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Sylter Rundschau

23. August 2017 | 02:57 Uhr

Ehrenamt auf Sylt : Mit dem Herzen dabei

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ingrid Kranz-Kahle leitet die Herzsportgruppe des TSV, der am Freitag die Sylter Auszeichnung Sterne des Sports gewonnen hat

Kaum berühren die Füße von Ingrid Kranz-Kahle den Sand vor der Westerländer Promenade, zieht sie schon ihre Schuhe aus. „Was dagegen, wenn ich mal kurz zum Wasser laufe?“, ruft sie lächelnd über die Schulter, ohne tatsächlich eine Antwort abzuwarten. Zwei, drei Schritte im flachen, spiegelglatten küstennahen Wasser, ein tiefer Atemzug, schon dreht sich die 54-Jährige wieder um und setzt sich in den Sand.

Ingrid Kranz-Kahle leitet die Herzsportgruppe des TSV Westerland von Beginn an – sprich seit 25 Jahren. „Mit zwei war ich schon beim Mutter-Kind-Turnen, ich hab also früh angefangen mit dem Sport“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Ihre Herzsportgruppe sei ihr im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen, sei eine zweite Familie für sie geworden. „Ich habe mit zehn Teilnehmern angefangen, jetzt haben wir 45.“ Eine zweijährige Ausbildung sei nötig gewesen, damit sie diese besondere Gruppe habe leiten dürfen. Auch jetzt noch stehen regelmäßig Fortbildungen an. „Ohne die Unterstützung meines Mannes, wäre mein Engagement für den Sport gar nicht möglich.“ Schließlich wollten die vier Kinder damals noch versorgt werden, auch wenn ihre Mutter wochenweise in Kiel oder Malente zur Trainer-Ausbildung weilte.

Die Insulanerin hat Sylt nie für längere Zeit verlassen – und kann es sich auch nicht wirklich vorstellen, wie es wäre, wenn sie, wie ihre (mittlerweile erwachsenen) Kinder, auf dem Festland wohnen würde. Der Strand sei ihr zu Hause. Mit Blick aufs Meer könne sie abschalten, runterkommen. Auch lange Spaziergänge mit ihrer Freundin möchte sie nicht missen. Sie sieht die gesellschaftliche Entwicklung auf der Insel aber durchaus kritisch. „Es gibt weniger Gemeinschaft, weil schlicht die Nachbarn in einigen Orten oder Straßenzügen dafür fehlen.“

Gegen die negativen Gedanken helfen ihr die Zeitreisen, die sie und ihr Mann regelmäßig machen. Zeitreisen ins Mittelalter. „Wir tauchen auf den Mittelaltermärkten richtig ein in die vergangene Zeit, lesen über das Leben der Menschen damals, tauschen uns in der Gemeinschaft darüber aus.“ Die Gemeinschaft, von der Ingrid Kranz-Kahle spricht, sei größer, als man vielleicht als Außenstehender denke. In Hohenweststedt oder Neumünster gebe es viele Gleichgesinnte, die sie dann bei Mittelalter-Spektakeln in ganz Deutschland wieder treffe. Mit dem Tatoo auf ihrem Arm, dem keltischen Rad, zeigt sie ihr Interesse an den früheren Jahrhunderten.

Im Hier und Jetzt freut sich die Leiterin der Herzsportgruppe im TSV Westerland über die Fortschritte der Teilnehmer: sowohl psychisch als auch physisch. „Viele kommen ganz gehemmt und schüchtern zu uns. Sind verunsichert was sie überhaupt noch können oder ganz neu lernen müssen.“ Einige schaffen es beispielsweise nicht, die rechte Hand aufs linke Knie zu legen, erzählt sie. Mit der Zeit klappt es dann irgendwann wieder und die Gesellschaft anderer Gleichgesinnter helfe, nicht zu denken, man sei allein. „Aber nicht dass jetzt ein falsches Bild von unserer Gruppe entsteht. Wir machen auch je nach Fitnesszustand ordentlich Ausdauertraining, natürlich immer innerhalb der persönlichen Grenzen“, ergänzt die gelernte Krankenschwester. Ein Arzt ist immer vor Ort, auch die Notfallausrüstung mit Defibrillator stehe jederzeit bereit.

Sorgen macht sich die Sylterin über den Nachwuchs im ehrenamtlichen Übungsleiterbereich. Es sei schade, dass einige Sparten nicht mehr angeboten werden können. „Ich bin da so reingewachsen und hatte wie gesagt in meinem Mann immer eine tolle Unterstützung. Ich wünsche mir, dass jüngere Leute vielleicht doch auch die Werte zu schätzen wissen, wie Dankbarkeit der Teilnehmer oder der Austausch in der Gemeinschaft. Dann kann so ein Sport wie unserer auch weiter bestehen.“

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erstellt am 09.Sep.2014 | 10:00 Uhr

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