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Sylter Rundschau

18. Dezember 2017 | 16:12 Uhr

Mehr Qualität durch regionale Produkte

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gastro Messe und Genusspfad: Raphael Ipsen und Ivo Köster sehen in Sylter Produkten mehr als nur einen gastronomischen Trend

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Mitte Februar ist auf Sylt wieder Messe-Zeit. Unter dem Motto „Von Syltern für Sylter“ präsentieren sich auf der Sylt Gastro Messe Sylter Firmen und deren Kooperationspartner dem Fachpublikum von der Insel und dem benachbarten Festland. Gut 70 Aussteller sind im Congress Centrum Sylt zwei Tage lang mit Dienstleistungen und Produkte rund um Hotellerie und Gastronomie vertreten, dazu gibt es mehr als 25 Winzer sowie ein gutes Dutzend Seminare und Diskussionen. Organisiert wird die Messe seit 2010 von Raphael Ipsen und seiner Frau Jenny. Voll im Trend liegen regionale Lebensmittel, mit denen sich gleich 17 Betriebe vorstellen. Passend dazu gibt es am Freitag vor der Messe erstmals den Genusspfad Natürlich Sylt, bei dem in fünf Westerländer Betrieben regionale Produkte auf den Tisch kommen. Genusspfad-Organisator Ivo Köster und Messe-Chef Raphael Ipsen sehen darin mehr als nur einen gastronomischen Trend.

Herr Ipsen, die fünfte Auflage der Sylt Gastro Messe steht vor der Tür – hat sich die Messe damit endgültig etabliert?

Raphael Ipsen: Sicher hat sie das. Das zeigen auch die kontinuierlich steigenden Besucherzahlen von zuletzt 1 300. Mit dem jetzigen Termin kurz vor Biike wird sich das hoffentlich fortsetzen, da erstmals alle Leute, die wir ansprechen, auch auf der Insel und nicht im Urlaub sind.

Im Vorwort des Messekatalogs sprechen Sie auch die touristische Weiterentwicklung der Insel und die Notwendigkeit zur besseren Vernetzung untereinander an. Wie weit kann die Gastro-Messe dazu einen Beitrag liefern?

Ipsen: Wir sind auf Sylt keine Order-Messe wie die in Husum, und wollen es auch gar nicht sein. Uns ist es wichtig, so etwas wie einen Tag der offenen Tür für die Branche zu zelebrieren, bei dem die Anbieter nur eben nicht in ihrem Betrieb, sondern alle zusammen auf der Messe stehen. Durch die räumliche Nähe der Aussteller entsteht ein reger Austausch, von dem jeder profitiert.

Herr Köster, wie weit ist so eine Sylter Messe für Sie als Gastronom interessant?

Ivo Köster: Weil sie ein Treffpunkt für die ist, die sonst immer im eigenen Restaurant stehen müssen. Mitte Februar ist ein guter Zeitpunkt zum Klönen, Leute kennen lernen, sich auszutauschen. Ich freue mich zudem über den Kontakt zu vielen Winzern, aber auch anderen Produzenten.

Fällt es nicht schwer, dem Fachpublikum immer wieder etwas Neues zu bieten, Herr Ipsen?

Ipsen: Nach fünf Jahren noch nicht. Zumal wir jedes Jahr so viele Anfragen haben, dass wir eigentlich das Dreifache an Fläche füllen könnten. Der verstärkte Fokus auf den Food-Bereich trägt sicherlich auch zur Attraktivität für Besucher aus der Gastro-Szene bei. Genauso wie die Seminare, die Podiumsdiskussion und für das allgemeine Publikum der Wein- und der Genusspfad. Ob uns in den nächsten Jahren immer noch was einfällt, wird sich zeigen.

Mit Natürlich Sylt vom Sylt-Marketing und Feinheimisch sind erneut zwei Kooperationen vertreten, die auch regionale Produkte und Produzenten setzen. Haben Sie das Gefühl, dass dieser Trend auf der Insel weiter Fuß fasst?

Köster: Auf jeden Fall von Seiten der Gäste. Je mehr ich mich mit dem Thema regionale Küche befasse, desto mehr merke ich, wie die dafür Feuer und Flamme sind. Das ist für die Gastronomie ein ganz wichtiges Geschäftsfeld, das wir beackern müssen, wenn wir touristisch konkurrenzfähig bleiben wollen. Da können wir vor allem punkten, wenn wir die Qualität durch regionale Produkte steigern. Das ist doch das Besondere an der Insel und sollte noch viel stärker unser Image prägen.

Ipsen: Viele Urlauber wollen die Insel auch gastronomisch erleben und die Nähe zwischen dem, was sie sehen, und dem, was auf den Teller kommt, spüren.

Glauben Sie, dass das den meisten Gastronomen auch klar ist?

Ipsen: Der Weg zur Besinnung auf das, was wir vor der Haustür haben, ist auf jeden Fall seit längerem da. Einer, der damit angefangen hat, ist Jörg Müller, der es zwar nicht predigt, aber seit Jahren lebt.

Köster: Jörg Müller ist seit meiner Jugend mein geistiges Vorbild. Er ist das Sylter Symbol für konstant hochwertige und nachhaltige Küche. Ein weiterer Vorreiter ist Johannes King, der durch seinen eigenen Hof in Morsum und eigene Zulieferer ja fast schon autark ist. Und ich stelle fest, dass es immer mehr solche Nachahmer wie mich gibt.

Dazu passt der Genusspfad, der dieses Jahr neu im Rahmenprogramm der Messe ist. Wie ist die Idee entstanden?

Ipsen: Zunächst einmal haben wir überlegt, was man außer dem Kampener Weinpfad noch für die Leute anbieten kann, die als Besucher nicht zur Fachmesse dürfen. Zumal der Weinpfad regelmäßig ausgebucht ist. Daraus entstand die Idee, etwas ähnliches zu machen, bei dem das Essen im Mittelpunkt steht und es dazu vor allem Bier statt Wein gibt.

Köster: Und von da war es nicht weit, die Idee von Natürlich Sylt aufzugreifen und zu sagen, alle fünf beteiligten Betriebe verwenden, so weit es geht, Sylter oder zumindest regionale Produkte. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich die Sylter Produzenten nicht verstecken müssen. Es ist unglaublich, welche Qualität die meisten heimischen Produkte haben.

Eine Vielzahl von Gängen und Genussproben fast ausschließlich aus Sylter Produkten – klappt das auch mitten im Winter?

Köster: Überhaupt kein Problem, auch wenn man natürlich gucken muss, was gerade zu haben ist. Da ist ein bisschen Fantasie gefragt. Am schwierigsten ist das noch mit dem Fisch. Viele Gäste kommen zwar extra auf die Insel, um hier Fisch zu essen, aber das einzige, was wir kaum haben, ist Sylter Fisch.

An welche Zielgruppe richtet sich der Genusspfad?

Ipsen: Angesichts der Jahreszeit natürlich vor allem an ganz normale Sylter, aber auch an Messe-Aussteller und alle interessierten Urlaubsgäste. Ich würde mich besonders über viele Gastronomen freuen.

Köster: Wir Gastronomen dürfen gerade den Sylter Gast nicht unterschätzen. Das ist der wichtigste Multiplikator. Und gerade jetzt haben viele Sylter – vom Handwerker bis zum Taxifahrer – auch mal die Zeit, sich ein bisschen umzuschauen.

Ihre Begeisterung für die Verwendung Sylter Produkte in der Sylter Gastronomie scheint fast grenzenlos – welches Potenzial hat dieser Trend?

Köster: Ich halte das Potenzial für riesig, weil ich merke, wie die Gäste darauf abfahren. Und dieser Trend bietet auch nach innen große Chancen, weil er zu einem Schulterschluss auf der Insel führen kann. Wenn man begreift, worum es geht, stärkt es das regionale Bewusstsein statt das Konkurrenzdenken. Die einzige Gefahr sehe ich darin, dass einige Produzenten vielleicht Angst kriegen, dass sie die Nachfrage nicht bedienen können. Aber dann muss man eben Wege finden, ihnen Verkauf und Vertrieb zu erleichtern. Warum sollte es nicht eines Tages eine Sylter Markthalle ausschließlich mit Sylter Produkten geben, in der man nicht nur einkaufen, sondern diese Produkte gut zubereitet auch genießen kann...

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