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Inselschreiber 2014 : Mehr als ein Auto-Aufkleber: Jan Brandt entdeckt Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Jan Brandt lebt in Berlin - und zieht auf die Insel. Der Autor erhält das Literaturstipendium Inselschreiber. Mit seinem Debütroman „Gegen die Welt“ war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Bisher hat er nur rudimentäre Sylt-Kenntnisse.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 15:20 Uhr

Mit seinem  Debütroman „Gegen die Welt“ war er für den Deutschen Buchpreis nominiert, nun zieht es Autor Jan Brandt in den äußersten Norden Deutschlands: Der in Berlin lebende Autor  erhält das 14. Sylt-Quelle Literaturstipendium Inselschreiber  2014. Er gewann den Wettbewerb mit dem „Heimkehr“ überschriebenen ersten Kapitel aus seinem zweiten, bislang noch unvollendeten Roman. Das mit 2500 Euro und einem zweimonatigen Aufenthalt auf Sylt dotierte Stipendium wird seit 2001 alljährlich von der Stiftung kunst:raum sylt quelle an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben, die bereits in Buchform publiziert haben.Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Der 1974 geborene Autor erzählt in Heimkehr eine Familiengeschichte, in der die Brüche der deutschen Geschichte, der Kriegs- und Nachkriegszeit sichtbar werden. Der angekündigte Besuch des längst totgeglaubten Onkels des Erzählers rührt an das große Geheimnis der Familie, an die Last der verdrängten Erinnerungen. Mit beeindruckender Souveränität verbindet Jan Brandt die verschiedenen Sprach- und Zeitebenen seines Texts, indem er zeigt, wie das Schweigen über die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst und bestimmt.“

Zu der Bewerbung für das Stipendium kam Brandt durch Mund-zu-Mund-Propaganda der aktuellen Inselschreiberin: „Katharina Hartwell hat mir von ihren positiven Erfahrungen auf Sylt berichtet“, sagt Brandt. Diese  Werbung und das Versprechen von Ungestörtheit reichten aus, um den Autor  für die  Einsendung seines Textes  zu motivieren. „Ich war bisher nie auf Sylt, kenne nur die Aufkleber auf den Autos“, gibt der 38-Jährige unumwunden zu.  „Sylter Klischees kenne ich gar nicht.“ Sagt es und muss diese Aussage dann doch etwas einschränken:  „Woher ich Sylt natürlich doch kenne – durch die Helden meiner Jugend: Ich will zurück nach Westerland“, schiebt Brandt nach und outet sich damit als ein Kind der 90er Jahre.

Zusätzlich passe Sylt als Insel zu der Umgebung seines aktuellen Roman-Projektes: „Es geht um Auswanderer aus Ostfriesland und damit auch um eine Geschichte, die am Meer angesiedelt ist.“  Der Roman wird  eine umfangreiche Familiengeschichte abbilden: „Ich will eine Geschichte erzählen, die aus der 30ern bis in die Gegenwart reicht.“ Entsprechend groß werde auch hier der Resonanzraum sein, sagt Brandt.   Damit wird  auch sein  jetzige Projekt  wieder viel Zeit in Anspruch nehmen, da ist sich der gebürtige Ostfriese sicher. „Die Komplexität des Stoffes treibt mich dazu.“ An seinem Debüt arbeitete der Autor sieben Jahre.

Jan Brandt, der bis heute zahlreiche Stipendien erhalten hat,  wurde 1974 in Leer/Ostfriesland geboren, studierte in Köln, London und Berlin Geschichte und Literaturwissenschaft und schloss mit einer Magisterarbeit über die Wochenzeitung der SS „Das Schwarze Korps“ ab.  2011 erschien bei DuMont sein Debütroman „Gegen die Welt“, mit dem er es im selben Jahr auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis schaffte. 2012 erhielt er für „Gegen die Welt“ den Nicolas-Born-Debütpreis. Im kommenden Jahr wird er nun auf Sylt zu Gast sein.

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