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Distanzreiten auf Sylt : Mit Munja jede Distanz überwinden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Hörnumerin Nadine Enkelmann und ihre Araber-Stute Munja treten in Nord- und Ostdeutschland bei Distanzritten an – und haben nicht nur Erfolg, sondern auch viel Spaß dabei.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 10:16 Uhr

Für ein Foto stehen zu bleiben, ist so gar nicht nach Munjas Geschmack. Die 15-jährige Araber-Stute trippelt auf der Stelle, spitzt die kleinen Ohren in Richtung eines vorbei laufenden Hundes und konzentriert sich dann wieder auf den Reitweg, der quer durch die Tinnumer Wiesen verläuft. „Munja hat eine unglaubliche Freude am Laufen“, erzählt Besitzerin Nadine Enkelmann. Für diese Neigung ihrer Stute hat die 34-jährige Hörnumerin genau die richtige Sportart gefunden: Nadine Enkelmann und Munja starten bei Distanzritten, den Marathonläufen unter den Pferdesportarten – und sind dabei überaus erfolgreich. Von acht Ritten haben sie bei vieren den ersten Platz belegt. Für ihren Sport fahren sie nicht nur aufs schleswig-holsteinische Festland, sondern auch nach Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

In der Saison zwischen März und Oktober nehmen Nadine Enkelmann und Munja jeden Monat an einem solchen Ritt teil. „Am Anfang der Saison fangen wir klein an – so mit 40 Kilometern – und steigern uns dann bis Juli. In diesem Jahr will ich zum ersten Mal 100 Kilometer schaffen“, erzählt Enkelmann. Solche Ritte, die das Sylter Reiter-Pferd-Gespann mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 16 Stundenkilometern absolviert, erfordern natürlich eine gute Kondition von Pferd und Reiterin.

Die Distanzen, die sie bei Wettbewerben zurücklegen, trainieren Nadine Enkelmann und Munja allerdings nie auf der Insel. „Das ist wie bei den Marathon-Läufern“, erklärt Enkelmann. Ihre längste Strecke geht von dem Pferdehof in Tinnum über das Watt und die Braderuper Heide bis zur Kampener Sturmhaube. „Das sind 30 Kilometer. Oft reiten wir aber auch nur die Hausrunde bis nach Rantum – das sind dann nur 12 Kilometer.“ Unterwegs ist Nadine Enkelmann bei diesem Ausdauertraining, das Munja und sie ein- bis zweimal in der Woche absolvieren, immer alleine. „Am Stall kann unser Tempo sonst keiner halten. Wenn Munja ihr Distanztempo erreicht hat, trabt sie mit über 23 Stundenkilometern.“

Wie jeder gute Sportler wird Munja nicht nur in der Ausdauer trainiert. „Wir machen auch ganz viele gymnastische und zirzensische Übungen“, erzählt Enkelmann. Das kann mitunter richtig spektakulär aussehen – auf Kommando steigt die weiße Stute mit den schwarzen Punkten auf die Hinterbeine oder versinkt vor ihrer Besitzerin in einem tiefen Pferde-Knicks, dem sogenannten Kompliment.

Munja ist bereits seit zwölf Jahren in Nadine Enkelmanns Besitz. „Ich kenne sie schon, seit ihrer Geburt – ihre Mutter gehört meiner ältesten Freundin.“ Als die zierliche Frau 2009 mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn von Hamburg auf die Insel zog, war es selbstverständlich, dass Munja mitkommen würde. Seitdem lebt die Stute auf dem Pferdehof der Familie Wogensen, mitten in den Tinnumer Wiesen. Nadine Enkelmann besucht sie fast jeden Tag nach der Arbeit. Sie ist Buchhalterin im Hörnumer Hotel Budersand und lebt mit ihrer Familie im Inselsüden.

Auf die Distanzritte, die sich mit Fahrt, Wettbewerb und Siegerehrung oft über drei Tage hinziehen, nimmt die junge Frau häufig auch ihren Sohn und ihren Mann mit. Immer dabei ist allerdings ihre Mutter, denn auf jedem Distanzritt gibt es in regelmäßigen Abständen Stopps, wo Reiter und Pferd mit Wasser versorgt werden. „Meine Mutter fährt dann immer mit dem Auto zu diesen Haltepunkten und kümmert sich um uns“, erzählt Enkelmann.

Alle 20 Kilometer kontrollieren Tierärzte auch den Zustand des Pferdes. „Es gibt keine Reitdisziplin, in der so sehr auf die Gesundheit des Pferdes geachtet wird.“ Überhaupt gefällt ihr die Atmosphäre beim Distanzreiten sehr gut: „Ich schlafe dann in meinem Auto, das Pferd steht nebenan im Padock und abends grillen wir Reiter alle zusammen. Jeder hilft sich gegenseitig und es gibt nicht dieses extreme Konkurrenzdenken wie man es bei anderen Reitturnieren öfter sieht. Man kann am Ende sogar Hand in Hand ins Ziel reiten und wird dann gemeinsam gewertet.“

Die längste Strecke, die Nadine Enkelmann und Munja bislang auf einem Distanzritt zurückgelegt haben, waren 70 Kilometer. „Das war letztes Jahr in Berlin, wir haben die Strecke in vier Stunden geschafft und gleich den ersten Platz gemacht. “, erzählt Enkelmann. Distanzreiten bedeutet übrigens nicht nur für das Pferd Hochleistungssport: Der Reiter steht die ganze Strecke über in den Steigbügeln und federt mit den Knien und Unterschenkeln die Bewegungen des Pferdes ab. „Nach meinem ersten Distanzritt konnte ich eine Woche lang keine Stufen mehr gehen, weil meine Oberschenkel und Waden so geschmerzt haben“, erzählt die junge Frau. Mittlerweile ist sie aber ebenso gut im Training wie ihr Pferd und kommt mit der Belastung gut zurecht.

So schnell wollen Nadine Enkelmann und Munja auch nicht aufhören – „das Pferd meiner Distanzlehrerin läuft noch mit 20 Jahren die 100 Meilen. Wenn Munja auch so lange fit bleibt, wäre das schon super.“

 

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