Alte Schuhe, neues Leben : Mit alten Latschen Herzen retten

In den letzten drei Jahren hat Erika Redlin über 90 Kartons voll Schuhe gesammelt und verschickt und damit rund 7  000 Euro erwirtschaftet, die dem Verein „Kinderherzen“ zu Gute kommen.
In den letzten drei Jahren hat Erika Redlin über 90 Kartons voll Schuhe gesammelt und verschickt und damit rund 7 000 Euro erwirtschaftet, die dem Verein „Kinderherzen“ zu Gute kommen.

Erika Redlin sammelt alte Schuhe und unterstützt damit eine Kinderherzklinik in Bonn.

shz.de von
13. August 2018, 05:00 Uhr

Vor drei Jahren fand die Westerländerin Erika Redlin im verlassenen Zimmer ihres letzten Badegastes eine Zeitung aus Bonn, in der ein Artikel über das Projekt „Alte Schuhe, neues Leben“ stand. In diesem Artikel ging es darum, dass man durch das Sammeln alter Schuhe eine Kinderherzklinik in Bonn unterstützen kann . „Ich war sofort Feuer und Flamme und wollte einfach nur helfen“, erinnert sich Erika Redlin zurück. Gesagt, getan. Sie wählte die angegebene Telefonnummer und ließ sich erklären, wie man olle Latschen zu Spendengeldern für herzkranke Kinder machen kann und das geht so: „Man sammelt einfach alte Schuhe, bindet sie paarweise zusammen und packt sie in große Kartons, die rund 30 Kilo fassen können. Dann bekommt man vorfrankierte Paketaufkleber und schickt die Kartons kostenfrei zum Kolping Recycling Unternehmen nach Bonn. Das Gewicht der Schuhe wird dann in Euro umgerechnet und man kann sich das Geld entweder auszahlen lassen oder es direkt spenden. Mein Schuh-Geld geht direkt an „Kinderherzen“, die „Fördergemeinschaft Deutscher Kinderherzzentren e.V.“, berichtet die Sylterin.

In den letzten drei Jahren hat sie über 90 Kartons voll Schuhe gesammelt und verschickt und damit rund 7 000 Euro erwirtschaftet, die dem Verein „Kinderherzen“ zu Gute kommen. Dieser Verein besteht seit 1989 und wurde von Ärzten und Eltern herzkranker Kinder gegründet. Er unterstützt mit seinen Geldern die Behandlungsmöglichkeiten schwerkranker Kinder auf der ganzen Welt. „Im ersten Jahr habe ich auf Flohmärkten gestanden und alte Schuhe gesammelt“, erzählt Erika Redlin, „doch bald hatte es sich herum gesprochen, dass man mir die Schuhe auch nach Hause bringen kann und seitdem hängt an meinem Tor immer ein Sack für olle Latschen. Und der ist rund um die Uhr geöffnet und meistens gut gefüllt“. Die riesigen Kartons zum Schuhversand stellt ihr die Firma Wellensteyn zur Verfügung und den Transport der leeren Kartons zu ihr nach Hause hat ihr freundlicher Postbote übernommen.
Eigentlich wollte sie nach dem 100 Karton voller alter Treter mit dem Sammeln aufhören, doch dann wurde die Tochter ihres Neffen mit einem Loch im Herzen geboren „und deshalb mache ich weiter und weiter“, erklärt sie. Die Spenden für die Kinderklinik liegen ihr dabei am meisten am Herzen, aber „es gibt ja auch den Umweltaspekt, den man bedenken muss“, meint sie. Jedes Jahr werden in Deutschland 600 Millionen Paar Schuhe aussortiert. Ein riesiger Schuhberg, der Jahr für Jahr um mehrere Hunderttausend Tonnen weiter anwächst und eine immense Belastung für die Umwelt darstellt. „Viele der weggeworfenen Schuhe sind noch sehr gut erhalten und sogar nagelneue Paare mit Preisschild und Kassenbon sind manchmal dabei“, berichtet Erika Redlin. Diese Schuhe könnten weitergetragen werden und sind viel zu schade für die Müllkippe. Verschiedene Recycling Unternehmen haben sich auf die Weitervermarktung alter Schuhe spezialisiert und sorgen dafür, dass alte Latschen in Ländern wie Afrika oder Rumänien nackte Füße bedecken. „Ich möchte nicht nur meine eigene Sammelstelle im Sennwai 13 bewerben, sondern auch andere mit ins Boot holen“, so die Westerländerin, „ich habe dabei an größere Firmen, Kindergärten und Schulen gedacht und bin gerade dabei, erste Gespräche mit der St. Nicolai Schule zu führen“. Und wenn noch mehr Leute mitmachen, werden Sylter Schuhe bald auf der ganzen Welt spazieren gehen…



Infos unter www.kinderherzen.de und www.kolping-textilrecycling.de


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