Modellversuch : Meilenstein für den Sylter Inselverkehr

Im schweizerischen Sion nahmen SVG-Chef Sven Paulsen (links) und SVG-Betriebsleiter Sven-Olaf Seddig (rechts) den automen Bus der französischen Firma Navya in Augenschein.
Im schweizerischen Sion nahmen SVG-Chef Sven Paulsen (links) und SVG-Betriebsleiter Sven-Olaf Seddig (rechts) den automen Bus der französischen Firma Navya in Augenschein.

Im Interview erläutert SVG-Chef Sven Paulsen Pläne für den Einsatz des ersten autonom fahrenden Busses in Schleswig-Holstein

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21. Juni 2018, 04:39 Uhr

Die Sylter Verkehrsgesellschaft SVG beteiligt sich am Modellprojekt für den „NAF-Bus“. Im Interview erläutert Geschäftsführer Sven Paulsen, wie er sich den Einsatz des autonom fahrenden Busses auf Sylt vorstellt.

Herr Paulsen, heute wurde der erste autonom fahrende Bus des nordfriesischen Modellversuchs in Enge-Sande vorgestellt. Haben Sie selbst schon in dem Vehikel gesessen und sich chauffieren lassen?

Ja, wir waren Mitte April in Sion in der Schweiz, wo ein autonomer Bus der Firma Navya mit ca. 20 bis 25 km/h im Einsatz ist, und in Bad Birnbach in Bayern, wo ein Bus der Firma Easymile fährt. Wir wollten uns selbst vom Fahrgefühl, von der Technik und vom realen Einsatz einmal ein Bild machen, bevor wir selbst einen autonomen Bus auf Sylt in Einsatz bringen.

Nächster Standort des Modellversuchs ist Sylt, hier soll sich der Bus erstmals in Schleswig-Holstein im öffentlichen Straßenverkehr bewehren. Wann wird es soweit sein? Und wo genau wird der Bus eingesetzt?

Voraussichtlich im Spätsommer, wir sind gerade in den Verkaufsverhandlungen mit Navya. Als Einsatzgebiet schwebt uns Keitum vor, vom Parkplatz bis zum historischen Ortskern im 20-Minuten-Takt. Aber auch hier muss noch die Abstimmung durch den Ortsbeirat erfolgen und es müssen noch einige Gespräche geführt werden.

Wer kassiert denn den Fahrpreis, wenn kein Fahrer an Bord ist?

In der Probephase in 2018 werden wir die Fahrten ohne Entgelt anbieten. Danach kann der Fahrpreis entweder beim Operator, der ja immer noch mit an Bord ist, oder online bezahlt werden.

Wie viel investiert die SVG in den Modellversuch?

Die Investition liegt bei ca. 500 000 Euro. Davon werden 50 Prozent vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen der Förderrichtlinie „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ gefördert.

Wo auf Sylt könnten Sie sich einen ganzjährigen Einsatz des autonomen Busses vorstellen? Wäre er eine Chance, um schwach ausgelastete Linien außerhalb der Saison zu bedienen?

Die Entwicklung zeigt auch in anderen Ländern, dass das ein zukunftsträchtiges Modell ist. Ich kann mir einen ganzjährigen Einsatz in Zukunft schon vorstellen, wenn die Technik und die Rahmenbedingungen es zulassen. Die Linien des Stadtverkehrs Westerland wären zum Beispiel gut als Einsatzstrecken.

Die SVG hat schon seit zwei Jahren einen Linienbus mit Elektroantrieb im Einsatz. Sind die Erfahrungen durchweg positiv? Kommen bald weitere Elektrobusse zur SVG-Flotte hinzu?

Unser E-Bus wird von den Fahrgästen sehr gut angenommen. Wir hatten ein paar Startschwierigkeiten, da die Technik doch noch die eine oder andere Kinderkrankheit hat, aber die letzten Monate ist er konstant im Einsatz. Wir haben einen Förderantrag für weitere drei E-Busse gestellt, die hoffentlich in den nächsten zwei bis drei Jahren zum Einsatz kommen.

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