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Sylter Rundschau

19. Oktober 2017 | 17:13 Uhr

Mit getrocknetem Rochen fing es an

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heimische Produkte liegen in der Sylter Gastronomie voll im Trend / Dabei aßen die Sylter über Jahrhunderte, was ihnen die Insel und das Meer zu bieten hatten

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Delikate Austern aus dem Lister Wattenmeer und Miesmuscheln, die vor Hörnums Küste gedeihen. Fangfrische Makrelen und Meeräschen. Das zarte Fleisch von Deichlämmern und Galloway-Rindern, schmackhafte Kartoffeln und würziger Ziegenkäse. Dazu Milch von Morsumer Kühen und das Wasser der Sylt-Quelle. Keine Frage: Sylt hat viel Appetitliches zu bieten und regionale Produkte sind in der Inselgastronomie voll im Trend. Eben dies will der Genusspfad „Natürlich Sylt“, dessen Akteure wir in den nächsten Tagen in einer Serie präsentieren, unter Beweis stellen, der am 14. Februar im Rahmen der Sylt Gastro-Messe Premiere feiert.

Produkte von der Insel und aus der Nordsee – was heute deutlich an Stellenwert gewinnt, war für die alten Sylter Usus. Indes: Was in früheren Zeiten verzehrt wurde, wäre für uns heutzutage äußerst gewöhnungsbedürftig. Im 14. und 15. Jahrhundert waren getrocknete Rochen – diese einst verbreitete Fischart wurde vor der Sylter Küste mit Netzen gefangen – neben Grütze das übliche Mittagsmahl. Zum Frühstück gab es Grütze mit Eiern, abends Fisch und Rübenmus. Aus den Pflanzen des Meerstrand-Wegerichs bereitete man Kohl zu. Ein Fremder monierte bei seiner Rückkehr von Sylt: „Da war ich auf einem wunderlichen Lande, woselbst ich Gras fressen musste, und wäre ich zum Winter geblieben, so hätte man mir wohl Heu gegeben.“

In den Dünen gesammelte Möweneier bereicherten den Speisezettel ebenso wie Wildenten, die in den drei Sylter Vogelkojen gefangen wurden. Und natürlich wurde regelmäßig Fisch aufgetischt. Der wurde nicht nur vom Schiff aus mit Netzen gefangen: Beim „Buttpetten“ setzte man bei Ebbe im Watt behutsam einen Fuß vor den anderen, bis es plötzlich unter der Fußsohle zappelte und man mit geschicktem Griff eine Scholle aus dem Wasser beförderte.

Dem „Buttpetten“ verwandt war das „Buttstechen“ mit einer langen Stange, an deren Ende ein Spieß mit mehreren Zinken befestigt war.

Kartoffeln wurden auf der Insel erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts angepflanzt. Frisches Fleisch war noch um 1800 die absolute Ausnahme und kam nur sehr gelegentlich nach einer Schlachtung auf den Tisch. Allein beim Bier herrschte kein Notstand: Der Sylter Chronist Henning Rinken berichtete, dass „ein jeder immer sein selbst gebrautes Bier vorrätig hatte. Niemand kannte zum Frühstück andere Genüsse als Grütze mit Bier.“

Tickets für den Genusspfad (85 Euro) gibt es in den teilnehmenden Betrieben sowie im Kundencenter der Sylter Rundschau; die Gastro-Messe öffnet am 16./17. Februar für das Fachpublikum ihre Tore im CCS, www.sylt-gastro-messe.de.

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