ich auch nicht." Für seine Frau, die nach der Babypause in ihren Job zurückkehren will, gilt das Gleiche.

Aber noch haben sie die Hoffnung auch nicht aufgegeben: "Wir suchen auf jeden Fall weiter!" Schließlich könne es doch nicht sein, dass auf Sylt irgendwann alle Betriebe um 22 Uhr schlössen, weil das Personal den Zug aufs Festland bekommen müsste. Matthias Windler lächelt etwas schief: "Und dass die Feuerwehr bei jedem Notruf aus Niebüll anrückt, das kann doch auch keiner wollen."

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