Wohnraumsituation : Mietpreisbremse zieht auf Sylt nicht

Für viele Sylter ist es schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Für viele Sylter ist es schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Die Landesregierung will in Regionen mit einer schwierigen Wohnraumsituation die Lage für Mieter verbessern. Auf Sylt sieht man die Vorschläge allerdings kritisch.

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20. März 2014, 06:00 Uhr

Mehr Dauerwohnraum steht auf der Wunschliste der meisten Insulaner ganz oben. Deshalb ist ein neuer Vorstoß von der Landesregierung von großem Interesse für die Insel: Innenminister Andreas Breitner will auf die Mietpreisbremse treten. An Standorten, an denen laut Breitner die Versorgung mit ausreichendem Wohnraum zu angemessenen Bedingungen „besonders gefährdet“ ist, sollen die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen binnen drei Jahren nur noch um 15 Prozent statt um 20 Prozent bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete steigen.

Bürgermeisterin Petra Reiber begrüßt erst einmal grundsätzlich, dass sich die Landesregierung mit dem Thema auseinander setzt. „Die Wohnungsnot steht bei uns ganz oben an und ist ist ein hochsensibles Thema. Eine Mietpreisbremse hätte ganz klare Auswirkungen auf die Insel – allerdings in zwei Richtungen.“ Was Reiber damit meint: Eine Mietpreisbremse wirkt sich für die Mieter auf den ersten Blick zwar positiv aus, aber es besteht auch die Gefahr, dass dadurch Wohnraum für Insulaner verloren geht. „Für die Vermieter würde der Anreiz steigen, ihre Immobilien als Ferienwohnungen zu vermieten oder zu verkaufen.“

Dieses Problem sieht Makler Marcus Riel weniger: „Ich kenne kaum einen, der seine Miete pauschal erhöht, wenn er nicht etwas in die Wohnung hineingesteckt hat.“ Die meisten Vermieter seien froh, einen zuverlässigen Mieter gefunden zu haben und wollten ihn nicht durch höhere Mieten verjagen. Riel sieht das Problem eher darin, dass die Vermieter auf Sylt von vorne herein den höchstmöglichen Preis nehmen – und man auf Sylt immer jemanden fände, der diese Mieten auch zahle. „Dazu kommt, dass es auf Sylt gar keinen festen Mietpreisspiegel gibt. Für eine kleine Wohnung kann man einen viel höheren Quadratmeterpreis nehmen, weil der Endpreis dann immer noch in dem Bereich liegt, den eine Einzelperson bezahlen kann.“ Den Vorstoß Breitners hält er aus dem selben Grund für unwirksam. „Das mag auf dem Festland funktionieren, wo die Mieten transparenter sind – aber nicht auf Sylt.“

Optimistischer sieht Stephan Sombrutzki, Rechtsberater beim Schleswig-Holsteinischen Mieterbund in Rendsburg, die Mietpreisbremse: „Gerade an Orten mit einer angespannten Wohnungssituation, wie auf Sylt, könnte das ein Mittel sein, um den Preisanstieg einzudämmen.“ Wirksam wäre eine Mietpreisbremse aus seiner Sicht allerdings nur in Verbindung mit einer Verordnung, die verhindert, dass Dauerwohnungen in Ferienwohnungen umgewandelt werden.

Der zweite Vorstoß, den Innenminister Breitner gemacht hat, betrifft sogenannte „Schrott-Immobilien“. Eigentümer solcher Häuser und Wohnungen sollen über ein Wohnungsaufsichtsgesetz zu einer ordnungsgemäßen Instandhaltung verpflichtet werden. Dazu sollen nach Breitners Vorstellungen Standards für den baulichen Zustand, angemessene Belegung und Hygieneschutz gesetzt werden.

Während Stephan Sombrutzki vom Mieterverbund ein solches Gesetz uneingeschränkt begrüßen würde, sieht Bürgermeisterin Reiber das Problem der Beweislast: „Es ist beispielsweise bei Schimmelpilzbefall nicht einfach zu klären, ob der Fehler beim Vermieter oder beim Mieter liegt.“ Sie selber habe sich häufig davon überzeugen können, dass die Leute zu wenig lüften, um Heizkosten zu sparen, und dadurch den Schimmelpilzbefall selber fördern. „Wenn es sich allerdings nachweislich um Fälle von schlechter Bausubstanz handelt, dann bin ich dafür, dass man dagegen mit einem Gesetz vorgeht.“

Ähnlich sieht das auch Marcus Riel. Er weiß auf Sylt allerdings nur von sehr wenigen „Schrottimmobilien“ – „wenn wir nicht gerade von Kellerwohnungen sprechen, die ja illegal sind“.

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