zur Navigation springen

Prozess um getöteten Sylter Koch : Angeklagter spricht von Angriff des Sylter Kochs

vom

Fortsetzung im Prozess um den auf Sylt getöteten Koch aus Japan: Ein Angeklagter gibt vor Gericht eine Erklärung ab.

Flensburg | Einer der beiden Angeklagten im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Kochs auf Sylt hat jegliche Tötungsabsicht bestritten. Dessen Verteidiger verlas am Mittwoch vor dem Landgericht Flensburg eine Erklärung, wonach sein 38 Jahre alter Mandant vielmehr selbst vom Koch angegriffen worden sei und diesen nur abgewehrt habe. Er sei entsetzt, dass ein Leben ausgelöscht wurde, und habe keinerlei Absicht gehabt, eine Person zu verletzen und den Tod eines Menschen zu verursachen. Vor dem Vorfall in der Bar sei er mit dem zweiten Angeklagten von Lokal zu Lokal gezogen und habe Alkohol getrunken. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Zum Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft wirft zwei heute 51 und 38 Jahre alten Angeklagten vor, mit dem Koch in einer Tabledance-Bar in Streit geraten zu sein. Sie sollen mit einem am Vortag in dessen Imbiss eingenommenen Essen nicht zufrieden gewesen sein. Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der 51-Jährige den Koch gewürgt, der 38-Jährige ihn getreten und geschlagen haben. Der Koch starb.

Die Erklärung des 38-Jährigen stand im Widerspruch zur Aussage der bislang einzigen bekannten Augenzeugin. Die 31-Jährige hatte zum Tatzeitpunkt am Tresen der Bar bedient. Sie schilderte einen Streit der Angeklagten mit dem Opfer, wobei dem Koch die Brille abgenommen worden sei. Unter Tränen berichtete sie von ihren Beobachtungen über einen Monitor, wie das Opfer im Vorraum der Bar von einem der Angeklagten ins Gesicht und mit dem Knie in den Bauch geschlagen worden sei.

Als sie andere Gäste um Hilfe gebeten habe, habe niemand reagiert. „Niemand wollte sich natürlich zwischenmischen.“ Daraufhin sei sie selbst gegangen. Der 38-Jährige habe schwer geatmet, der Koch sich den Bauch gehalten. Obwohl sie die Angeklagten aufgefordert habe, zurück in die Bar zu kommen, seien sie erneut in den Vorraum gegangen. Auf die Frage, wer den Koch geschlagen habe, nickte sie in Richtung des 38-Jährigen: „Das war dieser Mann.“ Der Richter verlas aus einem Polizeiprotokoll von 2013, wonach sie angegeben hatte, sie könne Schläge und Tritte nicht hundertprozentig einer Person zuordnen, für sie sei es aber der 38-Jährige gewesen.

Die Freundin des 38-Jährigen berichtete, er sei inzwischen abstinent. „Ich kenne ihn nicht volltrunken.“ Frühere Freundinnen hatten von einem starken Alkoholkonsum berichtet. Der Richter verlas zudem einen Brief des älteren Angeklagten an seinen Sohn, in dem er behauptete, nach dem verbalen Streit habe der Koch ihn angegriffen. Der jüngere Angeklagte habe den Koch von ihm weggezogen und dann selbst auf den Mann eingeschlagen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Mär.2015 | 07:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen