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Neuer Spirituosen-Trend : Mit Meerwasser-Aroma: Wie auf Sylt der Whisky reift

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Mal schaukeln Whisky-Fässer sanft in der Dünung, mal werden sie sogar in der Nordsee versenkt. Die Kritiken sind spitze.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2015 | 05:45 Uhr

Mit dem Pioniergeist ist das manchmal ja so eine Sache – beispielsweise, wenn zur selben Zeit auch andere dieselbe geniale Idee haben. So geschehen zuletzt auf Sylt: Während die einen allerdings schon erste Kostproben eines ganz besonderen Hochprozentigen anbieten, müssen sich die anderen noch in Geduld üben, bis der ungewöhnliche Tropfen verzehrbereit ist. Die Rede ist von Sylter Whisky, dessen Geheimzutat die original Sylter Seeluft ist, die der Spirituose so einen unvergleichlichen Geschmack ermöglicht. Die Verfahren, wie dem Whisky dieses besondere Aroma hinzugefügt wird, unterscheiden sich dabei jedoch grundlegend.

Schwimmende Whiskyfässer im Lister Hafen

Der Wein- und Spirituosenhändler Alexander Sievers hat bereits im Jahr 2013 begonnen, einen Sylter Whisky zu produzieren: Den „Crannog“, aus Sylter Gerste und Sylter Wasser. In Kooperation mit der Firma „Slyrs“, einer bayerischen Brennerei vom Schliersee, hat der Geschäftsführer von „Wein-Heiliger“ nun ein außergewöhnliches Reife-Projekt für seinen Whisky ins Leben gerufen. Zusammen mit dem „Slyrs“-Brennmeister Hans Kemenater lässt er auf einem schwimmendem Schiff im Lister Hafenbecken das edle Destillat in Holzfässern reifen.

In Büsum haben die beiden Initiatoren auf einer Werft einen alten Fischkutter so umbauen lassen, das man im Frachtraum möglichst viele Fässer einlagern kann. „Näher am Meer kann man nicht sein, durch das Schaukeln und die salzhaltige Luft versprechen wir uns ein besonderes Aroma“ sagt Master Destiller Kemenater. „Wer hat schon einen Whisky auf einem Kutter gelagert“ ergänzt Sievers begeistert.

Am Dienstagmorgen sind die beiden zusammen mit einem Kapitän und dem Geschäftsführer der „Slyrs“-Brennerei von Büsum aufgebrochen. Da der Kahn nur sechs Knoten macht, musste die Truppe auf Amrum einen Zwischenstopp einlegen. „Und das ohne eine Tropfen Whisky zur Nacht“, wie der Kapitän des Schiffs mit einem Augenzwinkern bedauerte. Am Mittwochnachmittag legte das zwölf Meter lange Boot mit dem Namen „The Angels Share“ im Hafen von List an, wo es ab sofort Sommer wie Winter direkt neben der Hafeneinfahrt seinen festen Liegeplatz hat.

Hans Kemenater befüllt die ersten Eichenholz-Fässer an Bord mit dem Whisky.
Hans Kemenater befüllt die ersten Eichenholz-Fässer an Bord mit dem Whisky. Foto: Pischel

Aus Kunststofftanks, die an Land in einem Transporter von „Wein Heiliger“ standen, wurden kurz nach der Ankunft feierlich per Tankschlauch die ersten drei Fässer mit jungem Whisky gefüllt; weiße Eichenholzfässer mit einem Volumen von je 110 Litern Fassungsvermögen. Mindestens drei Jahre lang werden insgesamt 25 Fässer mit Whisky an Bord liegen, „vielleicht gibt es auch Varianten von sechs, acht, zehn oder mehr Jahren Reifezeit“ fügt Destillateur-Meister Kemenater hinzu. Einen Namen gibt es für den Whisky, den es frühestens im Jahr 2018 zum Probieren gibt, noch nicht. „Da arbeiten wir noch dran“ sagt Alexander Sievers. Dafür haben er und seine Partner jetzt noch ein paar Hundert Tidenhube Zeit.

Schnapsidee – ein Whisky aus dem Watt

Was passiert eigentlich, wenn man ein Fässchen besten deutschen Whiskys für einige Monate dem Meer übergibt? Genau diese Frage stellten sich vier Whisky-Liebhaber und setzten ihre gewagte Idee einfach in die Tat um. Glücklicherweise handelte es sich bei den Herren um Könner ihres Fachs, denn mit Robert und Thomas Fleischmann aus Deutschlands ältester Whisky-Destillerie „Blaue Maus“ im fränkischen Eggolsheim, Christoffer Bohlig von der Sylter Royal Austern Company und René Bobrink vom  Kräuterlikör „Sylter Watt Original“ haben sich vier Experten für Whisky, Watt und Werbung gefunden.

Thomas Fleischmann (Mitte) freut sich über seinen veredelten Whisky, der mit Hilfe von Christoffer Bohlig (re.) und René Bobrink entstanden ist.
Thomas Fleischmann (Mitte) freut sich über seinen veredelten Whisky, der mit Hilfe von Christoffer Bohlig (re.) und René Bobrink entstanden ist. Foto: Fleischmann

Und so kam es, dass im Frühling diesen Jahres mehrere Eichenfässer mit vier Jahre altem Single Malt Whisky aus dem Hause Fleischmann im Sylter Watt versenkt wurden. An einem geheimen Platz gut verankert, schaukelten die Fässer in ihrem Spezialkäfig über sechs Monate lang zwischen Ebbe und Flut hin und her und waren den Kräften der Natur erbarmungslos ausgesetzt. „Eines der Fässer hat dem Sturm leider nicht Stand gehalten und ist ausgelaufen“, berichtete René Bobrink, doch der Tribut an Ekke Nekkepenn hat sich gelohnt, denn die restlichen Eichenfässer, die Ende August aus dem Watt geborgen wurden, enthalten einen ganz besonderen „Stoff“: den Sylter Tide Whisky, der mit seinen 40% Vol. apart in dunklem Kupfer im Glas schimmert und geschmacklich eine erstaunliche Vielfalt präsentiert.

Whisky-Expertin Julia Nourney urteilte in ihrem Tasting: In der Nase sind zunächst „die süßlichen Aromen von Trockenfrüchten wie Pfirsich und Mango gepaart mit deutlichen Würzaromen wie von Kardamom, etwas Kreuzkümmel, Vanille und Lorbeer erkennbar. (…) Am Gaumen sind die erwarteten Salznoten endlich da und lassen ohne Umschweife das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die maritimen Eindrücke zeigen sich wieder mit Lakritznoten und einem typischen Hafenaroma. (...) Im Gegensatz zu den Naseneindrücken halten sich nun die Würznoten im Hintergrund, bilden aber gemeinsam mit süßlichen Trockenfruchtaromen und der wieder vorhandenen Ledernote einen stabilen, geschmacklichen Unterbau.“ Einfacher ausgedrückt, lautet das Resümee der Expertin: „Dieser Whisky macht seinem Namen alle Ehre, denn es paaren sich sonnige, weiche Noten mit salzigen Meerwasser-Aromen. Die Beeinflussung durch das Finish auf dem Meeresgrund ist eher subtil und integriert sich hervorragend ins Gesamtbild.“

Diese Begeisterung teilten auch die geladenen Gäste der Whisky-Präsentation, unter denen auch der Rendsburger Whisky-Auktionator Thomas Krüger war. Sein Urteil nach dem Tasting lautete: „Meine Erwartungen wurden weit übertroffen“, sprachs und sicherte sich gleich eines der kostbaren vom Meer veredelten Fässer.

Um den edlen Tide Whisky auch stilecht abfüllen zu können, hat sich das Team Bohlig, Bobrink und Fleischmann wieder etwas besonderes einfallen lassen und die Halbliter-Flaschen aus satiniertem Glas direkt neben den Whiskyfässern im Watt eingelagert. Herausgekommen sind eindrucksvolle Unikate, wie sie nur die Natur erschaffen kann – mit Seepocken bewachsen und einem ganz eigenen Sylter Charme.

Wer nun neugierig auf den ersten Sylter Tide Whisky geworden ist, kann sich seine Ration ab dem 21. September über das Internet sichern (unter www.sylter-watt.de). Wer nicht so lange warten möchte, schickt eine eMail an service@sylter-tide-whisky.de. Der Preis für den 1/2 Liter inkl. Holzkiste liegt bei  149 Euro (zzgl. Versandkosten). Das 12-Liter Fass ist für 2199 Euro zu bekommen.

Nachschub ist auch schon im Werden, denn die nächsten Whiskyfässer sind bereits dem Watt übergeben worden und reifen bis zum Frühling ihrem Finish entgegen.  Und noch ein weiterer Schatz ruht zwischen Austern, Muscheln und Krebsen: der „Sylter Watt Whisky“, der nach seiner Lagerzeit sieben Jahre alt sein wird und drei Jahre davon im Sylter Salzwasser verbracht hat. Das wird wieder ein spannendes Tasting…

 

 

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