Leinenpflicht auf Sylt : Mit Rücksicht durchs Hundeparadies

Mit Rücksicht auf die Badegäste dürfen sich Vierbeiner während der Saison zwischen dem 15. März und dem 31. Oktober nur an den Hundestränden aufhalten. Angeleint darf’s auch mal ein Spaziergang am Flutsaum sein.
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Mit Rücksicht auf die Badegäste dürfen sich Vierbeiner während der Saison zwischen dem 15. März und dem 31. Oktober nur an den Hundestränden aufhalten. Angeleint darf’s auch mal ein Spaziergang am Flutsaum sein.

Die Brut- und Setzzeit der Vögel beginnt, die ersten Lämmer werden geboren – freilaufende Hunde sind da ein Problem. Deswegen gilt auf Sylt wieder eine Leinenpflicht.

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11. März 2014, 06:00 Uhr

Sylt | „Ein Dalmatiner ist über den Zaun gesprungen und hat mein Lämmchen gerissen.“ Der Vorfall von vor einem Jahr sitzt Anke Kießling noch immer in den Knochen. Die Tinnumerin hält auf einer Wiese am Ringweg einige Schafe und betrachtet freilaufende Hunde, die an ihrem Grundstück vorbeilaufen, mittlerweile sehr misstrauisch. Ohne Leine sollten Hundebesitzer ohnehin nicht unterwegs sein, aber besonders in dieser Jahreszeit gilt eine Anleinpflicht. Denn: Die ersten Lämmer werden geboren und die Brut- und Setzzeit der Vögel beginnt und diese sollen durch die Vierbeiner nicht aufgescheucht werden.

Für Corina Orth-Cornilsen, Leiterin der Sylter Hundeschule eine absolute Selbstverständlichkeit. „Natürlich lasse ich meine Hunde nicht quer über Wiesen und Felder rennen. Und trotzdem sind sie glücklich.“ Worauf sie anspielt, sind jährlich wiederkehrende Diskussionen um das Anleingebot in den Naturschutzgebieten und an den Stränden der Insel. In einem Flyer der Sylt Marketing Gesellschaft gibt es Tipps, wo Hundehalter ausgiebige Spaziergänge machen können, Adressen von Vereinen, Hundeschule, Ärzten sowie eine Übersichtskarte auf denen die 17 Hundestrände verzeichnet sind. Erhältlich sind die Flyer in allen Tourismus-Services. Auch die Gemeinden Wenningstedt-Braderup und Kampen haben einen Flyer erstellt, in dem auf das richtige Verhalten im Naturschutzgebiet hingewiesen wird.

Umweltbeauftragter Norbert Grimm hält Aufklärungsarbeit für sehr wichtig: „Freilaufende, unbeaufsichtigte Hunde sind immer wieder ein Problem. Gerade zu Beginn der Brutzeit müssen die Mitarbeiter im Naturschutzdienst vermehrt Hundebesitzer auf die Anleinpflicht hinweisen.“ Mit Blick auf die Touristen führt Norbert Grimm das Beispiel eines Stadthundes an: „Wenn ein Hund, der sonst viel zwischen Häusern läuft, plötzlich bei uns in der Natur ist und dann was erschnüffelt, dann ist der weg ohne Leine.“ Das Argument, sie sehen gar keine Vögel, das Hundebesitzer oft anbringen, wischt der Umweltbeauftragte vom Tisch. „Vögel haben gute Augen. Die sehen den Hund lange vorher und sind deshalb dann schon weg.“

Eingeschränkt durch das Anleingebot, fühlt sich Corina Orth-Cornilsen überhaupt nicht. Mit ein bisschen Rücksichtnahme sei ein Miteinander auf Sylt ohne Probleme möglich. An einer roten Ampel müsse sie ja nun mal auch halten, ob es ihr gerade passe oder nicht. So sei das auch mit der Hundeleine. Ihrer Meinung nach werde viel zu viel Theater veranstaltet um das Thema Leinenpflicht. „Sylt ist ein Hundeparadies“, betont sie. „Die Mehrzahl der Hundebesitzer benimmt sich vorbildlich, nur bleiben leider vor allem die im Gedächtnis, die sich daneben benehmen.“

Bei der Anleinpflicht geht es nicht nur um den Schutz der Vögel, auch die Schafe sollen ungestört bleiben. Schäfer Christian Ludolf Nissen wird Anfang April zirka 290 Schafe auf den Nössedeich und Rantum Damm bringen – Jährlinge, keine Lämmer. Vor zwei Jahren hatte der Festländer erstmals seine Schafe rübergebracht (wir berichteten) – und sein Engagement nicht bereut. Die Verluste, die er durch Hunde zu verzeichnen habe, halten sich im Rahmen. Den Hunden selber könne kein Vorwurf gemacht werden, so Anke Kießling. Das Problem liege am anderen Ende der Leine. Montagmorgen wurde ein neues Lamm in ihrem Stall geboren – das hoffentlich sicher aufwachsen wird.

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