Streit um G8 und G9 am Gymnasium : Ministerin im Schnelldurchlauf

Auf dem Podium: Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit Frank Zahel (links) und Carsten Kerkamm vom Sylter CDU-Ortsverband.
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Auf dem Podium: Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit Frank Zahel (links) und Carsten Kerkamm vom Sylter CDU-Ortsverband.

Sylter CDU-Ortsverband lud Karin Prien zur Diskussionsveranstaltung ins Westerländer Kongresszentrum ein

shz.de von
12. Januar 2018, 04:31 Uhr

Mehr Klarheit, detaillierte Informationen und Antworten auf Sylt-spezifische Fragen rund um das Thema G8 oder G9, das hatten sich die Mitglieder der Sylter Christdemokraten vom Besuch der Ministerin erhofft. „Die Frage, ob das Abitur in acht oder in neun Jahren besser sei, beschäftigt nicht nur die Eltern seit vielen Monaten“, erklärte Oliver Ewald, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands der Gemeinde Sylt und selbst Vater. „Das Thema beschäftigt die ganze Insel. Daher haben wir im November um einen Besuch der Ministerin Prien gebeten, die sofort bereit war, sich öffentlich unseren Fragen zu stellen.“

Und so reiste die Ministerin Karin Prien am Mittwoch von Kiel nach Sylt. Nach einem spontan anberaumten Termin im Schulzentrum Sylt, bei dem die Ministerin auf die Schulleitung und Bürgermeister Nikolas Häckel traf, eilte sie weiter ins Westerländer Kongresszentrum. Die Informationsveranstaltung, die eigentlich für rund zwei Stunden geplant war, musste aufgrund des straffen Terminkalenders der Ministerin auf eine Stunde verkürzt werden und so musste man schnell zur Sache kommen. „Es war mir wichtig, nach Sylt zu kommen“, betonte die Ministerin in ihrer kurzen Rede, denn sie sei sich der besonderen Situation der Insel bewusst. „Die CDU hat G9 versprochen und dieses Wahlversprechen wird nun eingelöst. Das Gesetz ist auf den Weg gebracht und nur wenige Schulen im Land müssen noch überlegen, ob sie bei G8 bleiben oder zu G9 zurückkehren. Die meisten haben sich bereits für G9 entschieden“, erklärte sie.

Auf Sylt sorgt das Thema allerdings für Diskussion, denn das seit 2014 bestehende System aus einem G8-Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil funktioniert hier sehr gut. Unter der Leitung von Gonde Detlefsen kann das Schulzentrum Sylt mit Zahlen aufwarten, die selbst die Ministerin in Erstaunen versetzen. Von den derzeit 850 Schülern am Schulzentrum Sylt gehen 500 auf das Gymnasium und 350 auf den Gemeinschaftsschulteil. Über 40 Prozent der Gemeinschaftsschüler können aufgrund der guten Durchlässigkeit und Zusammenarbeit der beiden Schularten auf das Gymnasium wechseln. „Das ist ein überraschend hoher Anteil, der auf eine gute Schulentwicklungsarbeit zurückzuführen ist“, lobt die Ministerin. „Trotzdem glauben wir an eine längere Schulzeit und daran, dass G9 der richtige Weg ist.“

Doch niemand solle nun glauben, dass G9 ein „Gymnasium light“ sei, im Gegenteil. „Das hohe Niveau der Gymnasien wird gehalten, wenn nicht sogar gesteigert, denn im internationalen Vergleich dürfen unsere Gymnasien nicht den Anschluss verlieren“, betonte Prien.

Auf die besorgte Frage aus dem Publikum, ob diese Durchlässigkeit denn mit G9 erhalten bleiben würde, antwortete die Ministerin: „Der Weg, auch über die Gemeinschaftsschule zum Abitur zu kommen, ist für Sylt der beste und den sollte man weiter gehen. Beide Schularten müssen hier erhalten werden. Auch die Durchlässigkeit wird bleiben und für die Gemeinschaftsschule sind keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten, wenn sie gut beworben wird. Es ändert sich nur etwas für die Gymnasiasten und zwar zum Besten, denn sie bekommen ein Jahr mehr Zeit.“

Wichtig sei in Zukunft, dass die Grundschulen eine stärkere Beraterrolle einnehmen und mit ihrer schriftlichen Schulartempfehlung den Eltern den richtigen Weg für ihr Kind aufzeigen. „Diese Empfehlung ist zwar nicht verbindlich, doch bereits die Grundschulen können genau einschätzen, ob ein Kind auf dem Gymnasium gut aufgehoben sein wird oder eher nicht. Und eine Zurückstufung des Kindes auf die Gemeinschaftsschule sollte unbedingt vermieden werden, um Frustration vorzubeugen.“

Obwohl den Grundschulen eine wichtige Rolle zukommt, haben sie keinerlei Mitspracherecht bei der Entscheidung für oder gegen G9, denn diese Entscheidung trifft allein die Schulkonferenz des Schulzentrums Sylt, sprich die gewählten Vertreter aus Lehrern, Schülern und Eltern der Klassen 5 bis 12. Als Mitglied des Schulverbands Sylt machte Katrin Fifeik deutlich, dass die Grundschulen ihr Mitspracherecht sehr vermissen und sich für G9 aussprechen würden, wenn man sie denn fragen würde.

Gemeindevertreter Carsten Kerkamm, der den Abend zusammen mit seinem CDU-Kollegen Frank Zahel organisiert hatte, hakte gegen Ende der Fragestunde nach, ob man damit rechnen müsse, dass die nächste Landesregierung in ein paar Jahren die ganze Planung wieder über den Haufen wirft. Daraufhin entgegnete die Ministerin, dass „keine Landesregierung unter CDU-Führung je wieder zu G8 zurück gehen wird. Vor Jahren wurde eine falsche Entscheidung getroffen und die haben wir nun korrigiert.“ Da die Umstellung erst ab dem Schuljahr 2019/2020 für die 5. und 6. Klassen wirksam wird, habe man nun genug Zeit, sich auf den schonenden Übergang vorzubereiten. Außerdem habe man in Kiel die besondere Situation des Sylter Schulträgers im Blick und wäre bereit, im Dialog gemeinsame Lösungen zu finden. „Entspannen Sie sich doch einfach“, meinte die Ministerin und eilte zum Zug.

Nun muss die Schulkonferenz am 1. Februar darüber entscheiden, wie entspannt man auf Sylt mit der Frage nach G8 oder G9 umgehen will.

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