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Von Hörnum nach List : Mit dem Fatbike über die Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf dicken Ballonreifen immer den Strand entlang: Extremsportler Martin Tschepe hat die besonderen Räder in Wasser und Sand getestet.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2015 | 05:29 Uhr

Schnelle Sportwagen und dicke Geländewagen fallen auf Sylt kaum mehr auf – es gibt einfach zu viele. Gefühlt steht an jeder zweiten Straßenkreuzung ein Porsche, ein Maserati oder ein dicker Land Rover. Wer aber mit einem Fatbike unterwegs ist, der zieht die Blicke auf sich und kommt nicht weit, ohne von den Passanten angequatscht zu werden: mitten in Hörnum, am Weststrand, am Watt, auf dem Radweg bei Kampen. Überall. In solchen Situationen gibt es nur zwei Möglichkeiten: geduldig Auskunft geben – über diese neuen Trendbikes aus den USA, über deren dicke Ballonreifen und über die Anschaffungskosten – oder beherzt in die Pedale treten und auf diese Weise den Neugierigen möglichst schnell entkommen.

 


Radeln im Tiefsand ist anders als alles zuvor

Meine Fatbike-Tour beginnt an einem strahlend schönen Vormittag am Hörnumer Hauptstrand. Das Ziel ist List, rund 35 Kilometer auf Sand. Ich bin schon mit zig Rädern gefahren, mit Mountainbikes und Rennrädern, mit schnellen E-Bikes und Transporträdern, in Berlin und in Paris, in der Steinwüste in Israel und mitten durch den Schwarzwald. Aber das hier ist anders als alles zuvor. Das Rad mit den Monsterschlappen lässt sich selbst in den ausgetretenen Strandabschnitten, die nie vom Meer überspült werden, erstaunlich gut lenken – vorausgesetzt, man ist einigermaßen trainiert. Radeln im Tiefsand strengt halt an. Für Radnovizen sind Fatbikes am Strand deshalb eher nicht zu empfehlen.

Man sollte auch nicht unbedingt bei Vollflut starten. Die Ebbe bietet bessere, weil härtere Pisten und hübsche Priele, in denen das Wasser beim flotten Durchqueren nach rechts und nach links in hohen Bögen von den Laufrädern weg spritzt. Der Trip nach Norden wird gleich nach den allerersten Tritten in die Pedale zu einer unvergesslichen Spaßfahrt. Einfach grandios, dieses knall-orangefarbene Fatbike. Selten so viel Freude gehabt auf einen modernen Drahtesel. Schon nach einer halben Stunde ist die Sansibar bei Rantum erreicht. Einkehren oder weiter fahren? Keine Frage: Ich bleibe im Sattel, umkurve wieder ein paar Spaziergänger, gebe weiter ordentlich Gas und ab und zu halt doch ein paar Auskünfte.

Nach etwa eineinhalb Stunden: Ankunft am Westerländer Hauptstrand. Während eines kurzen Stopps fragt eine ältere Dame: „Ach, ein Strandwächter?“ Nein, bin ich nicht – auch wenn das wegen des leuchtend gelben T-Shirts offenbar so aussieht. „Darf man denn mit den Fahrrad überhaupt am Strand fahren?“ will ihr Gatte wissen. Gute Frage. Keine Ahnung. Ich mache es wie Lasse im Astrid-Lindgern-Buch „Wir Kinder aus Büllerbü“. Der Knabe in der Geschichte sagt einmal nach einem Streich sinngemäß, dass es ganz generell besser sei hinterher um Genehmigung zu fragen. Im Falle des Fatbike-Fahrens am Sylter Strand wäre noch zu klären: Wen überhaupt fragen? Auch keine Ahnung. Der freundliche Herr jedenfalls erklärt großzügig: „Mich stört das nicht, wenn Sie hier fahren.“ Vielen Dank.

 


Fatbikes haben breitere Reifen als so manche Harley


Immer wieder rufen Männer, Frauen und Kinder dem Fatbiker Worte wie diese hinterher: „Cooles Bike“, „Hast du das Rad gesehen?“, „Was ist das denn bitte schön?“, „Voll geil“, „So eins will ich auch haben“. Ein Sonnenanbeter sagt, dass seine Harley Davidson daheim keine so breiten Reifen habe wie dieses kuriose Fahrrad. Ein anderer gibt bass erstaunt zu verstehen, er wundere sich doch sehr, dass dieses Rad keinen Motor habe.

Nach knapp zweieinhalb Stunden bin ich ganz im Norden der Insel angekommen, am Ellenbogen bei List. Diese erste Strandtour wird ganz bestimmt nicht die Einzige bleiben während der Woche mit dem Fatbike auf Sylt. Und wer weiß, vielleicht sattele ich ja beruflich doch noch mal um: Fatbike-Verleiher auf Sylt, das wäre womöglich eine zukunftsträchtige Alternative zum Journalistenberuf – und zudem eine Marktlücke, noch jedenfalls ...

Gastautor Martin Tschepe ist in den 1970er-Jahren in Hörnum zur Schule gegangen und arbeitet als Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung. Früher haben er und seine Kumpels vergeblich versucht, am Sylter Strand Rad zu fahren. Aber damals gab es auch noch keine Fatbikes. Die Alternative war schnell gefunden: Ein paar Hörnumer Kinder sind zur Gaudi vieler Touristen mit ihren angeseilten Rädern ins Hafenbecken gefahren.

Info:

Die preiswertesten Fatbikes kosten rund 1000 Euro. Die Preisspanne nach oben ist nahezu grenzenlos, man kann durchaus bis zu 7000 Euro ausgeben. Das von uns gefahrene Fatboy von Specialized kostet rund 3300 Euro. Es gibt eine ganze Reihe von Herstellen, die Fatbikes im Angebot haben, zum Beispiel Maxx, Canyon, Felt, Scott, Nicolai und Stevens. Mittlerweile sind sogar Fatbikes mit Elektromotor auf dem Markt.

Fatbikes sind besonders gut für Fahrten auf Sand, im Schnee, im Schlamm, über Kies und auf Eis geeignet. Doch es gibt auch immer mehr Touren- und Downhill-Fahrer, die diese robusten Räder bevorzugen. Fattys werden mit lediglich rund 0,5 Bar Druck in den Reifen gefahren, was in Kombination mit der großen Reifenbreite das Radfahren auf extrem weichem Untergrund erst ermöglicht. Fatbikes sind auch eine Alternative für Mountainbiker, die auf eine Federung verzichten wollen.     Weitere Infos im Internet www.fat-bike.de



 

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