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Sylter Abwehrmaßnahmen : Mit High-Tech gegen die Möwenplage

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der ISTS geht gegen die aufdringlichen Vögel mit Schalldruck, Adler-Schreien und stinkenden Gel-Töpfchen auf dem Dach vor.

Sie sind, zumal im Sommer, wahre Plagegeister: Zu Hunderten kreisen Möwen dann über Westerland, verschmutzen mit ihren Ausscheidungen Fenster und Dächer, lärmen durch ihre kehligen Schreie und machen allerorten Jagd auf Fressbares – durchaus auch gerne mal auf eine Eiswaffel in der Hand eines ahnungslosen Passanten.

Besonders wohl fühlten sich die aufdringlichen Vögel bislang auf dem etwa 1 400 Quadratmeter großen Flachdach des Verwaltungsgebäudes des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS). Doch die seligen Zeiten sind vorbei – mit modernster Technik hat der Hausherr aufgerüstet und der Erfolg blieb nicht aus: „Kaum eine Möwe fliegt das Dach jetzt noch an“, bilanziert Sven Edling, Technischer Leiter des ISTS, nach zwei Wochen Erprobungsphase.

Jahrelang war das weitläufige Flachdach ein wahres Biotop für Möwen. Hier rasteten, brüteten, fraßen sie. „Oft saßen da mehrere hundert Vögel beisammen“, berichtet Edling. Nicht nur deren eindringliches Geschrei nervte ISTS-Mitarbeiter und Passanten gleichermaßen. Die Außenmauern und Fenster waren ständig verkotet, hinzu kam während der warmen Jahreszeit ein unerträglicher Gestank.

Dass dieser nicht nur von den Ausscheidungen der Tiere her rührte, haben Edling und seine Mitarbeiter oft genug fest stellen müssen: „Immer wieder waren die Dachrinnen verstopft von Krebsen und Seesternen – Reste der Möwen-Mahlzeiten.“
Schon vor über zehn Jahren startete man einen Versuch, die lästigen Gäste los zu werden, indem ein großes Netz über das Dach gespannt wurde. Das störte die Möwen einige Tage – „doch dann hatten sie den Bogen raus, wie man auf dem Netz mit einige Verrenkungen trotzdem landen kann“.

Nun wurde ein neuerlicher Anlauf mit modernster Technik unternommen, nachdem Edling von einem Vogelverbrämungs-Konzept erfuhr, das Ornithologen auf Helgoland entwickelt und dort erfolgreich eingesetzt haben. „Wichtig war uns dabei der Aspekt, dass den Möwen kein körperlicher Schaden zugefügt wird.“

Die auf dem Dach des ISTS-Verwaltungsgebäudes installierten Abwehrmaßnahmen beruhen dabei auf drei Komponenten: Schalldruck, Töne und biologische Paste. Zum einen sorgen vier Schalldruckgeräte durch – nicht hörbare – Druckwellen bei Vögeln für unangenehme Empfindungen auf dem Gefieder.

Zum zweiten sendet tagsüber ein Tongerät Warnrufe und Schreie von Greifvögeln aus. Drittens schließlich wurden entlang der Dachkanten kleine Töpfchen mit einem speziellen Gel platziert, dessen Geruch Vögel abschreckt. Insgesamt 22 000 Euro investierte der ISTS in diese drei großflächigen, rechtzeitig vor der Brutzeit vorgenommenen Maßnahmen.
„Wir sind mit dem Erfolg sehr zufrieden. Nach der Saison werden wir dann eine endgültige Bilanz ziehen und prüfen, ob wir künftig auch die von Möwen ebenso stark frequentierte Promenade und das verwinkelte Dach des „Syltness-Centers“ besser schützen können. An diesen beiden Orten müsste man dann wahrscheinlich aber mit anderen Systemen arbeiten – doch die Technik entwickelt sich ja ständig weiter“, hofft Edling.




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