Dauerwohnen auf Sylt : Mehr Wohnungen für Sylter

Am Bastianplatz wurde ein Neubau mit 20 Wohnung errichtet, in der überwiegend Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes Leben führen können.  Fotos: Sylt Connected
Am Bastianplatz wurde ein Neubau mit 20 Wohnung errichtet, in der überwiegend Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes Leben führen können. Fotos: Sylt Connected

Neue Wohnungen auf Sylt werden weiterhin gebraucht und gebaut.

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14. August 2018, 05:30 Uhr

Dauerwohnen ist ein Dauerthema auf der Insel. Um die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen, beschlossen 2011 alle Sylter Gemeinden mit dem Wohnraumentwicklungskonzept bis zum Jahr 2025 auf der Insel 2850 Wohnungen zu bauen. Und der Fortschritt wird zunehmend sichtbar: Ob die 57 Wohnungen auf der Osterwiese in Wenningstedt, die Holzhäuser in Hörnum oder die 60 Wohneinheiten in den sechs Gebäuden am Bastianplatz – sie alle werden bereits bewohnt. Und nicht nur hier haben viele Menschen ein neues Zuhause gefunden: Durch die entstandenen Wohneinheiten auf der Osterwiese haben zahlreiche Familien durch die freigewordenen Objekte profitiert. Die von der Gemeinde Wenningstedt-Braderup erwarteten Umzugsketten, große Familien ziehen aus kleineren Wohnungen in die großen Wohnungen, sodass dadurch kleinere Wohnungen neu bezogen werden können, habe stattgefunden.

Und es entsteht noch mehr: Die Gemeinde Sylt realisiert derzeit noch 245 neue Wohneinheiten, darunter am Boy-Peter-Eben Weg in Tinnum (bezugsfertig im Februar 2020) oder in der Königsberger Straße in Westerland (bezugsfertig im März 2019). Wohnungen, die auf der Insel weiterhin dringend erforderlich sind, wie Marcus Kopplin, Leiter des Kommunalen Liegenschaftsmanagements (KLM) der Gemeinde Sylt, betont: „Es liegt an uns, die Insel für Fachkräfte attraktiv zu machen, um sie im Wettbewerb mit dem bundesweiten Festland nach Sylt zu bekommen und auch hier zu halten. Dafür müssen die Grundvoraussetzungen stimmen – und dazu gehört auch, dass sich die Leute hier wohlfühlen. Das schafft man unter anderem mit einer attraktiven Wohnung.“

Außerdem könne nur durch den Bau neuer Wohnungen ein ausgeglichener Wohnungsmarkt entstehen. „Wir haben auf der Insel keinen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Das Angebot ist zu knapp, die Nachfrage zu hoch“, so Kopplin. „Wäre der Ausgleich vorhanden, würden auch die Mietpreise dauerhaft sinken. Denn wenn viele Menschen aus teuren Unterkünften in bezahlbare Wohnungen ziehen, müssten auch viele Privatvermieter ihre Mieten anpassen, um ihre Mieter zu halten oder um Neue zu bekommen“.

Auch Nikolas Häckel ist „der festen Überzeugung, dass immer noch Wohnraum für Sylter notwendig ist und insbesondere auch Erbbaurechtsangebote dringend benötigt werden“. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt weiß, dass die beim KLM vorliegenden Wohnungsbewerbungen zeigen, dass sich die Lage ein wenig entspannt hat, „aber immer noch adäquater Wohnraum gesucht wird“. Auch habe sich der Wohnraumbedarf dahingehend gewandelt, dass es jetzt nicht mehr nur darum gehe, überhaupt eine Wohnung zu finden - jetzt gehe es auch darum in Wohnraum zu wechseln, in dem man sich wohlfühlen kann. „Und jeder, der Personalmanagement betreibt weiß, wie schwierig es ist, Fachkräfte zu finden, wenn kein angemessenes Wohnraumangebot vorhanden ist.“

Um auf der Insel den demographisch-bedingten Bevölkerungsverlusten gerade im Bereich der mittleren Einkommen entgegenzuwirken und attraktive Konditionen für Wohnungssuchende zu schaffen, hat der Wohnungsbauausschuss in seiner jüngsten Sitzung ein deutliches Zeichen gesetzt und die Kriterien für die Vergabe von Erbbaurechten in Häusern am Bastianplatz, in Archsum auf der ehemaligen Kindergartenfläche und in Morsum am Deelgung neu festgelegt. Damit soll Familien mit Kindern oder mit Kinderwunsch die Möglichkeit gegeben werden, an Eigentum auf der Insel zu gelangen. Langfristig auf der Insel ansässigen Familien sollen ebenso angesprochen werden wie Arbeitnehmer, die erst seit relativ kurzer Zeit auf Sylt tätig sind.

Bisher gab es in der Gemeinde Sylt Kriterien für die Vergabe von Erbbaurechten nur für die Seedeichsiedlung und die Marinesiedlung. Diese sahen vor, dass Mieter bereits zwei Jahre lang auf der Insel ihren Wohnsitz haben müssen, damit sie sich überhaupt für ein Erbbaurecht bewerben können. „Im Rahmen des Fachkräftemangels ist das natürlich keine hilfreiche Regelung“, betont Marcus Kopplin. Die neuen Kriterien sehen daher vor, dass sich die Bewerber grundsätzlich seit mindestens einem Jahr auf Sylt in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis befinden müssen. „Wer sich um ein Erbbaurecht bemüht und ein Jahr hier einen Job hat, der will auch hier bleiben, davon gehen wir aus“, so Kopplin.

Klar im Fokus bei der Aufstellung der Auswahlkriterien steht das Ansinnen, dass möglichst viele Kinder auf den zu vergebenden Erbbaugrundstücken aufwachsen. Familien mit schwerbehinderten Kindern werden dabei bevorzugt versorgt. Ebenfalls neu bei den Auswahlkriterien: Personen, die im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge arbeiten, werden bei Erfüllung sämtlicher Kriterien bevorzugt berücksichtigt. Hierzu zählen unter anderem Lehrer, Krankenhauspersonal oder Polizisten. „Das sind Menschen, die wir auf der Insel brauchen, um das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten“, erklärt Kopplin. Dies sei ein Weg, der mit vergleichbarer Zielsetzung auch zunehmend von anderen Städten und Gemeinden zur Sicherstellung des öffentlichen Lebens beschritten wird.

Dem Bürgermeister der Gemeinde Sylt ist bei den Vergabekriterien besonders wichtig, dass „das soziale Engagement in unserer Gemeinde gewürdigt und berücksichtigt wird. So sind in der Feuerwehr Aktive oder in sozialen Berufen Tätige entsprechend zu würdigen, da sie zu einem guten gesellschaftlichen Leben beitragen“, so Häckel. „Aber natürlich wäre es auch prima, wenn kein weiterer privater Dauerwohnraum vernichtet würde – dann müsste kein neuer Dauerwohnraum auf Kosten der Gesellschaft errichtet werden.“

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