Feuer in Morsum : "Mich hat der liebe Gott geweckt"

Hatte Glück im Unglück: Landwirt Gerhard Ehmke mit seiner Lebensgefährtin Heidi Ibbeken vor den Trümmern seines Hofes. Foto: Christiansen
Hatte Glück im Unglück: Landwirt Gerhard Ehmke mit seiner Lebensgefährtin Heidi Ibbeken vor den Trümmern seines Hofes. Foto: Christiansen

Glück im Unglück für Gerhard Ehmke aus Morsum: Nur durch Zufall entdeckte der Sylter Landwirt, dass sein Hof in Flammen stand.

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30. März 2011, 08:41 Uhr

Morsum | Gefasst sitzt Gerhard Ehmke am Esstisch einer Ferienwohnung mit Blick aufs Morsumer Watt. Nur ein paar Schritte von den Trümmern seines Hofes entfernt berichtet der Landwirt von der gerade einmal 30 Stunden zurückliegenden Nacht, in der sein Zuhause und mit ihm fast das ganze persönliche Hab und Gut ein Raub der Flammen wurde.
Dass ihm selbst bei dem vermutlich durch Brandstiftung verursachten Feuer nichts passierte, hat der 68-Jährige einem nächtlichen Bedürfnis zu verdanken. "Man könnte auch sagen, der liebe Gott hat mich geweckt", so Ehmke, der erst etwas bollern hörte und kurz darauf sah, wie sich in den Scheiben eines nebenan abgestellten Wohnwagens ein flackernder Lichtschein spiegelte. "Ich habe versucht, durch die Zwischentür in den Wirtschaftsteil zu kommen, musste die Tür aber sofort wieder schließen, weil da schon alles voller Qualm war."
Nicht alle Reaktionen fielen so selbstlos aus
Ehmke wählt die 112 und versucht, sich so schnell wie möglich anzuziehen. Er greift seine Lederjacke mit den persönlichen Papieren, verlässt das Wohnhaus durch den Vordereingang und muss mit ansehen, wie Haus und Scheune, in denen er seit 1952 lebt und arbeitet, in Flammen aufgehen. "Man glaubt gar nicht, wie lang 15 Minuten sein können - mir kamen sie unendlich vor." Bis auf wenige Gegenstände ("man weiß gar nicht, was man zuerst nehmen soll") kann er nichts retten. Auch nicht die Erinnerungsstücke an seine vor fünf Jahren verstorbene Frau. "So etwas gönnt man keinem", sagt der Landwirt, der sich vor einigen Jahren nach einem Schlaganfall aufs Altenteil zurückgezogen hat.
Ehmke glaubt nicht, dass ihm der unbekannte Brandstifter, der schon im Februar dreimal im Ort zündelte, schaden wollte. "Ich war eine Woche fort und bin am Vortag zurückgekommen. Vermutlich glaubte er, es sei immer noch keiner da." Gefasst sieht er dem entgegen, was jetzt auf ihn zukommt. Zum Glück gehört ihm ein Nachbarhaus mit Ferienwohnungen, so dass er nicht ohne Dach über dem Kopf dasteht. Beeindruckt ist er von der Hilfsbereitschaft im Dorf. "Viele Nachbarn haben sofort angeboten, mich aufzunehmen oder mit den wichtigsten Sachen zu versorgen." Doch nicht alle Reaktionen fielen so selbstlos aus: Die Trümmer waren noch nicht kalt, da meldeten sich die ersten Immobilienmakler. "Die sollten sich wirklich schämen", findet Ehmkes in Essen lebende Lebensgefährtin Heidi Ibbeken, die am Sonntag das erste Flugzeug auf die Insel nahm, um ihrem Partner beizustehen.
Ein ganzes Dorf rätselt derweil, wer der Brandstifter ist und wann er wieder zuschlägt. Pastor Ekkehard Schulz: "Als wäre der materielle Schaden nicht schon schlimm genug, macht sich jetzt immer mehr Verunsicherung und Misstrauen breit."
(chr, shz)

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