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Sylter Unternehmer : Millionen für das Image der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die aktuellen Gästezahlen sind gut. Doch damit Sylt auch in Zukunft einen Ruf als Top-Destination genießt, wollen die Sylter Unternehmer zweieinhalb Millionen Euro in das Marketing stecken

Mit 2,5 Millionen Euro will der Verein Sylter Unternehmer (SU) das Image der Marke Sylt polieren. „Wir leben nicht mehr im Schlaraffenland“, bekannte SU-Vorsitzender Karl Max Hellner. „Wir müssen uns heute engagieren, um die Erlöse für unsere Kinder zu sichern.“ 1,5 Millionen Euro davon sollen durch eine höhere Tourismusabgabe aufgebracht werden, eine weitere Million von den Gemeinden der Insel. Für diesen Plan werben die Sylter Unternehmer nun um Unterstützung. Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins am Montagabend im Keitumer Friesensaal wurden als erstes die eigenen Mitglieder mit ins Boot geholt.

Mit den 2,5 Millionen Euro soll die Arbeit der Sylt Marketing GmbH (SMG) deutlich ausgeweitet werden. SMG-Geschäftsführer Moritz Luft habe bisher nur sieben Mitarbeiter und lediglich ein Budget von 74  000 Euro, berichtete Hellner. „Das entspricht weniger als 0,2 Cent pro Übernachtung“, ergänzte Dirk Erdmann von den Privathotels Sylt – sehr wenig für das Marketing einer Urlaubsregion. Ähnliche Destinationen in der Schweiz lägen zwischen 1,20 und 2,45 Euro pro Übernachtung, in Mecklenburg-Vorpommern seien es immerhin 0,64 Euro. Die Sylter Unternehmer halten einen Betrag von 0,39 Euro pro Übernachtung für angemessen – und kommen so bei einer Übernachtungszahl von 6,5 Millionen auf eine Summe von 2,5 Millionen Euro.

Investiert werden soll der Betrag zu je einem Viertel in zusätzliche Marketingmaßnahmen, in die internationale Gästegewinnung, in klassische Imagewerbung und in imageträchtige Veranstaltungen. Ein weiterer Schritt ist die Reaktivierung des „Strategiekreises“ der Sylter Unternehmer unter dem Dach von Sylt Marketing. Ihm sollen 16 Vertreter aus den Reihen der Tourismusdienste, der Unternehmer und des Dehoga angehören. Diese Vorschläge sind das Ergebnis des Workshops „TourismusZukunft Sylt“ , zu dem die „Leistungsträger der Insel“ im Frühjahr zusammengefunden hatten – finanziert von den Sylter Unternehmern, unterstützt vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) und von der Fachhochschule Westküste mit Sitz in Heide. Am Ende stand ein Katalog von Leitlinien, die allen insularen Akteuren als Handlungsempfehlung dienen können.

„Der Top-Destination geht es nicht automatisch gut“, erläuterte Peter Douven vom Insel Sylt Tourismus Service (ISTS). 2015 sei in touristischer Hinsicht zwar ein gutes Jahr gewesen, und 2016 entwickle sich bislang ähnlich. Doch Sylt nutze längst nicht alle vorhandenen Potenziale, habe sogar „heftigen Nachholbedarf“ im Vergleich zu anderen Ferienzielen. Die Wachstumsraten der schleswig-holsteinischen Nordseebäder lägen mit 2,3 Prozent deutlich hinter der Ostsee-Konkurrenz mit 5,8 Prozent – „die Westküste ist abgehängt“, so Douven. In diesem Jahr profitiere der Inlandstourismus noch von einem Wegfall wichtiger Destinationen wie der Türkei und Ägypten, „das spielt uns in die Hände.“ Doch vor allem außerhalb der Hauptsaison würden viele Touristen sich bei Zweit- und Drittreisen eher für ein Ziel an der Ostsee entscheiden.

Für mehr Wachstum brauche die Insel nicht mehr Betten, sondern eine überproportionale Steigerung der Übernachtungszahlen. Sylt müsse „an seiner Erreichbarkeit und der Präsenz im Markt“ arbeiten, forderte ISTS-Chef Douven.

Marketing für Sylt – das diene nicht nur der Bettenauslastung, erläuterte der Dehoga-Vorsitzende Claas-Erik Johannsen. „Seit etwa anderthalb Jahren liegt unser Hauptaugenmerk auf der Suche nach Personal“, so der Hotelier. Destinationsmarketing bedeute auch, Arbeitskräfte für eine Karriere auf Sylt zu gewinnen, um langfristig die Qualität der Betriebe zu erhalten. Dabei werden Dehoga und SU künftig noch enger zusammenarbeiten: Die Geschäftsstelle zieht ebenfalls ins Tourismus-Zentrum Stephanstraße 6 ein. „Tourismus ist die entscheidende Kraft der Insel“, erklärte der stellvertretende SU-Vorsitzende Carsten Kerkamm – das werde manchmal vergessen. Ohne diese Einnahmequelle „könnten wir alle nach Emmelsbüll-Horsbüll ziehen und dort eine Wohngemeinschaft gründen.“

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