Mensch und Meer: Was Bilder erzählen

Bilderhängen im Heimatmuseum: Zivi Killian Westphal, Ulrich Schulte-Wülwer, Sven Lappoehn und  Uwe Smedt (von links).  Foto: Bergmann
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Bilderhängen im Heimatmuseum: Zivi Killian Westphal, Ulrich Schulte-Wülwer, Sven Lappoehn und Uwe Smedt (von links). Foto: Bergmann

Gestern wurden im Heimatmuseum 46 Werke von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule gehängt - die Ausstellung wird am 4. Juni eröffnet

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21. Mai 2011, 07:42 Uhr

Keitum | Vor der Einführung des Tonfilms gab es im Kino Menschen, die den Zuschauern die Handlung erklärten, auf Besonderheiten hinwiesen, die Bilder auf der Leinwand mit Worten untermalten... So einen ähnlichen Job erledigte gestern Prof. Ulrich Schulte-Wülwer, pensionierter Chef des Flensburger Museumsbergs und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Sölring Foriining, im Keitumer Heimatmuseum: Während er mit Geschäftsführer Sven Lappoehn und freiwilligen Helfern die Bilder der Ausstellung "Mensch und Meer" auspackte, erklärte er die Werke von Schülern der Düsseldorfer Malschule, beschrieb, was vor und nach der Momentaufnahme, die die Künstler mit dem Pinsel schafften, passiert sein wird.

Beispielsweise das Bild "Sturmläuten auf Helgoland" von Rudolf Jordan: Eine Frau betet vor dem aufgepeitschten Meer für die Heimkehr ihres Mannes, in ihrem Rücken sucht ein Kind Schutz beim Großvater. Auf einem anderen Gemälde bringen zwei Männer in derben Jacken schlechte Nachrichten in eine gute Stube: Eine junge Frau bricht vor ihnen zusammen, ihr Vater oder Schwiegervater wirkt wie versteinert. Schulte-Wülwer: "Die Alten kannten diese Situation. Seit Generationen blieben Familienmitglieder auf See. Das war damals normal."

Damals, das heißt zwischen 1850 und 1920. Aus diesem Zeitraum stammen die 46 Bilder, die offiziell erst ab dem 4. Juni zu sehen sein werden. Entstanden sind sie in Ateliers der um 1819 eröffneten Düsseldorfer Malerschule, die Studien dafür wurden an der holländischen und teilweise an der Sylter Nordseeküste gemacht. Schulte-Wülwer: "Eugen Dücker leitete ab 1872 die Klasse Landschaftsmalerei und schickte seine Schüler gezielt hierher." Lag das an den Wolkenkonstellationen und der rauen Natur oder auch daran, dass einer seiner Schüler, der Tinnumer Andreas Dirks (1866-1922), von hier stammte? Der Experte: "Es ist denkbar, dass Dirks seinen Lehrer auf Sylt und vielleicht auf kostenlose Wohnmöglichkeiten aufmerksam gemacht hat."

Für einige der gezeigten Bilder, sie stammen aus der Sammlung der Bonner Dr.-Axe-Stiftung, ist es also eine Rückkehr an ihren Entstehungsort. Allerdings nicht unbedingt die erste: Stifter Dr. Hans Günther Axe hatte ein Ferienhaus in Keitum, in dem Teile seiner Sammlung hingen. Außerdem wurden einige Werke vor gut einem Jahr kurzzeitig in Kampen ausgestellt.

Jetzt werden sie bis zum 15. November im Heimatmuseum gezeigt. Und wer Glück hat, trifft dort vielleicht auch mal auf Schulte-Wülwer, auf den Bildererzähler, der sagt: "Theater- und Filmemacher können ihre Geschichten in ganz vielen Szenen aufbauen. Ein Maler kann nur ein Motiv einfrieren, eine Szene, in der ganz viel ausgedrückt werden muss."

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