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Bürgermeisterwahl auf Sylt : Mehr Klarheit, aber noch keine Option

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten fand großes Interesse, brachte viele Besucher aber noch nicht auf den entscheidenden Weg

von
erstellt am 24.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Die Neugierde und auch die Erwartungen sind riesengroß – das zeigte überaus deutlich der gewaltige Andrang im Congress Centrum Sylt (CCS). Für Dutzende gab es nur noch Stehplätze am Rand des Saals oder oben auf der Empore: fast 900 Besucher kamen am Freitagabend zur öffentlichen Vorstellung aller Kandidaten für die Mitte Dezember stattfindende Bürgermeisterwahl. Eine etwa 50-prozentige Wahlbeteiligung vorausgesetzt, hat zumindest rein rechnerisch jeder Siebte der über 12 000 Wahlberechtigten an der Veranstaltung teilgenommen und erlebte sechs sehr unterschiedlich auftretende Bewerber, die sich in einer ersten Runde zunächst zur Person vorstellten.

Nach ihren Eröffnungsreden bleiben selbstgewählte Stichworte in Erinnerung, an denen sich jeder einzelne Kandidat auch in den späteren Runden orientierte: Gabriele Pauli sieht sich als „starke Frau mit Erfahrung“, Nikolas Häckel als „erfahrener Verwalter mit Rückkehrwunsch in seine Heimat“, Markus Ballentin als ein „aus Liebe engagierter Syltretter“, Robert Wagner als ein „Authentischer mit sozialer Verantwortung“, Lars Schmidt als „politischer Aktivist für einen Kurswechsel“ und Bernd Reinartz als einen „ruhigen Unabhängigen aus der Mitte der Insel.“

Es war an Moderator Carsten Kock, diese Selbstdarstellungen in thematischen Diskussionsrunden aufzubrechen. Dem RSH-Radiomann gelang dies durch geschicktes Nachhaken und ironisch-hintersinniges Nachfragen, in denen sich beispielsweise Reinartrz den „mittelscharfen Senf“ als Gewürz aussuchte, Schmidt die Öljacke zum liebsten Kleidungsstück erklärte oder Rettungsschwimmer Balllentin passend die TV-Serie Baywatch als Favorit nannte.

Bei den Themen herrschte unter den Kandidaten überwiegend Einigkeit, was unbedingt angepackt und schnell umgesetzt werden muss. Der Wohnungsbau stand bei allen an vorderster Stelle, auch die Problematik der weggefallenen Geburtenstation oder die moderate Entwicklung von Tourismus, Verkehrsaufkommen und Chancen für die nachwachsende Generation. Das zeigte sich auch bei der Frage von Moderator Kock zu Beginn, wofür die Kandidaten fiktive zehn Millionen Euro zu allererst einsetzen würden. Ohne das einer das Statement des anderen kannte, antworten fünf der sechs Kandidaten unisono: für mehr finanzierbare Wohnungen für Sylter und für eine Lösung, damit auf Sylt wieder echte Insulaner das Licht der Welt erblicken könnten. Nur Nikolas Häckel blieb auch dabei ganz nah bei seiner gegenwärtigen Profession als Bauamtsleiter und sagte, der gesamte Betrag müsse in die Modernisierung der Verwaltung investiert werden, um innovative und schlagkräftige Strukturen aufzubauen.

Nur selten traten in der Diskussion inhaltliche Unterschiede zu Tage, jeder Kandidat versuchte mit seiner Persönlichkeit zu punkten. Mitunter ergänzten sich die Bewerber sogar in ihren Argumentationen. Für die meisten Besucher und Wähler war es dennoch eine informative Veranstaltung, aus der Einige glaubten, „viel mitgenommen zu haben“ und ihre Erwartungen oder auch (Vor-)Urteile entweder bestärkt oder in gezieltere Bahnen gelenkt sahen. Für Keitumerin Traute Meyer kamen einige Bewerber leider „schwach rüber, aber man spürte doch bei allen das Herzblut, mit dem sie in den Wahlkampf ziehen“. Die Bürgervertreterin bedauerte jedoch, dass den Kandidaten immer die gleichen Fragen gestellt würden und vermisste „eine Diskussion über den Tellerrand der Gemeinde hinaus“, so zum Beispiel zum Miteinander auf Sylt, zum gesamt-insularen Denken und Handeln. Carsten Kerkamm ist überzeugt, es gehöre schon eine ordentliche Portion Mut dazu, sich so vor hunderten von Bürgern und Wählern zu präsentieren. Ausdrücklich wünscht sich der ehrenamtliche Stellvertreter eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister, die oder der die „eingeschlagenen richtigen Wege nicht wieder verlassen“ will, aber auch Visionen für Zukunft der Insel hat und immer wieder eigene Vorschläge ins Alltagsgeschäft einbringt. Hebamme Anke Bertram und Roger Glamann wollten sich noch nicht auf keinen Kandidaten festlegen, wünschen sich aber wie manch andere noch Unentschlossene als Option eine mögliche „Doppelspitze“ aus „charismatischer Bürgermeisterin“ und „durchsetzungsfähigem Verwaltungsfachmann“ – allerdings wohlwissend, dass eine solche Variante weder im Wahlgesetz noch in der Kommunalverfassung vorgesehen ist.

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