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Autozug Sylt : Die spektakulärsten Einsätze beim Sylt Shuttle

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Strecke des Syltshuttles musste am Sonntag gesperrt werden – ein Rangierunfall. shz.de mit einem Rückblick der Einsätze rund um den Syltshuttle.

Westerland | Ein Rangierunfall auf der Verladestation in Westerland hat am Sonntagabend dafür gesorgt, dass viele Autofahrer des DB-Syltshuttles nicht zurück auf das Festland fahren konnten. Gegen 22 Uhr saßen noch „etliche 100 Autofahrer“ auf der Insel fest. Es ist nicht der erste Rangierunfall vor Westerland: shz.de mit einem Überblick.

 

8. September 2014: Mann löst Schnellbremsung aus

Er wollte etwas aus dem Kofferraum holen, nun wartet ein Strafverfahren auf ihn: Ein Mann verließ auf dem fahrenden Autozug seinen Wagen. Der Lokführer eines entgegenkommenden Zuges sah den 37-Jährigen und informierte den Fahrdienstleiter. Der Autozug legte daraufhin kurz vor Klanxbüll eine Schnellbremsung ein.

Bei der Ankunft des Autozuges in Westerland wartete bereits die Bundespolizei auf den Mann, um ihn zu befragen. Während der Überfahrt mit dem Autozug darf das Fahrzeug nicht verlassen werden – es besteht Lebensgefahr. Zudem herrscht seit 2013 für alle Fahrzeuginsassen eine Anschnallpflicht.

 

22. Juli 2014: Schöne Aussicht

Wer während der Fahrt mit dem Sylt-Shuttle sein Auto verlässt, muss mit Strafe rechnen.
Wer während der Fahrt mit dem Sylt-Shuttle sein Auto verlässt, muss mit Strafe rechnen. Foto: Syltpicture
 

Noch spektakulärer, jedoch in der Folge glimpflicher für den Verursacher, verlief die Aktion eines 48-jährigen Engländers am Nachmittag des 22. Juli 2014. Der Fahrer eines Range Rovers war scheinbar so überwältigt vom Anblick des Wattenmeeres, dass er sich während der Zugfahrt auf die Motorhaube setzte. Dabei beobachtete ihn ein Bahnmitarbeiter, der Zugführer wurde unterrichtet und reduzierte umgehend die Fahrgeschwindigkeit des Zuges. Nach einiger Zeit begab sich der Mann dann wieder in sein Fahrzeug. Bei Ankunft des Zuges in Westerland räumte er reumütig sein Fehlverhalten ein. Ihn erwartete eine Ordnungswidrigkeitenanzeige mit mindestens 100 Euro Geldstrafe.

Da im Fall des Engländers auf der Motorhaube der Lokführer keine Schnellbremsung durchführte, sondern lediglich die Fahrgeschwindigkeit reduzierte, lag auch lediglich eine Ordnungswidrigkeit gemäß Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung vor, die mit gestaffelten Geldstrafebeträgen geahndet werden kann.

 

24. September 2012: Rentner klettert mit E-Bike auf Sylt-Shuttle

Pendler am Keitumer Bahnhof.  Foto: chr
Pendler am Keitumer Bahnhof. Foto: chr
 

Unbemerkt vom Lokführer kletterte ein Rentner am Bahnhof von Keitum mit seinem weißen Elektrofahrrad auf den Autozug. Als der Zug anfuhr, entdeckte der Fahrdienstleiter den Rentner und gab Alarm. Der Syltshuttle stoppte sofort, so dass die „Schwarzfahrt“ des Mannes bereits nach 150 Metern endete. Der 77-Jährige musste mit seinem E-Bike auf den Bahnsteig zurück. Ihn erwartete eine Strafanzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

 

15. Juli 2012: Kind stürzt von fahrendem Zug

Rettungskräfte versorgen das schwer verletzte Kind neben dem Gleis.
Rettungskräfte versorgen das schwer verletzte Kind neben dem Gleis. Foto: Presse Nord Flensburg
 

Hintergrund der Neuregelung waren die dramatischen Ereignisse im Juli 2012: Ein damals zweijähriger Junge kam während der Überfahrt an die Tür des Wohnmobils, die daraufhin aufsprang. Vom Sog des Fahrtwinds wurde er aus dem Auto gerissen. Der Vater sprang sofort hinterher, um sein Kind zu retten – beide wurden dabei schwer, aber zum Glück nicht lebensgefährlich verletzt. „Der tragische Vorfall war für uns der endgültige Anlass, dem Management des DB Syltshuttle im Rahmen der Gefahrenvorsorge eine generelle Anschnallpflicht in allen Fahrzeugen während der Zugüberfahrt zu empfehlen“, sagt Pressesprecher Hanspeter Schwartz von der Bundespolizeiinspektion Flensburg. Seit Januar 2013 gilt die Anschnallpflicht während der Überfahrt.

 

29. März 2011: Auto brennt auf Sylt-Zug

Plötzlich stand ein Auto in Flammen: Während der Syltshuttle über den Hindenburgdamm in Richtung Festland fuhr, begann ein Wagen zu brennen. Planmäßig hatte der mit etwa 40 Fahrzeugen beladene Autozug Westerland um 7.30 Uhr verlassen, als gegen 7.50 Uhr auf dem Hindenburgdamm zwei Kilometer von der Insel entfernt eine Notbremsung erfolgte. Ausgelöst hatte sie der Fahrer eines Pkw auf dem Oberdeck, in dessen Fahrzeug plötzlich ein Feuer ausgebrochen war. Ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt.

 

23. März 2011: Beinahe-Crash zweier Züge

Nach dem Beinahe-Zusammenstoß saßen die Passagiere von 30 Fahrzeugen zwei Stunden lang auf dem Autozug fest. Foto: grafikfoto.de
Nach dem Beinahe-Zusammenstoß saßen die Passagiere von 30 Fahrzeugen zwei Stunden lang auf dem Autozug fest. Foto: grafikfoto.de

Allein, weil der Fahrdienstleiter im Stellwerk so aufmerksam war und das Signal für einen einfahrenden Sylt-Shuttle auf Rot stellte, setzte das automatische Bremssystem des Autozugs ein - und brachte diesen laut Bahnpolizei nur 100 Meter von einem Personenzug zum Stehen, der irrtümlicherweise auf dem selben Gleis gelandet war. Bahn-Experten sind sich einig: Da die Strecke in einer Kurve liegt, hätte der Lokführer des Shuttles keine Chance gehabt, allein durch eigene Wachsamkeit eine Kollision zu vermeiden. Dafür konnte er den fehlgeleiteten Nahverkehrszug der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG) erst viel zu spät sehen. Knapp zwei Stunden stand nach den Schrecksekunden auf dem Niebüller Bahnhof alles still. Weitere neun Nahverkehrszüge und vier IC-Züge waren davon betroffen.

 

5. Juli 2010: Unfall beim Rangieren

Der Autoterminal am Bahnhof in Niebüll: Hier während einer Übung auf den fiktiven Einsatz. Foto: dpa
Der Autoterminal am Bahnhof in Niebüll: Hier während einer Übung auf den fiktiven Einsatz. Foto: dpa
 

Die Lok eines leeren Syltshuttle, der für die Beladung mit Autos, Lastwagen und Gespannen bereitgestellt werden sollte, entgleiste im Bahnhof von Niebüll beim Rangieren. Menschen wurden nicht verletzt – der Autozug-Pendelverkehr zwischen Sylt und dem Festland kam jedoch für mehrere Stunden zum Erliegen. Pro Stunde und Richtung waren nach Angaben der Bahn etwa 150 Fahrzeuge betroffen. Viele Reisende nahmen notgedrungen den 70-Kilometer-Umweg über den dänischen Fährhafen Havneby auf der Insel Röm in Kauf. Der Personenverkehr ohne Autos von und nach Sylt lief ungestört weiter. Auf der ebenfalls gesperrten Strecke zwischen Niebüll und Tondern setzte die Nord-Ostsee-Bahn Busse ein.

 

3. September 2009: Lkw stürzt von Autozug

Die Unglücksstelle auf dem Hindenburgdamm: Das mit Dämmstoff beladene Lkw-Gespann kippte auf die Nordseite der Trasse.
Die Unglücksstelle auf dem Hindenburgdamm: Das mit Dämmstoff beladene Lkw-Gespann kippte auf die Nordseite der Trasse. Foto: Syltpicture

Drama auf dem Hindenburgdamm: Beim Sturz eines Lkw vom Syltshuttle kam Anfang September 2009 ein 32 Jahre alter Mann ums Leben. Der Fahrer wurde samt seinem Gespann von einem Flachwagen des Autozuges geweht. Der Unglücks-Lastwagen war mit leichtem Dämm-Material beladen und daher ähnlich windanfällig wie ein leeres Fahrzeug. Das Gespann war nicht wie vorgeschrieben mit Gurten gesichert gewesen.

Nach Angaben der Bundespolizei wurde der Mann bei dem Sturz aus dem Fahrerhaus und ins Wasser geschleudert. Der 32-Jährige erlag seinen schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle.

Zunächst wurde der Zugführer vom Amtsgericht Niebüll zu einer auf Bewährung verhängten Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte hatte Berufung eingelegt. Das Flensburger Landgericht hatte das Urteil von einer Freiheits- in eine Geldstrafe gemildert.

Bereits 16 Jahre zuvor gab es auf dem Hindenburgdamm ein ähnliches Unglück mit zwei Verletzten: Am 16. Juli 1993 hatte eine Windböe einen Kleintransporter samt Anhänger von einem der Flachwagen geweht. Heute werden bei stürmischen Wetter leere Lastwagen und Hänger bei der Überfahrt mit Spanngurten gesichert.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 18:17 Uhr

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