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Zwischen Stoiber und Müllentsorgung : Gabriele Pauli: Die „Rote Rebellin“ liest auf Sylt

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Aus Autorenlesung wird gegenseitiges Beschnuppern: Gabriele Pauli stellt sich in Keitum den Sylter Bürgern. Womöglich wird sie dort künftig für das Bürgermeister-Amt kandidieren.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 14:29 Uhr

Sylt | Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung von Gabriele Pauli bilden sich Schlangen vor dem Friesensaal im Sylter Örtchen Keitum. Es stellt sich immerhin die Frage: Kommt da die künftige Bürgermeisterin? Oder zumindest die künftige Bürgermeisterkandidatin? Die ehemalige Fürther Landrätin ziert sich noch: Im September will sie ihre Entscheidung über eine Kandidatur in der Gemeinde Sylt bekanntgeben. Dort wird am 14. Dezember der Nachfolger von Bürgermeisterin Petra Reiber gewählt, die nicht mehr antritt.

Seit dem Frühjahr ist Pauli im Gespräch. Nun liest sie aus ihrem Buch „Die rote Rebellin“, in dem es um alles geht, was man so mit ihr verbindet: Stoiber, Latexhandschuhe, der Prozess gegen die „Bild“-Zeitung und jetzt auch Sylt. „Ministerpräsidentin wolltse werden“, sagt eine Frau vor der Lesung. „Isse nicht geworden“, wirft eine andere ein. „Nun isse hier.“ Eine Touristin erkundigt sich bei den Umstehenden: „Ist das wichtig für Sylt?“ „Oh ja“, schallt es ihr von den vornehmlich älteren Pauli-Zuhörern entgegen. „Ich bin nur neugierig, wie sie sich präsentiert“, sagt ein Mann. „Mich interessiert sie, weil sie es ja aufgenommen hat mit dem Ministerpräsidenten von Bayern“, sagt die gebürtige Flensburgerin Kirsten Boysen. Pauli sei „eine Frau, die schon mutig ist, eine, die richtig Profil zeigt“. Aber ob sie die richtige für Sylt wäre? Boysen hat Fotos von Pauli in der Zeitung gesehen. „Ich habe auf den ersten Blick gesagt: Die passt zu Sylt.“ 

Michael Stitz von der „Sylter Rundschau“, der Pauli an diesem Dienstagabend befragt, gemeinsam mit „Bunte“-Redakteur Manfred Otzelberger, mit dem sie ihr Buch geschrieben hat, macht aber gleich klar: „Es ist keine Wahlkampfveranstaltung.“ „Heute ist die Wahl, die da kommt, im Hintergrund“, bekräftigt Pauli. Und so geht sie im Gespräch einzelne Stationen ihrer Karriere noch einmal durch. Die bayerischen Politiker bekommen ihr Fett weg: „Gerade in Bayern, hab' ich's erlebt, ist man sehr intrigant.“

An kleinen, vollbesetzten Tischchen mit Teelichtern lauscht das Publikum. „Sylt ist paradiesisch“, lässt sie sich entlocken. „Wer sich hier verliebt hat, der bleibt.“ Bei ihrem letzten Besuch auf der Insel sei auch ihre Mutter dabeigewesen. Das Amt, soviel gibt sie dann doch preis, „wäre schon eine tolle Herausforderung“. Viel zu tun gibt es in der Tat auf der Insel. Mangel an Dauerwohnraum, der Wegzug von Einheimischen, die ständige Suche nach Fachkräften in Hotellerie und Gastronomie. So kann Pauli durchaus Petra Reiber verstehen, die von einem Knochenjob gesprochen habe. „Ich würde es nicht glorifizieren, das Amt, das ist eine Riesenherausforderung“, sagte Pauli vor der Lesung.

Nach 18 Jahren als Landrätin in Fürth in Franken habe sie gesagt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Die neuen Aufgaben auf Sylt reizten sie aber. „Kommunalpolitik ist die Königsdisziplin der Politik, weil man ganz nah am Menschen ist. Mir gefällt es, wenn ich gestalten kann.“ Passend dazu zeigt sich die 57-Jährige angetan vom Keitumer Friedhof und den Geschichten zu historischen Grabsteinen, von Seefahrer-Frauen, die allein zu Hause die Männerrolle einnahmen. „Für mich hat das deshalb Reiz, weil sehr viele starke Frauen in der Vergangenheit die Insel geprägt haben.“ „Diese Rebellin“ sei sie aber trotz des Buchtitels eigentlich gar nicht, beteuert Pauli gegenüber den Zuhörern im Keitumer Friesensaal.

Von dem Medieninteresse nach den ersten Gerüchten um eine mögliche Kandidatur in der Gemeinde Sylt zeigte sich die aus der Moselgegend stammende 57-Jährige überrascht, schließlich habe es noch nichts zu berichten gegeben. „Diese Popularität ist auch schwer zu händeln.“ Nun will sie weiter Gespräche auf Sylt führen, mit Petra Reiber sprechen, sich mit ihrer Familie beraten. Ihr Publikum in Keitum zeigt sich erstmal informationssatt. Auf das Angebot, Fragen an Pauli zu stellen, meldet sich eine ganze Weile niemand, bevor ein Mann mutig den Anfang macht. Und dann legt Pauli erst einmal los mit reinster Kommunalpolitik: Müllentsorgung.

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