Regenerative Energie : Mit Wasserstoff zum Surfcup

Organisiert das Zusammentreffen der modernen Elektroantriebe: Dirk Hanheide, Geschäftsführer von Clean Energy International aus Hannover, im BMW i8.
1 von 2
Organisiert das Zusammentreffen der modernen Elektroantriebe: Dirk Hanheide, Geschäftsführer von Clean Energy International aus Hannover, im BMW i8.

Bei den Sylter Klimaschutztagen 2018 können die Besucher Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb kennenlernen

von
08. März 2018, 04:23 Uhr

Sylt entwickelt sich zum Vorreiter in Sachen Elektromobilität: Im Spätsommer kommt ein autonom fahrender Elektrobus auf die Insel (wir berichteten). Gestern wurde bekannt, dass nun auch ein Test für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge geplant ist. Bei den Klimaschutztagen, die zeitgleich mit dem Surf-Worldcup (28. September bis 7. Oktober) stattfinden, werden Sylter und Gäste die umweltfreundliche Fortbewegung kennenlernen können.

Wie die nächste Generation der Elektromobilität aussieht, sollen ein Zug, ein Bus und ein Boot zeigen. Statt mit Strom aus der Batterie werden die Elektroantriebe mit Strom aus der Brennstoffzelle versorgt, aus dem Auspuff tröpfelt höchstens ein bisschen Wasser. In den Tank kommt Wasserstoff (H²), ein farb- und geruchloses Gas. Produziert wird H² durch Elektrolyse: Wasser wird mit Hilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Damit der Brennstoffzellenantrieb zur sauberen Alternative wird, ist natürlich Strom aus regenerativen Quellen nötig – und da kommt der an der Küste produzierte Windstrom ins Spiel. Die erste Wasserstoff-Tankstelle im Norden soll im Herbst im Windpark Ellhöft bei Süderlügum errichtet werden, weitere Tankstellen in Niebüll und Husum sind in der Planung. Die Technologie liefert die Firma GP Joule aus den Reußenkögen bei Bredstedt.

Technologiepartner für den Wasserstoff-Zug ist die Firma Alstom Transport aus Salzgitter. Der Typ Coradia iLint ist ein Dieseltriebwagen, der für den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet wurde. „Das ist die wirtschaftlich günstigste Alternative, damit die Dieselzüge ohne große Investitionen ins Schienennetz ersetzt werden können“, erläutert iLint-Projektleiter Stefan Schrank – für ihn „der Zug der Zukunft“. Der Triebwagen verfügt über 150 Sitzplätze und 150 Stehplätze. Allerdings fehlt noch die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt, doch die wird rechtzeitig zu den Klimaschutztagen erwartet.

Auch die Sylter Verkehrsgesellschaft ist an dem Projekt „Green Island Sylt“ beteiligt: SVG-Chef Sven Paulsen plant den Einsatz von ein oder sogar zwei Brennstoffzellenbussen von Mercedes. Damit können die Gäste zwischen Westerland und dem Erlebniszentrum Naturgewalten in List pendeln. Im Inselnorden werden interessierte Besucher eine Flotte aktueller Automodelle mit Elektroantrieb kennenlernen und ausprobieren können – allerdings vermutlich nur Typen mit Batteriebetrieb. Toyota, Honda und Mercedes bauen zwar Autos mit Wasserstoffantrieb, aber noch nicht in Großserien.

Stattdessen werden die Besucher der Klimaschutztage den Antrieb in List voraussichtlich auf dem Wasser testen können: Walter Pelka, Präsident der Hafencity-Universität Hamburg und Geschäftsführer von H2-Yacht, plant den Einsatz eines Bootes mit Brennstoffzelle. Wenn alles klappt, werden interessierte Besucher die Seehundsbänke auf ganz neue Weise ansteuern können – lautlos und ohne Abgas.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen